
Markus Lanz moderiert neben dem großen Guido Knopp© Klaus-Dietmar Gabbert/DPA
Also, ich kann das für mich selbst schwer beurteilen. Ich habe aber das Gefühl, dass die Art und Weise wie ich mich auf das ZDF zubewegt habe, gut war. Das beruhte zunächst mal nur auf einer Verabredung per Handschlag. Ich hatte, als ich bei RTL gekündigt habe, nicht mal einen Vertrag beim ZDF. Das ist sehr ungewöhnlich für die Branche. Wir haben uns beim Italiener getroffen und überlegt: Wollen wir zusammen etwas machen? Wir wussten zu dem Zeitpunkt gar nicht, was wir überhaupt machen wollten. Insofern war das ein relativ großes Risiko, aber auch Ausdruck meines Willens, zu diesem Sender zu gehen, weil ich ihn für sehr gut halte. Ich würde sagen: Ich bin dort angekommen.
Das kann ich schwer beurteilen, das ist ein so großes Haus. Ich werde letztendlich an der Qualität meiner Arbeit gemessen und natürlich auch an Quoten - so ehrlich muss man sein.
In Bezug auf das, was jetzt ansteht, stimmt das auch. Dadurch dass Johannes B. Kerner zu Sat1 geht, ist ein ganzes System in Bewegung geraten. Da wechselt nicht nur ein Moderator von einem Sender zum anderen. Da geht auch der Fernsehproduzent Kerner einen anderen Weg. Dadurch sortiert sich vieles neu, bis in kleinste Verästelungen hinein. Plötzlich ist Jörg Pilawa im Gespräch mit dem ZDF. All das hat auch mit Johannes zu tun. Da haben Sie jetzt zwei Möglichkeiten mit so einer Situation umzugehen.
Entweder Sie stehen dort ständig auf der Matte und sagen: Ich will, ich will, ich will dies und jenes. Oder Sie halten sich zurück und sehen zu, dass sich die Situation bereinigt. Ich habe schon zu RTL-Zeiten meinen Leuten häufig gesagt: Analysiert doch einfach mal selbst die Situation, bevor ihr Opfer des Flurfunks werdet, der ständig von bevorstehenden Entlassungen und anderen Härten raunte. Genau das tue ich jetzt auch. Ich analysiere die Situation.
Es sind durch Johannes’ Wechsel bestimmte Sendeflächen frei geworden. Im Grunde gibt es drei Szenarien. Entweder: drei Mal Talk pro Woche. Das schafft wieder die Abhängigkeit von einer Person. Oder man sagt sich: Wir machen Talk nur noch zwei Mal pro Woche und bauen uns um "Neues aus der Anstalt" eine Comedy- oder Kabarettschiene auf. Die dritte Lösung wäre: ein Mal pro Woche und dafür etwas länger. Geht ja auch. Da ist man dann vielleicht ein bisschen magaziniger unterwegs. Mit jeder der drei Möglichkeiten könnte ich gut leben.
Ich glaube, dass es sehr wichtig ist, sich genau zu überlegen, was man da machen will, wie man das konzipieren will. Wenn du sagst: Wir haben einen sehr hohen Anspruch an Recherche, wir wollen Geschichten auch mal investigativer nachgehen, dann hieße das eher: ein Mal die Woche. Nur so ist das wirklich zu leisten. Wenn du aber sagst, ich will...
Dann geht vielleicht auch das mit einem einzigen Termin. Beispiel Reinhold Beckmann. Der sendet einmal in der Woche, fast im Schutze der kompletten Dunkelheit. Selbst im grönländischen August ist es schon dunkel, wenn der anfängt. Aber er ist dennoch eine absolut etablierte Marke.
Was wäre so schlecht daran? Reinhold Beckmann sagt, er macht für seine Sendung und den Anspruch, den er hat, mittlerweile gar keine Kompromisse mehr. Finde ich interessant. Wenn sie aber sagen, ich will ganz programmprägend werden, oder auch - und das war eher Johannes' Philosophie - einen Gewöhnungseffekt herstellen, dann müssen Sie für Regelmäßigkeit sorgen, drei Mal die Woche, damit die Leute die Sendung in ihre Abendrituale mit einbeziehen.
Mal langsam! Ich moderiere nicht alles weg, was um die Ecke kommt. Deswegen bin ich auch nicht der Meinung, dass die Frequenz von drei Mal in der Woche für mich unbedingt erstrebenswert wäre. Ich glaube eher, dass man sich dann irgendwann abnutzt. Das Gut zu verknappen ist manchmal gar kein schlechter Weg.
Der Sender sitzt auf dem Fahrersitz. Das hat Johannes B. Kerner sehr schön formuliert. Ich bin der Letzte, der Markus Schächter, Thomas Bellut oder Manfred Teubner vorzuschreiben hat, wie sie ihren Sender aufzustellen haben. Wirklich der Allerletzte.
Interview: Johannes Gernert
"History! Das ZDF-Geschichtsquiz", am 26. Mai um 20.15 Uhr im ZDF