. .
TV und Fernsehen
Schlagzeilen Themen Mobil iPad Blogs Investigativ Hefte
 
Fotocommunity
Fotocommunity

Treffpunkt für ambitionierte Amateurfotografie. Bilder hochladen und bewerten, sich mit anderen Austauschen. mehr...

Weblogs bei stern.de
Weblogs bei stern.de

Die Online-Tagebücher bei stern.de: Freie Autoren schreiben hier persönlich, direkt und eigenständig. mehr...

Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka
sternTV - Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka

Vertiefende Informationen zu der aktuellen und den vergangenen Sendungen von sternTV. mehr...

stern Investigativ
stern Investigativ

Das Recherche-Team des stern. Erfahren Sie mehr über die Recherchespezialisten und ihre Enthüllungen von Terrorismus bis Wettmanipulation. mehr...

 
14. Mai 2009, 16:38 Uhr

RTL-Kinderexperiment unter Beschuss

Schleswig-Holsteins Ministerin für Soziales, Gesundheit, Familie, Jugend und Senioren, Dr. Gitta Trauernicht (SPD)© Bodo Marks/DPA

Viel Wirbel also um eine Doku-Soap, die noch nicht einmal gesendet wurde. Und jetzt kommt auch noch die Kieler Jugendministerin mit markigen Worten. Denen sie auch Taten folgen lässt: Trauernicht hat inzwischen die Kommission für den Jugendmedienschutz (KJM) eingeschaltet, die zentrale Aufsichtsstelle für den Jugendschutz im privaten Rundfunk. Dieser Weg steht ihr selbstverständlich frei - wie jedem anderen Bundesbürger übrigens auch. Und offenbar war die Politikerin nicht die Erste, die sich über die noch nicht ausgestrahlte Sendung beschwert hat: Die KJM bestätigte auf Nachfrage von stern.de den Eingang mehrerer Ersuche in Bezug auf "Erwachsen auf Probe".

Vorab einschreiten kann die Kommission jedoch nicht. Das weiß auch Gitta Trauernicht. Denn das Recht auf Presse- und Meinungsfreiheit ist in Deutschland ein Grundrecht. "Eine Zensur findet nicht statt", heißt es im Artikel 5 des Grundgesetzes.

Medienaufsicht hat nichts zu beanstanden

Genauso, wie kein Journalist in Deutschland seinen Text vorab einer staatlichen Medienaufsicht vorlegen muss, hat kein Sender die Pflicht, seine Inhalte vorab genehmigen zu lassen. Es gibt für die privaten Anstalten die Freiwillige Selbstkontrolle Fernsehen (FSF), der Sender ihre Inhalte vorab zur Begutachtung vorlegen können, was RTL im Fall von "Erwachsen auf Probe" getan hat. Mit dem Resultat, dass nichts zu beanstanden war.

Die Kommission für den Jugendmedienschutz darf erst nachträglich aktiv werden, indem sie die Entscheidung der Freiwilligen Selbstkontrolle überprüft. Dass sie eine Beurteilung der FSF kritisiert, kommt aber nur in den wenigsten Fällen vor. Die Ausstrahlung von "Erwachsen auf Probe" kann die Ministerin auf diesem Wege also nicht verhindern.

Ein Fall fürs Jugendamt?

Trauernicht geht sogar noch weiter: Sie fordert die Jugend- und Ordnungsämter auf, sofort zu handeln, falls Familien aus Schleswig-Holstein an der Doku-Soap teilnehmen. Aus dem Ministerium heißt es hierzu: "Die Jugendämter müssen bei Kindeswohlgefährdungen einschreiten. Ordnungsämter haben vor allem die Aufgabe der Gefahrenabwehr, insofern kann es bei Kindeswohlgefährdungen alles veranlassen, was für die Babys zur Gefahrenabwehr beiträgt." Löst man das Problem also, indem man Familien drangsaliert, die an einer Fernsehsendung teilnehmen? Wie weit darf der Staat überhaupt in Familien eingreifen? Hier geht es um eine grundlegende Abwägung zwischen staatlichen Schutzbefugnissen auf der einen und persönlichen Freiheitsrechten auf der anderen Seite.

Die Jugendministerin zögert nicht lange: Innerhalb ihres Ministeriums lässt sie bereits Gesetzesänderungen prüfen. Ob daraus etwas wird, bleibt abzuwarten. Deutlich mehr verspricht da ihre Ankündigung, auf der Jugendminister-Konferenz rechtliche Lücken im Kinderschutz zu identifizieren, um Kindeswohlgefährdung dieser Art künftig zu verhindern. Ob man damit aber die Ausstrahlung einer TV-Sendung verhindert? Schwer zu glauben, zumal das Recht auf Presse- und Meinungsfreiheit in Deutschland sehr hoch geschätzt wird.

