"Sie haben hier überhaupt nichts anzuordnen!", brüllt plötzlich Brandauer das Fernsehteam an. Die Titel-Thesen-Leute wollten ein paar Szenen aus der Leseprobe mitschneiden und haben dabei Brandauers Ablauf gestört. "Es ist nämlich so, dass Politiker und alle anderen, nur weil ein Kamerateam da ist, alles mitmachen, aber wir machen das nicht. Das ist eine Probe, und Sie verlassen jetzt den Raum!"
Das verdatterte TV-Team nuschelt ein "Tschuldigung" und geht. "Wir brauchen Sie nur, um uns zu promoten, und sonst gar nicht. Aber ich hoffe, es wird trotzdem ein netter Beitrag", ruft Brandauer ihnen hinterher.
Kaum sind die "Störenfriede" verschwunden, senkt sich seine Stimme. Er steht am Kopfende des Tisches mit aufgeknöpftem Hemd und ist jetzt nur noch für seine Darsteller da. "Bei der Szene, wie die Jenny von Mrs. Peachum ihr Geld fordert, gibt es zwei Möglichkeiten. Mir wäre die zweite lieber, aber ich lasse es noch offen, damit ihr mitbestimmen könnt", sagt Brandauer in die Runde. Ein Mann mit zwei Gesichtern. Brandauer ist ein Schauspieler-Regisseur. Er wollte als Akteur selbst immer mitreden, und er lässt auch als Regisseur mitreden.
Und vor der Bühne sitzt ein schäumender Brandauer, der seine Pressestelle übers Handy brüllend anweist: "Sie müssen diesen Artikel verhindern!"
Über Brandauer heißt es, er sei beim Planen eines Projektes euphorisch, bei der Realisierung verunsichert und bei der Fertigstellung verzweifelt. Er scheint ganz offenkundig in der letzten Phase zu sein.
Übernommen aus ...
Stern
Ausgabe 31/2006