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6. August 2007, 10:59 Uhr

Macht uns das Fernsehen zu besseren Menschen?

Big Player in Sachen Nächstenliebe

Immerhin werden diese Shows von Millionen gesehen. Auch wenn sich nicht alle dazu bekennen - vor den Fernsehgeräten kommt das Helfer-Format gut an. Iris Mayerhofer, Unterhaltungschefin bei Kabel Eins, weiß, was den Erfolg dieser Sendungen ausmacht: "Wir zeigen die wahren Geschichten echter Menschen. Damit kann sich der Zuschauer sehr gut identifizieren. Aber wir belassen es nicht dabei, die Geschichte nur zu zeigen, wir bringen sie auch zu einem positiven Ende." Feel-Good-TV nennt es die Unterhaltungschefin. Gute Gefühle, die sich auf den Zuschauer übertragen. "Man freut sich mit den Protagonisten. Wir haben viel Resonanz von Zuschauern bekommen, die sich freuten, dass endlich mal in einer Sendung nur Gutes getan wird."
Eine Zeit lang erleben Familien oder Einzelpersonen das Glück auf Erden. Werden getätschelt und weichgespült. Die Sender lassen sich nicht lumpen, wenn es um Nächstenliebe geht. Iris Mayerhofer legt wert darauf, dass die Kandidaten der neuen Kabel-Eins-Show "Der Glücksvollzieher" nicht nach "Schlagzeilen-Trächtigkeit" ausgewählt werden. Und vorführen will der Sender angeblich auch niemanden: "Wer entscheidet, wann ein Schicksal im Fernsehen lediglich dokumentiert wird und ab wann man von Vorführen spricht? Ist eine Schicksals-Dokumentation über siamesische Zwillinge bei Arte automatisch eine preisverdächtige Dokumentation und bei Privatsendern 'Vorführen von Schicksalen'?"

Kabel Eins' "Glücksvollzieher" Tetje Mierendorf beschert seit letzter Woche immer montags ausgewählten Menschen einen Tag, der so gar nicht zum Rest ihres Lebens passt. Einen guten Tag. Ein Tag, an dem das Glück auf der Straße liegt. In der ersten Folge traf es den Medizin-Studenten Johannes. In einer Zeit, in der alles schief läuft, fällt ihm plötzlich alles in den Schoß: ein Handy, Konzertkarten, ein Modelauftrag ... Geblendet von so viel Glück dankt er zunächst dem Falschen: "Lieber Gott, du meinst es gut mit mir!" Dass die fleischgewordene Barmherzigkeit Tetje Mierendorf dahinter steckt, ahnt er in diesen Momenten noch nicht. Die Aufklärung folgt erst am Abend. Johannes hat nicht Gott auf seiner Seite sondern Tetje. Glückskind oder arme Wurst?

Emotionales Nackigmachen der Kandidaten

Es ist natürlich nichts Verwerfliches dabei, andere Menschen glücklich zu machen. Dass die Wiederholungen des "Emotainments" langsam aber sicher sämtliche Richtershows aus dem Fernsehprogramm verdrängt, ist ein positiver Nebeneffekt, der noch mehr Menschen erfreut, als eigentlich geplant. Der Preis für die Kandidaten ist jedoch hoch. Vor laufender Kamera müssen sie sich emotional nackig machen und zeigen, wie übel ihnen das Leben mitgespielt hat. Das ist der Deal. Von nix kommt nix. In ihrer Not bleibt den Familien meist nichts anderes übrig als mitzumachen. Gezeigt wird alles, was ordentlich auf die Tränendrüse drückt. Die Kamera schwenkt zu James Blunt durch die Schimmel befallene Wohnung. Sinéad O’Connor bietet die perfekte Untermalung beim Durchblättern alter Fotos eines verstorbenen Familienmitglieds.

Früher oder später ist die bunte Tüte guter Laune ausgeleert. Die Kameras sind weg. Was bleibt, ist die Erkenntnis, dass auch das TV-Team weder Krankheiten heilen, noch Tote auferstehen lassen kann. Und irgendwann hat sie die Vergangenheit wieder. Den Vorwurf, dass die Kandidaten vor die Kamera gezerrt und danach fallen gelassen werden, lässt Iris Mayerhofer von Kabel Eins nicht auf sich sitzen: "Johannes, dem Glückskind der ersten Sendung, konnten wir durch die finanzielle Unterstützung ein sorgenfreies Weiterstudieren ermöglichen. Die zuständige Redakteurin hat seitdem mehrmals mit ihm telefoniert!"

Menschenliebe versus Einschaltquote

Die Frage ist nur, ob das reicht, findet Medienpsychologe Süss. "Das Risiko besteht, dass bei den Betroffenen ein schaler Beigeschmack zurückbleibt, weil sie realisieren, dass man ihnen nicht aus reiner Menschenliebe oder persönlicher Sympathie etwas völlig Überraschendes geschenkt hat, sondern weil die Sendung damit Einschaltquoten machen soll und die eigentlichen Stars nicht sie, sondern die Moderatoren sind."

Den Zuschauer indes stört das wenig. Sind die Tränen des Mitleids getrocknet, zappt er zur nächsten guten Tat und denkt vermutlich tatsächlich, damit die Welt retten zu können. Ganz nach dem Motto: Es gibt noch viel Gutes zu tun. Schalten wir den Fernseher an.

