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7. Dezember 2009, 22:40 Uhr

Das ZDF nach Brender

Hahne hat sich also selbst aus dem Rennen um höhere Ämter genommen. Bettina Schausten wird es machen; Hahne bestenfalls ihr Stellvertreter bleiben. Schausten betrat die ZDF-Bühne auf dem sogenannten "roten Ticket", denn sie war Assistentin des damaligen Chefredakteurs Klaus Bresser, ist inzwischen aber weniger kalkulierbar. Geblieben ist nur ihr Ehrgeiz. Die Leitung des Hauptstadt-Studios ist da eine gute nächste Station.

Personal durchwinken, damit alles bleibt, wie es ist?
So wäre es einigen wohl am liebsten: schnell würde nun das neue Personal beschlossen, Gras über den "Fall Brender" wachsen - und im Kern könne dann alles so schön weitergehen wie bisher. Die Union würde die SPD gerne durch Zugeständnisse für einen solchen Kurs gewinnen. Der Fall Brender hat aber so viele Grundsatzfragen aufgeworfen, dass es nicht funktionieren wird. Wie kann und soll der wichtige nationale Sender ZDF kontrolliert werden, damit er in seiner Programmgestaltung autonom, aber dennoch an die Gesellschaft rückgebunden ist? Offenkundig wurde: Die Parteien überschätzen sich. Sie repräsentieren die Gesellschaft gar nicht mehr so umfassend, wie sie selber glauben. Die höchstrichterlich geforderte "Staatsferne" des Senders ist erst noch herzustellen.

Große Verfassungsklage oder an kleinen "Stellschrauben" drehen?
Dies könnte auch per Klage in Sinne eines Normenkontroll-Verfahrens beim Bundesverfassungsgericht durchgesetzt werden. Ein Viertel der Abgeordneten des Deutschen Bundestags könnte das tun. Die Grünen wollen es. Fleißig sammeln sie Unterstützer. Dazu bräuchten sie allerdings linke SPD-Abgeordnete. "Da würden wir ja gegen uns selber klagen", lautet die hellsichtige Position des obersten SPD-Medienpolitikers Kurt Beck. Damit aber die Haltung der SPD nicht nur nach einem "Weiter so" aussieht, hat auch Kurt Beck für das ZDF einige konkrete Veränderungen vorgeschlagen, die per Staatsvertrag der Länder vereinbart werden sollen: Der vom Intendanten vorgeschlagene Chefredakteur soll keine positive Mehrheit im Verwaltungsrat benötigen, sondern dieser soll lediglich bei 3/5-Mehrheit ein Vetorecht erhalten, der Bund soll nur noch einen statt drei Vertreter in den Fernsehrat delegieren, die Vertreter unabhängiger Gruppen nicht mehr von den Ministerpräsidenten ernannt, sondern von den Verbänden selbst entsendet werden. Das klingt nach Kleinkram - erst recht, wenn klar ist, dass alle Änderungen nur mit Zustimmung der Union durchsetzbar sind. Die SPD will also im ZDF nichts wirklich verändern, kommt aber von diesen milden neuen Akzenten in der eigenen Programmatik auch nicht mehr weg.

Das ZDF nach Brender
Nikolaus Brender wird jetzt noch viele Ehrungen und Anerkennung erhalten. Seinem Nachfolger wird zunächst mit Recht Skepsis entgegenschlagen. Noch genauer werden politische Kommentare und Einschätzung auf eventuelle parteipolitische Färbung hin angehört werden. Vertrauen ist verspielt und muss erst wiedergewonnen werden. Ein Maßstab dafür wird die Bereitschaft sein, Strukturveränderungen zuzulassen.

Auch das Programm braucht neue Formen und Formate - gerade in der politischen Berichterstattung. Neben der großen Reportage und neuem Gewicht auf investigativen Leistungen (warum hat eigentlich kein einziger TV-Sender den Informationsskandal um die Bombardierungen von Kunduz angeschoben?) ist auch die so genannte "Regelberichterstattung" über Parteien und Parlamente aufzufrischen. Gerade weil die privaten Nachrichtensender keine reales Gegengewicht darstellen, wird die künftige Bedeutung des ZDF wesentlich von seiner journalistischen Qualität abhängen.

