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2. März 2006, 22:53 Uhr

Die Historie, der Werbeblock, die Millionen

Nico Hofmann

"Für mich hat sie die große Kraft einer Volksschauspielerin": Nico Hofmann über Felicitas Woll© Conny Klein/ZDF

Die "Luftbrücke" (Sat. 1) hat 7,5 Millionen Euro gekostet, die "Sturmflut" (RTL) 8,5 Millionen Euro, "Dresden" (ZDF) 10 Millionen. Wie organisiert man in Deutschland solche Summen - und wie lassen sie sich refinanzieren?

Die Refinanzierung funktioniert nur über die Auslandsverkäufe, und das in einem Zeitabschnitt von sieben bis acht Jahren. Das hat auch damit zu tun, dass der Fernsehsender, der knapp die Hälfte bezahlt, eine Lizenz erwirbt. Nach sieben Jahren fallen die Rechte an den Produzenten zurück, dann kann er die Lizenz neu verkaufen. Der zweite Bereich ist die Mehrfachverwertung. Wir haben eine 135-minütige Kinoversion geschnitten, auch der DVD-Markt wird immer wichtiger.

Ihre Filme sind "Events", mit denen die Sender renommieren wollen. Nun kommen gleich drei hintereinander: Schlagen sich diese Events nicht gegenseitig tot?

Ich hoffe nicht. Mit der "Sturmflut" haben wir ja Rekordwerte erreicht.

Sie produzieren Filme fürs öffentlich-rechtliche und fürs Privatfernsehen. Hat das einen Einfluss auf die Dramaturgie? Müssen Sie mehr Höhepunkte einplanen, wenn Sie fürs Privatfernsehen drehen?

Definitiv. Wir reden intensiv mit den Sendern und wissen oft genau, wo die Werbeblöcke sitzen. Wir komponieren teilweise die Musiken so, dass sie eine Affinität mit den Werbeblöcken bekommt. Es gibt für mich nichts Schlimmeres, als wenn die Werbung die Dramaturgie zerstört.

Das Ganze muss nicht nur in Deutschland funktionieren, sondern auch auf dem internationalen Markt. Sollten die Stoffe dann typisch deutsch sein oder so international wie James Bond?

"Die Luftbrücke" hat einen amerikanischen Look. "Die Sturmflut" wird im Ausland als Katastrophenfilm vermarktet, da interessiert nicht Hamburg, sondern die Katastrophe. "Dresden" ist ein Spezialfall. Dresden steht weltweit als Symbol für die Bombardierung. Von allen Filmen ist "Dresden" die größte Annäherung an Hollywood, weil die Techniken perfekt ausgereizt sind, weil die Inszenierung allerhöchsten Maßstäben gerecht wird - dennoch verliert "Dresden" nie seine deutsche Identität.

Warum arbeiten Sie bei diesem Aufwand nicht gleich fürs Kino?

Die Grenze zum Kino ist kaum mehr da. Bei "Dresden" hätte ich mir einen Kinofilm gut vorstellen können. "Die Sturmflut" und "Die Luftbrücke" hätten eine Kinoverwertung wohl nicht getragen.

Wie wichtig sind internationale Schauspieler für die Auslandsverwertung?

Das wird in der Zukunft immer wichtiger. Wir planen gerade mit der BBC einen Film über den Untergang der "Laconia", eine U-Boot-Tragödie im Zweiten Weltkrieg. Mein Ziel ist, in Englisch zu produzieren. Mit einem englischsprachigen Produkt besteht die größte Chance auf dem Weltmarkt. Ich mache das aber nur da, wo es vom Stoff her funktioniert. Bei "Dresden" war mir wichtig, dass die Engländer auch von Engländern gespielt werden. Dadurch gewinnt der Film auch an Authentizität.

Ist es für Sie wichtig, ein festes Ensemble um sich herum zu haben?

Das ist mir sehr wichtig. Mit Roland Suso Richter habe ich jetzt den dritten Film gemacht. Er ist ein Freund, wir arbeiten schon sehr lange zusammen. Ich halte ihn für einen der größten Regisseure Deutschlands - auf einem Niveau mit Oliver Hirschbiegel.

Sie haben oft und viel mit Götz George gedreht, der nicht erst seit seiner Publikumsbeschimpfung in "Wetten, dass..?" als schwieriger Mensch gilt. Was verbindet Sie mit George?

Mit Götz bin ich eng befreundet. Von ihm habe ich die ganze Schauspielerinszenierung gelernt. Er ist ein extrem intelligenter, dramaturgischer Schauspieler. Uns verbindet ein gewisser Qualitätsfanatismus. Wenn man mit Götz arbeitet, dann kämpft man um jede Feinheit, jede Körperbewegung. Dieser Drang zum Perfektionismus verbindet uns.

Wird er in Ihrem nächsten Film auch eine Rolle spielen?

Unbedingt. Ich suche dringend nach einer großen Rolle für ihn. Je älter er wird, desto aufregender wird er.

TV-Tipp Zwei Männer lieben dieselbe Frau - mit dieser Schablone erzählt die Produktionsfirma teamWorx gern deutsche Geschichte: erst in der "Luftbrücke", dann in der "Sturmflut", jetzt in "Dresden". Die Krankenschwester Anna muss sich zwischen einem britischen Bomberpiloten und ihrem Chefarzt entscheiden. Dank der großartigen schauspielerischen Leistung von Felicitas Woll und Hollywood-reifer Optik zieht der Film den Zuschauer in seinen Bann. (Sonntag, 5. und Montag, 6. März, 20.15 Uhr, ZDF)

 
 
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