Kostenlose Werbung

Schon jetzt hat die Debatte einen Gewinner: RTL. Mit jedem empörten Experten, mit jeder aufgebrachten Politikerin gelangt das neue Format in die Medien und bekommt kostenlose Werbung. Nicht wenige Zuschauer dürften am 3. Juni einschalten, um auch an dem Aufreger teilzuhaben und zu sehen, ob das wirklich so schlimm ist. Passend dazu kündigte der Privatsender RTL 2 den Start einer auf acht Teile angelegten Dokusoap mit dem Titel "Wunschkind" an, bei der werdende Eltern gefilmt werden.

Was ist aber die Konsequenz daraus? Muss man jedes Format hinnehmen, nur weil der Protest dem Sender nützen könnte? "Diese Sendungen werden sowieso bekannt. Man kann nicht alles kommentarlos hinnehmen, nur weil es anderen nützen könnte", sagt Paula Honkanen-Schoberth vom Kinderschutzbund. Ihre Einwände gegen die RTL-Baby-Sendung klingen durchaus plausibel. Auch wenn "Erwachsen auf Probe" ein Millionenpublikum finden wird, so erfährt die Öffentlichkeit immerhin, wie Fachleute zu dem stehen, was im Fernsehen gezeigt wird.

Ob die Kieler Jugendministerin mit ihren markigen Ankündigungen mehr bewirken kann, bleibt abzuwarten.

Von Carsten Heidböhmer
1 2
weiter  
 
 
KOMMENTARE (10 von 15)
 
