Im weltweiten Vergleich liegt Deutschland im unteren Drittel. Einer Unicef-Studie aus dem Jahr 2003 zufolge werden hier weniger als 15 Mädchen zwischen 15 und 19 schwanger. In den USA sind es dagegen mehr als dreimal so viele.

Die Gründe für die im internationalen Vergleich niedrigen Zahlen für Deutschland liegen offenbar in einer guten Aufklärungsrate. Nach Aussage von Dr. Marita Völker-Albert, Sprecherin der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA), geben 94 Prozent der 16- bis 20-jährigen Jugendlichen an, in der Schule über Aids aufgeklärt worden zu sein. Trotz ideologischer Unterschiede zwischen den großen Parteien steht Sexualaufklärung in allen Bundesländern auf dem Lehrplan. Ein großes Plus gegenüber den USA, wo das Thema in vielen Staaten gar nicht für den Schulunterricht vorgesehen ist und wo die Aufklärung meist auf Enthaltsamkeit abzielt.
Doch der Staat wird nicht nur auf schulischem Wege aktiv, sondern versucht die Jugendlichen gezielt in ihrer Freizeit zu erreichen, etwa mit dem Internetportal www.loveline.de. "Loveline" wird von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung betrieben, kommt aber gerade nicht wie ein staatlich betriebenes Angebot daher. In bunter, poppiger Aufmachung kann der jugendliche User sich über alles rund ums Thema Liebe und Sexualität informieren. Wichtige Fragen zum Thema "Das erste Mal", "Verhütung", aber auch "Homosexualität" werden beantwortet. Die Wissensvermittlung erfolgt hier vielfach spielerisch, in Form von Tests, Spielen oder kleinen Filmchen. Es gibt einen moderierten Chat, und an zwei Nachmittagen können Fragen an das "Loveline"-Team gestellt werden.
Die grundsätzlich positive Entwicklung in Deutschland wird allerdings getrübt, wenn man einen genaueren Blick auf die Daten wirft: So gibt die ungleiche Verteilung der Teenager-Schwangerschaften Grund zur Sorge. Einer Studie des Bundesverbandes Pro Familia zufolge sind Hauptschülerinnen mehr als fünfmal so oft betroffen wie Gymnasiastinnen. Und auch regional gibt es signifikante Unterschiede: Während die Zahl minderjähriger Schwangerer deutschlandweit gesunken ist, stieg sie in den ostdeutschen Bundesländern zwischen 1993 und 2003 um 75 Prozent an, wie eine Studie der Universität Leipzig ergab.
Das weist auf eine ganz andere Ursache hin: Erhebungen aus Großbritannien lassen einen Zusammenhang von Teenager-Schwangerschaften und Jugendarbeitslosigkeit erkennen. Untersuchungen der Uni Leipzig in Sachsen-Anhalt und Thüringen ergaben ein ähnliches Bild: Perspektivlosigkeit führt zu mehr minderjährigen Schwangeren. Gerade Jugendliche aus Problem-Familien flüchteten sich der Studie zufolge gern in den Traum von einer idealisierten Beziehung zum eigenen Kind.
Insofern könnte die Wirtschaftskrise die Entwicklung der letzten Jahre durchkreuzen und wieder für bundesweit steigende Zahlen minderjähriger Schwangerer sorgen. Dann gäbe es vielleicht doch noch die gesellschaftliche Relevanz für "Erwachsen auf Probe", die Tom Sänger beschwören wollte.