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9. Juli 2009, 11:48 Uhr

"Ich kritisiere nicht so polterig wie Reich-Ranicki"

Amelie Fried, Elke Heidenreich, Charlotte Roche, Die Vorleser, ZDF

Die Vorleser: Autorin Amelie Fried und Literaturkritiker und Feuilletonist Ijoma Mangold© ZDF/Annette Hornischer, Susanne Dittmann

Elke Heidenreich kritisierte stets, das Format würde im Nachtprogramm versteckt. Wie zufrieden sind Sie mit dem Sendeplatz um 22.30 Uhr?

Ich mache mir da keine Gedanken. Der Sendeplatz ist, wie er ist. Ich beginne keine Sendung damit, dass ich mit den Programmverantwortlichen über den Sendeplatz diskutiere. Das ist nicht der richtige Weg. Erstmal macht man eine gute Sendung. Dann sieht man weiter.

Wenn Sie am Morgen nach Ihrer ersten Sendung "Die Vorleser" die Zeitung aufschlagen, was würden Sie da am liebsten über sich lesen?

Ganz ehrlich: Ich schlage gar keine Zeitung auf. Das macht mein Mann. Der weiß dann schon, was er mir hinlegen darf.

Angst vor der Kritik an Ihrer Kritik?

Wenn Kritik immer sachlich und konstruktiv wäre, würde ich sie auch lesen. Kritik ist manchmal aber einfach nur verletzend oder hämisch. Aus Gründen der seelischen Hygiene möchte ich das nicht an mich heran lassen.

Sie haben für Ihre eigenen Bücher viele schlechte Kritiken bekommen...

Aber auch viele Gute!

In Erinnerung bleiben leider Reizwörter wie Weichspülerin, Frauenliteratur...

Jeder hat ein Recht auf seine eigene Meinung. Aber es gefällt mir nicht, dass meine Bücher oft so abfällig und herablassend behandelt werden, nur weil sie dem Unterhaltungsgenre angehören. Der Vorwurf ist dann immer: Das ist ja keine Literatur! Ich verstehe nicht, warum hier zu Lande immer Äpfel mit Birnen verglichen werden und den Äpfeln vorgeworfen wird, dass sie keine Birnen sind. Ich schreibe gerne und sehr erfolgreich Unterhaltungsromane und will mich nicht immer dafür entschuldigen müssen.

Werden Sie bei "Die Vorleser" für die Unterhaltungsliteratur zuständig sein oder wie sieht die Aufgabenteilung zwischen Ihnen und dem Feuilletonisten Ijoma Mangold aus?

Auf den ersten Blick sieht es ja so aus, als wäre Ijoma Mangold für die ernsthafte Literaturkritik zuständig und ich eher für das Leichte. Das ist eine verführerische Vorstellung - aber so einfach ist das nicht. Weder ist er elitär noch bin ich nicht in der Lage, Literatur zu beurteilen. Das wird sich mischen. Trotzdem sind die verschiedenen Sichtweisen natürlich interessant: Er ist jung, ein Mann, ein Literaturkritiker, ich bin älter, eine Frau, Autorin. Da wird es auch schon mal zu unterschiedlichen Meinungen kommen.

Wie viele Bücher lesen Sie pro Sendung und welche schaffen es in die Sendung?

Das ist ein langer Prozess. Ijoma Mangold und ich arbeiten mit zwei Redakteuren zusammen. Wir diskutieren, tauschen uns viel aus. Wie suchen Entdeckungen jenseits von Bestsellerlisten und dem gängigen Mainstream. Ich lese zurzeit drei bis fünf Bücher in der Woche. 50 Seiten gebe ich jedem Buch. Bis dahin muss es mich überzeugt haben, mich packen, sonst lege ich es weg.

Denken Sie, dass man übers Fernsehen wirklich Menschen zum Lesen bewegen kann?