sportartmakler (15.05.2009, 11:13 Uhr)
wann wird experte endlich mal zum unwort?
sehe das kindeswohl nicht gefährdet, bin aber natürlich auch kein eksberte.
alles wird jederzeit überwacht und die kinder werden ihren eltern nicht entrissen. in der grippe müssen babys auch mit "fremden" menschen "zurecht" kommen. immer noch besser die kleinen schreien in der situation, als wenn se dann später komplett fremdeln. aber was wissen schon ottonormalbürger wenn es experten gibt, auch noch aus der politik....
ansonsten ist mir das format eindeutig zu langweilig.
sternchen72 (15.05.2009, 09:03 Uhr)
Heidewitzka
Ich als Tagesmutter von Kindern zwischen 6 Monaten und 3 Jahren kann da echt nur rythmisch den Kopf an die Wand schlagen.
Hoffentlich wurden die KLeinen wenigstens schrittweise und ausreichend lange an die neuen "Eltern" gewöhnt. Ein echtes Rätsel, warum Leute ihre Kinder derart präsentieren müssen.
dr_sobal (15.05.2009, 08:31 Uhr)
BBC Baby Borrowers
Das Format gabs schon vor Jahren in Großbritannien und zwar sehr erfolgreich. Die Reihe wurde auch im Unterricht verwendet und es gibt richtige Lehrpläne von der BBC dazu. Hab das ganze selbst im Unterricht verwendet.
Hier "leihen" die Jugendlichen aber auch Teenager und später Rentner aus und stoßen bei allen Altersgruppen sehr schnell an ihre Grenzen.
Der Unterschied liegt hier wohl darin, dass die BBC das ganze weniger kommerziell und reißerisch bearbeitet hat.
Spocks_Kommentar (14.05.2009, 20:52 Uhr)
Schluß mit Krokodilstränen..
Vorab: Ich find das Format auch blöd. Aber.......
Viel schlimmer sind die gespielte Erregung dieser dubiosen angeblichen Kinderschützer wie Frau Trauernicht und Frau Honkanen-Schoberth.
Jeden 2. Tag wird ein Kind von seinen Eltern in Deutschland bei der "Erziehung" ermordet. Hört man dazu jedes mal, also 3x die Woche Frau Trauernicht und Frau Honkanen-Schoberth? NEIN!
Was tun die ach so besorgten Jugenämtern mit mißhandelten Kindern? Sie bringen die Ausreisser heim, weil die Familie so gut ist.
Und wo sind die ganzen Jugendpsychologen und Sozialarbeiter und was so sonst noch kreucht und fleucht und sich jetzt aufregt, wenn Kinder wirkliche Probleme haben? Hinterm Busch in Deckung.
Einzig Katharina Saalfrank hat aber auch nur ein einziges Mal einen Aufstand gemacht - übrigens dank Fernsehen.
Kinderschutz ja. Kindeswohl, unbedingt. Aber wahlkampfgerechte Betroffenheit über eine Blödheit eines Fernsehsenders nicht.
Die Sendung ist doof, aber nicht der Untergang des Abendlandes.
Bei 200 jährlich von ihren Eltern erschlagenen Kindern sieht das schon anders aus.
Dazu möchte ich Frau Frau Trauernicht und Frau Honkanen-Schoberth hören und das soll sie zuerst beseitigen.
Dann kann sie sich von mir aus wieder um RTL kümmern. Und wenn sie das nicht begreift, gehört sie nicht in ein Ministerium, sondern an den heimischen Herd, am besten ohne Kinder, damit sie keinen Schaden machen kann.
hosiannarunner (14.05.2009, 20:49 Uhr)
Es reicht!
Wenn Erwachsene sich im Dschungel oder bei irgendwelchem Superstar-Geträller blamieren, ist das ihre Sache. Wenn ein Sender aber vor gar nichts mehr zurückschreckt, dann sollte man ihn vielleicht besser boykottieren. Und die Erziehungsberechtigten, die ihre Kinder dafür hergeben, sollten mal genau hinterfragt werden, ob sie selber überhaupt erziehungsfähig sind.
steinhardt (14.05.2009, 19:29 Uhr)
RTL gehört schon lange angeschaltet
Solche Sender sind Miterzeuger der "Generation Doof"
Im Namen der Medienfreiheit können sie sich hierzulande alles erlauben.
PPSS (14.05.2009, 19:06 Uhr)
wer ist da hirnloser
Die Nummer von RTL ist auf jeden Fall extrem grenzwertig.
Aber nicht viel Hirnloser sind doch Politker, die den Anlass für die Show (die steigende Anzahl der Teenagerschwangerschaften) nicht Thematisieren, aber Krawall schlagen, nur sie ein Aufmerksamkeitsdefizitssyndrom hat...
kepe (14.05.2009, 19:01 Uhr)
Da verschlägt es mir die Sprache
ein Beweis mehr, dass Kinder keine Menschenrechte haben, sondern als Objekt betrachtet werden. Der "Knacks" hat wohl schon stattgefunden; ich gehe davon aus, das bereits produziert wurde.
Dass man so tief sinken kann ....
Bebuquin (14.05.2009, 18:53 Uhr)
Gibt es für sowas nicht...
... Plastikpuppen mit entsprechender Technik, die die Fürsorge registriert und damit am Ende des Tests Aufschluß über die Betreuung ermöglicht?
.
Oder will RTL auf diese Weise den Ruf als White-Trash-Sender aufrecht erhalten?
sternchen2007 (14.05.2009, 18:41 Uhr)
Das Schlimme ist...
..., dass solche Sendungen ja nur dafür gemacht sind, damit etwas schief läuft, denn sonst wäre es ja für die Zuschauer unspektakulär! Das heißt, es wird billigend in Kauf genommen oder sogar gewünscht, dass dem Elternpaar auf Probe eine Panne nach der anderen passiert. Wer will schon sehen, wie alles klappt?
Die armen Säuglinge haben ihren Knacks dann weg, aber bei Eltern, die ihr Baby für so etwas frei geben, war es bestimmt nicht der erste Knacks...
Regt sich noch jemand auf, dass vor drei Wochen drei Kinder alleine in einer Pizzeria in Italien zurückgelassen wurden? Das ist dagegen ja schon fast verantwortungsbewußt...
MEHR ZUM ARTIKEL
RTL-Unterhaltungschef Tom Sänger So werden Casting-Kandidaten ausgewählt

Nach "DSDS" produziert RTL gerade "Mission Hollywood". Darin sucht Til Schweiger die Schauspielerinnen von morgen. RTL-Unterhaltungschef Tom Sänger sagt, wie die Teilnehmer ausgewählt werden und mit welchen Tricks Langweile vermieden wird. mehr...

Skandale bei "Big Brother" Auf der Suche nach dem letzten Tabu

Stell' dir vor, es läuft "Big Brother" und keiner guckt hin. Fazit zur Halbzeit der aktuellen Staffel: ein Pädophilie-Aufreger, ein Nazi-Skandal und reichlich Sex. Nur eins ist neu: Keiner regt sich mehr darüber auf. Sind wir schon so abgestumpft? stern.de sprach mit Politik, Kirche und einem Medienpsychologen. mehr...

Schreibaby Gebrüll ohne Ende

Schreibaby werden sie genannt: Rund 20 Prozent aller Säuglinge brüllen extrem oft. Das kann Eltern an den Rand der Verzweiflung treiben. Säuglingskoliken, diagnostiziert der Arzt meist. Falsch, sagen Fachleute. mehr...

 
Leser werben Leser

Jetzt den stern empfehlen und attraktive Prämie sichern!

 
 
 
 
 
stern - jetzt im Handel
stern (22/2012)
Dick im Geschäft