Von Katharina Miklis
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KOMMENTARE (10 von 16)
 
A.Dzaak (08.08.2007, 11:23 Uhr)
Übel!
Die Sendungen sind übel, manche zumindest. Nur, sie werden geguckt!! Was sollen denn die Sender machen, wenn der Geschmack des Publikums eben so ist wie er ist? Nicht alle Menschen lieben die Themenabende auf Arte! Leider!!
StillerBeobachter (07.08.2007, 14:10 Uhr)
Das Programm der Privaten ist einfach nur widerlich!
Ich würde eher meine Hütte abfackeln als mir von dieser dicken Lispel-Erna meine Bude mit einem Sammelsurium an Geschmacklosigkeiten verunstalten zu lassen.
Ich weiß schon ganz genau, warum ich so gut wie nie diese Privatsender der Bertelsmänner und der Pro7/Sat1 Media Group einschalte.
Dieses Tunten- und Proleten-TV muss ich mir beim besten Willen nicht geben, genauso wie diesen rührseligen Kitsch (vorzugsweise bei RTL).
Bäh, ist das widerlich !!!
tagora-sagittara (07.08.2007, 14:09 Uhr)
@sternchen2007
im Sinne des Wortes... "frei von Geist"... ich bin deutscher und halte nichts von eingedeutschter Freideklaration...
sportartmakler (07.08.2007, 13:44 Uhr)
@js110010
wieder beruhigt? das kann einem ja angst machen wie du bei so einem banalen thema abgehen kannst. ich würde einen aggressionsbewältigungskurs dringend anraten! wenn es dich nicht interessiert (mich übrigens auch nicht) schalte weg, schalte ab, auf jeden fall reg dich ab ;-)
js110010 (07.08.2007, 13:28 Uhr)
ba ist mir übel..
ich kann mich gar nicht mehr beruhigen...
den finger nicht rühren, wenn einer neben dir am verrecken ist, aber feuchte augen bekommen, wenn tante edeltraud über ihren manfred heult, der nie aus dem krieg zurückkam und jammert, dass die kasse ihr neues holzbein nicht bezahlen will....
oh, gott, was für eine kranke welt...
passt auch prima zu diesen ganzen wiederlichen charity-hyänen
bisschen sekt, bisschen spass., bisschen roberto blanko und thommi gottschalk, dann tombola und fertig ist die kindergartenrutsche für 1200 Euro. Rechnung für Champus, Kanapes, Privatjets der stars: 3,5 Mio.
Bah, ihr seid alle so wiederlich da draußen
js110010 (07.08.2007, 13:22 Uhr)
Wir zeigen die wahren Geschichten echter Menschen"
Und wen insteressiert das?
Mich NULL
js110010 (07.08.2007, 13:21 Uhr)
wie dumm und einfälig müssen Menschen sein,
denen sowas gefällt
Ich begreife das nicht.
Wenn ich solche Sendungen sehe, könnte ich nur durchdrehen und Ammok laufen
bernie-abg (07.08.2007, 11:08 Uhr)
@IsyAltklug....
...Zustimmung.Dazu kommt noch die ironische Komponente.
Die gleichen Sender zeigen Pseudo- Dokus über das "fantastische" Leben der Multi-Millionäre, welche in ihrer Gier nach Rendite die Arbeitslosigkeit der Protagonisten der "Hilfe-Shows" mutmaßlich mitverursacht haben.
IsyAltklug (07.08.2007, 08:42 Uhr)
Wo keine Nachfrage, da kein Angebot...
es ist doch wohl klar, dass es solche Sendungen bei den Privaten nicht geben würde, wäre nicht ein erheblicher Teil der deutschen Bevölkerung darauf scharf. Es ist wie mit der Bild-Zeitung, nix drin, aber die höchste Auflage an überregionalen Tageszeitungen in ganz Deutschland. Sicherlich kann man sich über den Intelligenzquotienten der deutschen Bevölkerung Sorgen machen, doch hier ist ausnahmsweise mal klar, was eher da war, das Huhn oder das Ei. Das Fernsehen bedient nur niederste Instinkte, es produziert sie aber nicht oder: die Leute werden nicht verdummt - sie sind es schon und bekommen lediglich ihr Forum.
SirDidimus (07.08.2007, 08:01 Uhr)
Keine Hilfe für die Betroffenen
es wird leuten geholfen. das ist manchmal auch gut so, aber verändert das die leute? ich habe mir gestern im wdr "der große finanz-check" angesehen. auch eine helfer sendung, aber bei dieser hat man den eindruck, dass die betroffenen dabei noch lernen. in den im bericht geschilderten sendungen, kommt eine einmalige aktion, bei der am schluss rauskommt, dass die wohnung neu gemalt, und ein neues auto gekauft wurde. das ist keine hilfe zur selbsthilfe, sondern eher eine einladung für die geholfenen, darauf zu warten, dass nochmals eine sendung mit ihnen gemacht wird. wenn ich dann auch noch sehe, wie namhafte firmen diese sendungen aus heiterem himmel unterstützen, dann frage ich mich, warum ich neulich im baumarkt mein zeug selbst zahlen musste? hilfe ist gut, aber dem empfänger der geschenke erhält, hat im endefekt nicht wirklich was davon. eine woche später kennt ihn keiner mehr, und die sorgen bleiben die gleichen.
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