Von Bernd Gäbler
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KOMMENTARE (10 von 21)
 
kinderhort (10.12.2009, 19:08 Uhr)
Meinungsfreiheit- Pressefreiheit
Das ZDF wird auch weiter nicht als Informationssender sondern eher als Verdummungssender auffallen, denn wo nichts ist da kann nichts werden, dort wird eine Welt vorgespielt die es so nicht gibt, egal wer dafür Verantwortung trägt.
intrepid (08.12.2009, 13:08 Uhr)
kritischer Journalismus
Das ZDF kann seine ja demokratische unabhängige Gesinnung in scharfer Kritik an China und Russland und den dort kontrollierten Medien beweisen.

Im Übrigen ist ihr Artikel ein üblicher "einerseits-andererseits"-pseudo-Hintergrund Kommentar. Etwas mehr Herzblut bei der Kommentierung der Abschaffung demokratischer Gepflogenheiten hätte genützt.
Turmsicht (08.12.2009, 12:59 Uhr)
Sender ohne Qualität
Das politische Hick-Hack um politische Einflussnahme und Postenverteilung beim ZDF wird leider nichts bewirken, solange der Sender wie bisher agieren kann. Wer am letzten Wochenende beim ZDF reingeschaut hat und gleich zweimal von Gottschalk berieselt wurde, wird alle Hoffnung auf Besserung aufgegeben haben. Wenn sich ein deutscher Außenminister einer Show als Mensch 2009 zur Verfügung stellt, muss man sich fragen, ob dieser Vizekanzler, der aus dem Container kam, diesem Land in schwierigen Situationen überhaupt gerecht werden kann. Aber es zeigt auch, dass die Qualität unserer Politiker nicht ausreicht, ein anspruchsvolles, öffentlich-rechtliches Fernsehen überhaupt zu wollen. Es ist ein Skandal, dass die Bürger für ein derart abgeseichtes Programm einschließlich Werbeterror (!) auch noch Gebühren zahlen müssen. Herr Frey wird an der Situation sicher am wenigsten etwas ändern können. Es wird Zeit, dass die Bürger aufstehen und gegen die andauernde Verdummung aufbegehren.
Maddux (08.12.2009, 12:45 Uhr)
Alle raus schmeißen
Diese ganzen Änderungen bringen gar nichts. Volksvertreter wird hier zum Volksverdummer.
rennschnecke (08.12.2009, 12:13 Uhr)
Das ZDF ohne ZDF
abschaffen !
undemokratisch !
laeppe (08.12.2009, 10:34 Uhr)
Nur mal so
abschaffen der Gebühren - verschlüsselt senden und wer das sehen will zahlt. Es geht in anderen
Ländern problemlos
Allerdings müsste öffentlich - rechtlich noch durch das Verfassungsgericht überprüft werden. Keine Politiker in führenden Positionen - ein Witz.
laeppe (08.12.2009, 10:27 Uhr)
Ganz klar Staatsfernsehen
und eine Bürgerverdummung reiht sich an die andere.
Gebühren werden gerade mit der Begründung eingezogen um "unabhängig von Staat und Wirtschaft" ...........
endbenutzer (08.12.2009, 09:21 Uhr)
Nein...
..offenbar doch nicht. Kann man das nicht mal reparieren?
endbenutzer (08.12.2009, 09:21 Uhr)
Oh...
...ist mein Kommentar schon gelöscht worden?
endbenutzer (08.12.2009, 09:14 Uhr)
Die Medien - egal ob....
...privat oder öffentlich - setzen uns doch sowieso nur noch vor, was wir sehen / lesen sollen. Wirkliche Unabhängigkeit gibt es nicht mehr. Buchtipp gefällig?: http://www.nachdenkseiten.de/?page_id=4078
Die Medienkolumne

Bernd Gäbler kommentiert regelmäßig die aktuellen Ereignisse aus der Medienwelt

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