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25. Januar 2009, 13:00 Uhr

"Wir Alten lassen uns nicht unterkriegen"

Dschungelcamp, Ingrid van Bergen,

Dschungelkönigin van Bergen mit den Moderatoren Dirk Bach und Sonja Zietlow© RTL

Frau van Bergen, Sie haben mit Ihren 77 Jahren so viel erlebt. Sie waren ein großer Star. Dann der Absturz. Wegen Totschlags mussten Sie ins Gefängnis... Trotzdem sagten Sie gestern, das Dschungelcamp wäre Ihre größte Erfahrung gewesen. Warum?

Die Verbindung der Natur - diese Regenfälle hier waren überwältigend - und der Tierwelt mit dem Urwald, das war unbeschreiblich. Außerdem konnte man das Gruppenverhalten der Menschen studieren. Wenn zehn Menschen auf engstem Raum zusammengefercht werden, das ist eine sehr interessante Erfahrung. Da merkt man, an welche Grenzen man selber stößt. Das zu erkennen war für mich persönlich sehr wichtig.

Alle anderen Frauen im Camp hatten operierte Brüste und andere Schönheitskorrekturen über sich ergehen lassen. Hat Ihre Natürlichkeit letztlich gesiegt?

Ja, das denke ich schon. Sehen Sie, ich musste mir keine künstlichen Brüste einsetzen lassen. Ich muss nicht ewig an mir rumstylen. Ich war einfach mehr oder weniger ungeschminkt. So wie ich bin. Und das Publikum wusste das zu estimieren. Diese Oberflächlichkeiten waren gar nicht nötig.

Waren die jungen Frauen im Camp vielleicht viel zu sehr mit Konkurrenzdenken und ihrer Außenwirkung beschäftigt?

Auf jeden Fall. Und das finde ich sehr äußerlich. Wir befinden uns ja nicht auf einem Laufsteg sondern im Dschungel. Der Urwald hat besondere Anforderungen. Statt nackte Haut zu zeigen, muss man sich doch eher mit Kleidung schützen, vor Insekten und anderen Tieren. So leicht bekleidet im Busch rumzuhüpfen ist unnatürlich.

Giulia Siegel hatte sich vor dem Dschungelcamp extra noch unters Messer gelegt. Im Camp zeigte Sie sich dann aber von ihrer "hässlichen" Seite und ging verbal mehrfach auf Sie los...

Giulia Siegel bedarf dringend irgendeiner Hilfe. Sie hat ein Verhalten gezeigt, das nicht so einfach zu erklären ist. Das müsste mal jemand therapieren und analysieren. Das hat vermutlich Ursprünge in der Kindheit. Wir Menschen sind Herdentiere. Gruppenverhalten ist wichtig und muss erlernt werden. Das ist ein schwieriger Prozess für Menschen, die in behüteten und reichen Verhältnissen alleine aufwachsen. Aber der Mensch ist ja lernfähig. Ich hoffe für sie.

Wird es nach all den Anfeindungen jetzt noch ein klärendes Gespräch mit Frau Siegel geben?

Nein, ich lasse es auf sich beruhen. Es hat ja im Camp schon ein Gespräch von anderer Seite aus gegeben, das bewiesen hat, dass Giulia darüber gar nicht reden will. Als wir ihr nahegelegt haben, dass ihr Verhalten und ihre Art Menschen schockiert, hat sie gesagt, das wäre Blödsinn und das läge daran, dass die anderen so ungerecht zu ihr wären. Und daran sehe ich, dass ein Gespräch gar keinen Sinn hat.

Während Ihrer letzten Minuten im Camp sahen Sie gestern Abend aus, als würden Sie ein Stoßgebet gen Himmel senden. Sind Sie religiös oder was haben Sie da gedacht?

Ich bin Buddhistin. In dem Moment war ich einfach überrascht und überfordert. All denjenigen, die mir das ermöglicht haben, mich dieser Prüfung zu unterziehen, denen habe ich in diesem Moment gedankt.

Was wird sich jetzt für Sie ändern, Frau van Bergen?

Ich werde mich nicht ändern. Ich werde immer so bleiben, wie ich bin. Ich bin Schauspielerin und natürlich darauf angewiesen, dass die Medien sich mit mir beschäftigen. Möglicherweise entsteht etwas Positives daraus. Aber das wird man abwarten müssen. Morgen verlasse ich Australien erstmal in aller Herrgottsfrühe. Und heute Abend trifft sich das ganze Team, also nicht nur wir zehn, sondern alle die beteiligt waren, zu einem Umtrunk.

Frau van Bergen, Ihre letzten Worte als neue Dschungelkönigin an das Volk...

Die Leute sollen die Herausforderungen, die das Leben stellt, annehmen. Man darf sich nie drücken. Wenn man hinfällt, wenn man mal eine Prüfung nicht besteht, dann soll man immer wieder aufstehen. Hinfallen kann man so oft man will. Aber man muss immer wieder aufstehen. Nicht nur um anderen etwas zu beweisen, sondern vor allem um sich selbst etwas zu beweisen. Der Mensch ist abhängig von seinen Selbstwertgefühlen. Das darf nie verletzt werden. Weder von sich selbst noch durch andere. Man muss auch mal seine eigenen Grenzen überscheiten können, wenn es einen im Leben weiterbringt. Das habe ich stellvertretend für meine Generation bewiesen. Und ich würde es immer wieder machen.

Von Katharina Miklis
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