Italien liebt die Parade-Blondine: Sie ist fröhlich, sie ist schön, sie sprüht vor Energie und Lebensfreude. "Michelle Hunziker wirkt, als könnte sie 20 Bahnen Schmetterling schwimmen, zwei Stunden auf dem Stepper trainieren und zehn Runden laufen - und sie würde danach frisch wie eine Rose aussehen", brachte es die Tageszeitung "La Repubblica" einmal auf den Punkt.
Von 2004 an sorgte sie in der Satiresendung "Striscia la Notizia" des Privatsenders Canale 5 für Rekordeinschaltquoten. Bis zu 8,5 Millionen Menschen sahen an fünf Abenden pro Woche zu, wie die schöne Blondine zur besten Sendezeit direkt nach den Hauptnachrichten ihr komödiantisches Talent auspackte: Hunziker veralberte Politiker und Prominente, Hunziker rockte mit der Luftgitarre durchs Studio, Hunziker bellte wie ein Hund. Und Signora Immerfröhlich, die träumt, E-Gitarre spielen zu können wie Slash von Guns 'n' Roses, jauchzte in den italienischen Medien, sie könnte "vor Freude acht Millionen und fünfhunderttausend Luftsprünge" machen.
"Striscia la Notizia" steht hoch in der Gunst vieler Italiener. Als Mediaset-Produktion untersteht die freche Nachrichtensatire zwar dem selbstverliebten Medienzaren Silvio Berlusconi. Kritik an ihm ist tabu. Doch außerhalb des Studios beweist Hunziker Chuzpe. "In Italien spielen Frauen in der Politik keine Rolle, es sei denn, sie sind so sexy, dass Berlusconi sie persönlich fördert", äußerte die Moderatorin kürzlich der Illustrierten "Bunte" in Anspielung auf den Vorschlag des Ministerpräsidenten, inkompetente, aber attraktive Frauen ins Europaparlament zu entsenden.
Eloquent und geistreich wirkt Michelle Hunziker im italienischen Fernsehen, sie hat Witz und die Gabe, komisch zu sein. Das Energiebündel zählt zu den festen Größen der Unterhaltungsbranche zwischen Rom und Rimini. Man weiß, was man an ihr hat. "Deutschland erobert sich Michelle zurück", kommentierte die renommierte Tageszeitung "Corriere della sera" das Buhlen des deutschen Fernsehens um ihre Quotenkönigin. Trotz ihres großen Erfolgs in Italien habe Hunziker die Nabelschnur zum deutschen Publikum nie durchgeschnitten. Und sie selbst bestätigt, "geduldig wie der Indianer am Fluss" auf das nächste Engagement in Deutschland gewartet zu haben.
Doch in einem unterscheiden sich beide Fernsehlandschaften gravierend: Hier ist TV-Unterhaltung nicht so kunterbunt wie in Bella Italia, nur ein schönes Dekolleté bringt noch keine guten Kritiken. Obwohl Hunziker des öfteren den Anspruch äußerte, mehr als die "süße Blondine" verkörpern zu wollen, für die Befeuerung ihres Sexbombenimages sorgt sie weiterhin selbst. Sie trägt kurze Röcke, tiefe Ausschnitte und erzählt öffentlich, wie süß sie Barbies findet.
In Italien stört das niemanden. Einzig ihre Dauerpräsenz hat die Italiener zwischenzeitlich genervt. Es gab Phasen, da hat man die Blondine pro Tag in drei Sendungen gesehen. Inzwischen hat sie sich jenseits der Alpen wieder rarer gemacht, um sich auch im Ausland mal wieder blicken zu lassen - und so landete der "schönste Po Italiens" auf Gottschalks Couch.
Bei "Wetten, dass..?" will man jedenfalls künftig mit der "fröhlichen" und "natürlichen" Wettfee punkten. Genau das ist es, was die erfahrene Entertainerin so sympathisch macht: Star-Allüren gibt es nicht, sie nimmt sich und das Leben nicht zu ernst und - sie unterhält. Wollte "Wetten, dass..?" jemals etwas anderes?