Die Berlinerin Angelika Rink, 56, kam so unvermittelt zum Casting wie ein Rüde zur Kastration. Eine "Frau vom Fernsehen", erzählt sie, habe sie auf der Straße angesprochen, als sie mit ihren Hunden unterwegs war, und gefragt, ob sie drei nicht bei der neuen Sendung mitmachen wollen. Warum eigentlich nicht? Die leutselige Frau Rink ist Hundefriseurin und plädiert für artgerechte Haltung. Sie sagt: "Ein Hund ist ein Hund."

Königspudel Kassan präsentiert sich mit einem kühnen Fellschnitt. Kein Wunder, Herrchen Kay Radmacher ist Friseur© Eva Häberle
Wohl deswegen hat sie irgendwann angefangen, die Häupter ihrer beiden Pudeldamen mit Lebensmittelfarbe vom Bäcker zum Leuchten zu bringen. Angie strahlt rosé, Beverly pistaziengrün. Die Farben, sagt Frau Rink, wechsle sie ihrer Laune gemäß nach jeder Dusche, also alle zwölf Tage. Shampoo, Pflegepackung, föhnen, bürsten, Farbe aufsprühen. Grün, orange, hellblau.
Die Halsbänder der beiden sind mit Swarovski-Steinen besetzt, ein Hund ist ein Hund. Zur Feier des Tages hat Frau Rink ihren Süßen noch die Krallen lackiert. Bei der Jury kommen die Renovierungsarbeiten nicht gut an. "Hunde anmalen", sagt Martin Rütter, "geht gar nicht." Angie und Beverly sind draußen. Frau Rink sagt später, sie habe es ja vermutet, der Herr Rütter mag einfach keine Pudel.
Zu besichtigen ist beim Casting außerdem ein glatzköpfiger Lackierer mit Piercings in Unterlippe und Nasenwurzel, der sich extra für Vox in einer viereinhalbstündigen Sitzung seine Rottweilerdame auf den Oberschenkel hat tätowieren lassen, dazu den "Top Dog"-Schriftzug, den Geburtstag der Hündin und ein wenig Platz für das, man mag es beiden wünschen, in hoffentlich ferner Zukunft liegende Sterbedatum.

Schwein Oskar soll seinem Stiefbruder, Mischlingshund Kalle, Glück bringen - eine tierische Patchworkfamilie© Eva Häberle
Angereist ist auch eine füllige Dame mit einem fülligen Neufundländer. Und Oskar, ein Schwein, das als Hund aufgewachsen ist, mit Gassigehen und Im-Körbchen-Schlafen; die Muttersau hatte ihn verstoßen. Oskar läuft außer Konkurrenz, er ist das Glücksschwein für seinen Stiefbruder, den Mischling Kalle.
Manche Hunde sehen tatsächlich aus wie Hunde. Gucci beispielsweise. Sein Frauchen ist Designerin und trägt einen gestreiften Blazer; er selbst ist ein Grand Basset Griffon Vendéen, so ein hellbrauner Zottel halt, mit Fell nature. Seine Urgroßmutter, erzählt die Besitzern stolz, ist das derzeitige Model für die Vollkostbrocken von Frolic. Gucci selbst war auch schon mal im Frühstücksfernsehen von Sat 1.
Viel habe er nicht drauf, gibt das Designerfrauchen zu, aber er sei ja auch hier, um sich etwas beibringen zu lassen. Im Moment rast Gucci orientierungslos durchs Studio. Gib Pfötchen, sagt Frauchen, und er gibt. Sag Mama, gurrt sie, und wahrhaftig: Gucci entlässt einen tiefen, zweisilbigen Rülpser in die Tiefe des Raumes. Da steckt Potenzial drin. Die beiden sind eine Runde weiter.
"Top Dog - Deutschland sucht den Superhund", die zwölfteilige Hunde-Casting-Show, ist ab dem 24. Oktober jeden Dienstag um 21:10 Uhr auf Vox zu sehen.
Übernommen aus ...
Stern
Ausgabe 42/2006