Ich habe damals in der Scheinbar, einem Variéte in Berlin, angefangen. Meine ersten Auftritte waren fürchterlich. Die Zuschauer hatten Tränen in den Augen, aber nicht vor Lachen, sondern vor Angst, dass es weitergeht. Da bin ich öfter auf die Schnauze gefallen, aber immer wieder aufgestanden. Ich habe Leute kennen gelernt, die genauso drauf waren wie ich: keine Kohle, aber einen Traum. Als Arbeiterkind, das Künstler werden will, kommt man sich vor wie ein Aussätziger, ein Kaspar Hauser aus Berlin. Wenn ich den Stammbaum meiner Familie in den letzten zehntausend Jahren zurück rechne, ist da keiner gewesen, der solche Ambitionen hatte. Wichtige Leute waren Theaterbesitzer, die gesagt haben, was du machst ist nicht die Bombe, aber du kannst nächste Woche trotzdem wieder auftreten. Das braucht man. Und ältere Kollegen, die kritisieren, die sagen, lass das weg oder da stimmt das Timing nicht.
Natürlich. Mein bester Freund war Louis de Funès. Mit meinem Vater habe ich immer Videokassetten angesehen und immer wieder auf "Stopp" gedrückt, die Szene nachgespielt und dann weitergeguckt. Das hat manchmal vier Tage gedauert, bis wir mit einem Film fertig waren. Ich musste so doll lachen, dass ich Bauchschmerzen hatte. Ich bekam Atemnot, konnte nicht mehr, das weiß ich noch.
... ja, es war alles so unterbewusst. Mein Vater war sehr albern und ein Alt-68er. Aber nicht so einer, der intellektuell ist, in WGs gewohnt hat, den ganzen Tag nichts gemacht hat und abends auf Demos gegangen ist. Er ist halt Arbeiter, hat malocht und ist dann auf Demos gegangen. Aber er hatte lange Haare, so einen Sticker von der Alternativen Liste, hörte Bob Marley, Udo Lindenberg und Nina Hagen. Er hat immer zu mir gesagt, pass' dich nicht zu sehr an, daher kommt die anarchistische Ader.

Subversiv ist sein Witz, aber auch volkstümlich: Kurt Krömer© Universal Music
Schon im öffentlichen Leben. U-Bahnfahren ist super, und überall die Ohren spitz machen, wo Menschenaufläufe sind, Einkaufsstraßen, Shoppingpassagen oder einfach mal in den Park setzen. Da bekomme ich sehr viele Inspirationen.
Wenn ich eine Mütze auf habe, bin ich unsichtbar. Die Leute brauchen immer die angeklatschten Haare, die Krawatte und den Anzug. Bisher saß noch niemand neben mir, der meinte, lass mal leiser sprechen, da ist der Krömer, dann wirst du verwurstet in der Show. Oder dass ich Tagebuch schreibe und mich entschuldigen muss: "Es hat nichts mit Ihnen zu tun, ich schreibe nur meiner Oma einen Brief.
Das Format finde ich nicht lustig. Da wird mir zu sehr auf die Leute eingeprügelt. Ich halte mich an Leute, die einen höheren Status haben. Wenn ich mich über meinen Sender lustig mache, dann nicht über die Putzfrau, sondern die Intendantin. Als früher nichts mehr ging, war ich auch putzen und weiß, wie es ist, der Arsch Nase zu sein, der in der Kaste ganz unten ist. Wenn bei mir im Treppenhaus die Putzfrau sauber macht, sage ich guten Tag und danke. Das hat zum ersten Mal dazu geführt, dass sie dachte, ich verscheißere sie. Ich finde es großkotzig, auf Leute unter mir einzuschlagen.
Der Heilige Vater vom Hermannplatz, der Gutes tut. Ich laufe auch nicht, ich schwebe (lacht)
Das Schöne bei Clowns ist, dass sie sich immer weiter entwickeln. Ich will mich nicht mit Charlie Chaplin vergleichen, aber der war zeitlebens der Tramp. Mit Hut, Stock und immer dem gleichen Spiel, das wurde nie langweilig. Mein Programm läuft aus, ich bin schon am nächsten dran. Da kommt Gesang mit rein. Es wird aber kein Liederabend, sondern eine Anmoderation von drei Minuten und dann kommt ein 30-sekündiges Lied. Vielleicht gibt es auch irgendwann mal ein politisches Programm.
Ich bin politisch denkend aber nicht politisch handelnd. Ich bringe nicht wie ein Kabarettist die Unmöglichkeiten der politisch Handelnden auf die Bühne.
Dieter Nuhr finde ich sehr gut, er ist so ein Zwitterwesen, auf der einen Seite Komiker, auf der anderen Kabarettist. Bei dem muss ich lachen. Oder bei Matthias Richling. Bei den anderen Kabarettisten habe ich immer das Gefühl, das sind Mathematiker, die zu Hause sitzen und per Dreisatz ausrechnen, wie sie an die Pointe kommen. Das ist mir zu Zeigefinger-mäßig. Kabarett verändert ja nichts, sondern ist nur eine Anregung. Ich will die Leute zwei Stunden in eine andere Welt entführen. Wenn die am Montag bei mir waren und am Dienstagmorgen im Büro noch darüber sprechen, ist alles erreicht.
Finde ich fantastisch. Ich habe mir mal die Internetseite angeguckt, wer den schon alles bekommen hat: Als erster Hanns-Dieter Hüsch 1972 - da ist man in guter Nachbarschaft.
Das hört sich ja an wie eine kleine Doktorarbeit. Im Mainzer Unterhaus, wo der Preis verliehen wird, habe ich auch schon gespielt. 250 Leute passen da rein. Ich habe eine starke Verbundenheit zu solchen Läden. Die Zuschauer merken, dass es intimer ist und haben sehr viel Spaß. Ich schwitze mehr, weil es so eng ist, die Suppe läuft runter. Auch die Lach- und Schießgesellschaft in München, da riecht es immer nach Geschichte.
Nein, eigentlich gar nicht, weil ich dachte, mach' mal wieder halblang. Ich hätte auch jeden Tag fünf Auftritte haben können, das wollte ich aber nicht. Ich arbeite mit der ARD an neuen Folgen, und dann will ich mir ein paar Monate Zeit geben, in denen ich gar nichts mache, wo ich zu mir komme und schreiben kann. Alles selbst zu verfassen möchte ich so lange wie möglich beibehalten.