27. Oktober 2012, 10:44 Uhr

Dümpelnde Arien, fragwürdige Akzente und "falsche" Juroren

Schnell mal umschalten zu „Troja“

Als Kandidat Ilan, bevor er hinter der Bühne verschwindet, noch zu Rea Garvey sagt: "Xavier, ich bin großer Fan" sorgt das, zumindest bei der Jury, für Erheiterung. In wiederholten Off-Kommentaren und Einblendungen wird daran erinnert, dass Rea Garvey ja bereits in der letzten Sendung verwechselt wurde. Damals mit dem Gitarristen Chris Rea, nun mit Xavier Naidoo. Lustig ist das. Nena kullert sich auf dem Boden, auch der Rest der Jury kann sich kaum halten. Nur der Fernsehzuschauer fühlt sich irgendwie veralbert, wirkt alles doch irgendwie inszeniert und die vielen Off-Kommentare, die immer wieder auf die spaßige Situation hinweisen, nerven. Man ist versucht auf RTL 2 umzuschalten, da läuft gerade "Troja". Die Schlachtszenen sind wahrscheinlich authentischer.

Wer aber wissen will, wies bei "The Voice" ausgeht, bleibt auf Sat1 und tut sich Alina Duwe an. Mit ihrem zwar kräftigen aber irgendwie gepresst-gesungenen "You belong with me" findet der Countrymusikfan mit Cowboystiefeln bei The BossHoss einen Platz. Die Stuttgarter Brüder Matei und Emanoil Constantin, die gemeinsam als "Manumatei" auftreten, schaffen es, trotz nervigem Schmalz-Klangteppich unter "The man who can´t be moved", alle vier Juroren zum buzzern zu bringen.

Fragwürdiger Akzent

Es gibt jedoch auch sie an diesem Abend, die Musiker, die es schaffen, ihre Stücke in einer ganz eigenen Weise vorzutragen. Marcel Beuter ist mit seiner sehr rockigen Version von "Wonderwall" dabei. Alle vier Juroren drücken den roten Knopf, auch wenn Rea Garvey dem 38-Jährigen mit auf dem Weg gibt, besser auf deutsch zu singen. O-Ton: "Ich finde deine Akzent ein bisschen manchmal fragwürdig."

Wirklich vom Stuhl reißen an diesem Abend die beiden Kandidatinnen Bianca Böhme und Karo Fruhner. Die 20-jährige Gesangsstudentin Bianca singt "Nobodys perfect" so kraftvoll und emotional, dass sämtliche Juroren überzeugt sind. Genauso von Karo. Die 25-Jährige begleitet sich zu einem gefühlvoll gesungenen "Save me from myself" am Klavier und fängt den ganzen Saal ein. "Ich hab gemerkt, da will mir jemand was erzählen", bringt es Nena auf den Punkt. Und Kandidatin Lida Martel schafft es, das Stück "I follow Rivers" als björkigen James Bond-Song vorzutragen. Rea Garvey und Nena, lässt die 29-Jährige damit zwar ratlos zurück. The BossHoss aber sind begeistert. "Die ist lizy", freuen sie sich. Die ist was? Egal. Schräge Jurykommentare gehören eben dazu bei "The Voice of Germany".

Von Anne Passow
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