Wie ernst es Raab meint mit der Förderung musikalischen Nachwuchses, spürte man erstmals, als er den schluffigen Max Mutzke unter seine Fittiche nahm. Der hatte in Raabs Sendung "TV total" einen Gesangswettbewerb gewonnen und durfte 2004 für Deutschland zum Song Contest nach Istanbul fahren. Raab schrieb ein Lied für ihn. Reist mit in die Türkei, wo er den Bub fürsorglich vor zu viel Rummel abschirmte. Wenn man die beiden dort bei Pressekonferenzen erlebte, kamen sie einem vor wie Vater und Sohn.
Zum ersten Mal beschlich einen damals auch das Gefühl, dass Raab den Song Contest ernster nimmt, als man es vermutet hätte. Das war ein anderer Raab als jener, der unter dem Pseudonym "Alf Igel" das Lied komponiert hatte, mit dem der unansehnliche Guildo Horn 1998 Deutschland vertrat: "Piep, piep, piep", hieß es darin, "Guildo hat euch lieb".
Es war auch ein anderer Raab als 2000, als er selbst beim Song Contest angetreten war. In einem Kostüm, das an den späten, von Burgern übersättigten Elvis erinnerte: weißer Anzug, mit Pailletten besetzt, Schlaghosen, dazu eine grässliche Sonnenbrille. "Wadde hadde dudde da", sang Raab. Worauf Dieter Thomas Heck, der Pate des deutschen Schlagers, öffentlich stöhnte, bei so einem Text bekomme er Magenschmerzen.
Manchen Hierarchen in der ARD tat ebenfalls der Magen weh bei dem Gedanken, dass man dem Song Contest zuliebe gemeinsame Sache mit Raab machen würde. Können nur Hierarchen gewesen sein, die lange nicht mehr ProSieben geschaut haben. Dort verwaltet Raab längst das Erbe großer Familienunterhalter wie Kulenkampff oder Frankenfeld. "Schlag den Raab" ist die Samstagabendshow des jungen Jahrtausends. Das Spektakel wäre eine Zierde für jeden öffentlich-rechtlichen Sender. Und wenn sie klug sind bei der ARD, behandeln sie Raab so pfleglich, dass er eines Tages, wenn er der Zielgruppe von ProSieben entwachsen ist, seinen Vorruhestand im Ersten verbringt.
Der alte Raab war ein Kläffer. Er pisste jedem ans Bein, der am Wegesrand stand. Wenn er es für geboten hielt, schnappte er zu, danach bleckte er sein Gebiss, von dem man immer denkt, es bestehe nicht aus den üblichen 32 Zähnen, sondern aus mindestens doppelt so vielen. Inzwischen ist das Hündchen so was von stubenrein und zahm, dass man es unbesorgt ins Wohnzimmer lassen kann. Fast möchte man es streicheln.