Ja. Zu Zeiten von Elke Heidenreich hat man gesehen, dass ihre Sendungen immer eine Auswirkung auf den Buchverkauf hatten. Das sollte jedoch nicht das einzige Kriterium für so eine Sendung sein. Diese Empfehlungen müssen aus eigener Überzeugung kommen. Der Titel "Vorleser" hat ja auch etwas von "Vorkoster". Wir kosten also schon mal vor und geben den Leuten dann Empfehlungen. Und zwar nicht, weil wir dem Buchmarkt etwas Gutes tun möchten. Das ist ein schöner Nebeneffekt, darf aber niemals das Hauptziel sein. Wir sind ja kein Verkaufskanal.

Während Sie "die neue Elke Heidenreich" sind, übernimmt Charlotte Roche Ihren Job bei "3nach9". Was sagen Sie zu der neuen Verpflichtung?

Ich halte Charlotte Roche für eine intelligente, unerschrockene junge Frau mit einiger Medienerfahrung und glaube, dass sie ihre Sache gut machen wird.

"Die Vorleser" mit Amelie Fried und Ijoma Mangold, am 10. Juli um 22.30 Uhr im ZDF

Lesen Sie auch bei fuersie.de: "Kolumnen von Amelie Fried"

Frieds aktueller Roman

Frieds aktueller Roman In dem Mutter-Tochter-Drama "Immer ist gerade jetzt" zieht die 18-jährige Josy für ein Jahr nach Mexiko, um bei einem Kinderhilfsprojekt zu arbeiten. Als ihre Mutter Freda in Deutschland die Nachricht bekommt, Josy sei spurlos verschwunden, macht sie sich auf die Suche nach ihrer Tochter. Heyne Verlag

Interview: Katharina Miklis
Seite 1: "Ich kritisiere nicht so polterig wie Reich-Ranicki"
Seite 2: Elke Heidenreich kritisierte stets, das Format würde im Nachtprogramm versteckt. Wie zufrieden sind Sie mit dem Sendeplatz um 22.30 Uhr?
 
 
KOMMENTARE (5 von 5)
 
raptor-xl (09.07.2009, 17:39 Uhr)
reich ranitzky ist aggressiv...
daher mag ich den eigentlich nicht. amelie ist jedoch bieder und langweilig, dass mag ich noch weniger. denn der eine bewahrte mich vorm einschlafen, die andere treibt mich dahin...
lesen ist toll!!! und es wird viel zu selten gemacht. aber neue leser wird man mit der besetzung nicht finden!!!
joactin (09.07.2009, 14:31 Uhr)
Ich kritisiere nicht so polterig wie...
Reich-Ranicki ist eine Perönlichkeit, Amelie Fried is a nothing.
MeinBenutzername (09.07.2009, 12:49 Uhr)
Mrs Talkshow
Leider wird immer wieder vergessen, dass Frau Fried mit Trutz Beckert (+)zusammen eine der ersten Talkshows in Deutschland morderiert hat.
Hirnfreund (09.07.2009, 12:42 Uhr)
Hausfrauensendung
Ohje, ich kann mir schon vorstellen was das wird: Ein fröhlich, nette und absolut unbedenkliche Hausfrauensendung und Ecken und Kanten, glattgebügelt und familiengerecht.
Wenn die Autorin schon sagt, sie "will nicht böse sein" bedeutet dies übersetzt "ich will es jedem Recht machen".
Gäääähn. Schon im Vorfeld.
Robbespierre (09.07.2009, 12:16 Uhr)
Ob das mal gut geht
Reden über Literatur ist langweilig, Reich-Ranitzky ist lustig. So war es eigentlich schon immer. Beim literarischen Quartett ging es auch immer um ihn, weniger über die Literatur. Deshalb habe ich es mir angeschaut, deswegen haben Millionen sich das angesehen, nicht wegen den ollen Schinken, die ich im Germanistik-Studium einmal tonnenweise zuviel lesen mußte. Ob die Sender es wahrgaben wollen oder nicht, es geht immer um Unterhaltung. Und das ist manchmal (besonders im drögen Fall der Literatursendungen) gut so. Sonst wird noch weniger gelesen. Garantiert.
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