
Die Vorleser: Autorin Amelie Fried und Literaturkritiker und Feuilletonist Ijoma Mangold© ZDF/Annette Hornischer, Susanne Dittmann
Ich mache mir da keine Gedanken. Der Sendeplatz ist, wie er ist. Ich beginne keine Sendung damit, dass ich mit den Programmverantwortlichen über den Sendeplatz diskutiere. Das ist nicht der richtige Weg. Erstmal macht man eine gute Sendung. Dann sieht man weiter.
Ganz ehrlich: Ich schlage gar keine Zeitung auf. Das macht mein Mann. Der weiß dann schon, was er mir hinlegen darf.
Wenn Kritik immer sachlich und konstruktiv wäre, würde ich sie auch lesen. Kritik ist manchmal aber einfach nur verletzend oder hämisch. Aus Gründen der seelischen Hygiene möchte ich das nicht an mich heran lassen.
Aber auch viele Gute!
Jeder hat ein Recht auf seine eigene Meinung. Aber es gefällt mir nicht, dass meine Bücher oft so abfällig und herablassend behandelt werden, nur weil sie dem Unterhaltungsgenre angehören. Der Vorwurf ist dann immer: Das ist ja keine Literatur! Ich verstehe nicht, warum hier zu Lande immer Äpfel mit Birnen verglichen werden und den Äpfeln vorgeworfen wird, dass sie keine Birnen sind. Ich schreibe gerne und sehr erfolgreich Unterhaltungsromane und will mich nicht immer dafür entschuldigen müssen.
Auf den ersten Blick sieht es ja so aus, als wäre Ijoma Mangold für die ernsthafte Literaturkritik zuständig und ich eher für das Leichte. Das ist eine verführerische Vorstellung - aber so einfach ist das nicht. Weder ist er elitär noch bin ich nicht in der Lage, Literatur zu beurteilen. Das wird sich mischen. Trotzdem sind die verschiedenen Sichtweisen natürlich interessant: Er ist jung, ein Mann, ein Literaturkritiker, ich bin älter, eine Frau, Autorin. Da wird es auch schon mal zu unterschiedlichen Meinungen kommen.
Das ist ein langer Prozess. Ijoma Mangold und ich arbeiten mit zwei Redakteuren zusammen. Wir diskutieren, tauschen uns viel aus. Wie suchen Entdeckungen jenseits von Bestsellerlisten und dem gängigen Mainstream. Ich lese zurzeit drei bis fünf Bücher in der Woche. 50 Seiten gebe ich jedem Buch. Bis dahin muss es mich überzeugt haben, mich packen, sonst lege ich es weg.
Ja. Zu Zeiten von Elke Heidenreich hat man gesehen, dass ihre Sendungen immer eine Auswirkung auf den Buchverkauf hatten. Das sollte jedoch nicht das einzige Kriterium für so eine Sendung sein. Diese Empfehlungen müssen aus eigener Überzeugung kommen. Der Titel "Vorleser" hat ja auch etwas von "Vorkoster". Wir kosten also schon mal vor und geben den Leuten dann Empfehlungen. Und zwar nicht, weil wir dem Buchmarkt etwas Gutes tun möchten. Das ist ein schöner Nebeneffekt, darf aber niemals das Hauptziel sein. Wir sind ja kein Verkaufskanal.
Ich halte Charlotte Roche für eine intelligente, unerschrockene junge Frau mit einiger Medienerfahrung und glaube, dass sie ihre Sache gut machen wird.
"Die Vorleser" mit Amelie Fried und Ijoma Mangold, am 10. Juli um 22.30 Uhr im ZDF
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