
Vom Redaktionsleiter des RTL-Boulevard-Magazins "Explosiv" zur eigenen Talksendung im ZDF. Markus Lanz tritt in die Fußstapfen von Johannes B. Kerner© Felix Hörhager/DPA
Vielleicht hat es etwas mit dem Alter zu tun. Irgendwann, wenn die Supernanny schon da war, einen auf Spur gebracht hat und man alles brav gemacht hat, vom Dschungel bis zum Dieter, dann ist es irgendwann an der Zeit, dass das ZDF kommt und sagt: Du bist jetzt bei uns im Recall. Das war jedenfalls mein Gefühl.
Es hat auf jeden Fall nichts mit Geld zu tun.
Mich interessiert beispielsweise das andere Publikum. Als ich mit dem bekannten Koch Horst Lichter, über den ich ein Buch geschrieben habe, auf Lesereise war, sind mir Menschen begegnet, die keine Ahnung hatten, was ich mache. Okay, das konnte ich verschmerzen. (lacht). Die wussten aber auch nicht, wer Dieter Bohlen ist. Das war für mich eine völlig neue Erfahrung. Die Menschen, die zu den Lesungen kamen, waren Menschen aus einem soziokulturellen Umfeld, das wohl etwa dem der ZDF- oder auch ARD-Zuschauer entspricht. Mich interessiert: Wie kann man diese Menschen mit Fernsehen erreichen?
Ich wette, es gibt viele Akademiker, die auch beim Dschungelcamp einschalten. ARD und ZDF haben den großen Vorteil, dass sie eben nicht nur den Gesetzmäßigkeiten des Marktes folgen müssen. Sie können auch einfach mal was ausprobieren, ohne gleich ein wirtschaftliches Desaster zu erleben. Bei den Öffentlich-Rechtlichen gönnt man sich einen längeren Atem. Das muss nicht immer gut fürs Programm sein. Aber es ist durchaus gesünder für einen selbst. Den Stress, den ich in den letzten Jahren erlebt habe, schüttelt man nicht einfach so in die Kleider.
Ich glaube nicht, dass es so einfach ist, zu sagen, jetzt holen wir uns einen Moderator von den Privaten und schon gucken die Teenager zu - am Beispiel ARD und Bruce Darnell hat man gesehen, wie das in die Hose gehen kann. Das zeigt, dass alles immer wieder um die Frage kreisen muss: Wofür steht ein Sender, was hat er für ein Profil? Neue Formate und neue Moderatoren sind natürlich eine Möglichkeit, neues Publikum anzulocken. Aber: Es geht darum, das Haus zu renovieren, ohne die Bewohner, die bereits darin wohnen, zu verschrecken.
Unbedingt. Das läge dann aber leider nicht an mir. Es ist bekannt, dass das Talkshowpublikum vorzugsweise weiblich ist. Und das will gut unterhalten werden. Wenn die Sendung langweilig ist, dann schalten auch Frauen einfach um - auch wenn sie den Moderator attraktiv finden.
Ich gestehe es lieber gleich, bevor man mir auf die Schliche kommt: Ich habe keinen Plan vom Kochen. Ich gehöre zu denen, die in den 80er Jahren die Freundin erfolgreich mit Tomate-Mozzarella verwöhnt haben. Das war damals ein echter Bringer - und auch für den größten Kochtrottel zu schaffen. Nudeln mit Tomatensoße bringe ich auch noch zustande. Unbedingt mit frischen Tomaten. Ich fahre eine elf Jahre alte Karre, aber für eine gute Tomate bin ich wirklich bereit, viel zu bezahlen. Meinen Sohn kann ich mit Waffeln begeistern. Ich habe für ihn immer einen Riesenvorrat an Waffeln in der Tiefkühltruhe. Ich bin vielleicht der einzige Kerl in Deutschland, der mit drei Waffeleisen synchron bäckt. (lacht)
Ich wage mich auch durchaus an Rezepte berühmter Köche ran. Das, was die da machen, ist eigentlich nicht furchtbar kompliziert, man muss nur wissen, wie es geht. Allerdings: ich weiß es meistens nicht.
Horst Lichter hat mir gezeigt, dass in jeder Krise auch etwas Konstruktives steckt. Man kann aus einer Krise heraus Unglaubliches schaffen und leisten. Diese Erkenntnis reduziert automatisch die Angst. Mich plagten früher oft Existenzängste, ich hatte nie viel Geld. Von Horst Lichter habe ich gelernt: Zum Leben gehören Risiken und Nebenwirkungen - aber es geht auch immer irgendwie weiter. Mein Motto heißt heute: angstfrei!
Dann fahre ich nach Lappland, baue mir eine Blockhütte und fotografiere für den Rest meines Lebens Rentiere.
"Markus Lanz", dienstags bis donnerstags ab 22.45 im ZDF. Ab dem 6. Juni heißt es im ZDF jeden Freitag ab 23 Uhr "Lanz kocht"
Zur Person Der heute 39-jährige Moderator und Buchautor Markus Lanz begann seine TV-Karriere nach einem Volontariat bei "Radio Hamburg" 1995 als Nachrichtenmoderator bei RTL Nord. Von 1999 bis März 2008 moderierte er bei RTL die Boulevard-Sendung "Explosiv" und war seit 2004 auch Redaktionsleiter des Formats. Seit April 2008 arbeitet Lanz für das ZDF. Von 1998 bis 2006 war Lanz mit der Moderatorin Birgit Schrowange liiert und hat mit ihr einen Sohn.