
Auch die "JUH-Show" hat den Sprung ins Fernsehen geschafft© Ufa
"Die Fernsehsendung wirbt für die Videoplattform und umgekehrt", sagt Medienwissenschaftler Steffen Büffel. Er ist Mitarbeiter an der Universität Trier. Sein Fachgebiet ist das "Web 2.0" - also die interaktiven Komponenten des Internets wie eben diese Videoportale, bei denen Nutzer ihre eigenen Inhalte ins Internet stellen können. Diese Seiten werden laut Büffel gerade von "jungen Internetnutzern" besucht.
"Genau diese Zielgruppe steht in der Gunst der Werbetreibenden an vorderster Stelle und ist somit auch für die Fernsehmacher von großem Interesse", sagt er. "Deshalb ist es nur konsequent, zu versuchen, den wachsenden Erfolg der Videoplattformen im Web auch für das klassische Fernsehen zu erschließen und über solche Sendeformate weiter zu verstärken." "Einen Trend im Internet, der einen so großen Zuspruch findet und auch noch mit bewegten Bildern zu tun hat, sollten wir als Fernsehmacher nicht ignorieren", bestätigt Edda Kraft, vormals Sat1-"Show"-Leiterin, jetzt Unterhaltungschefin des Senders. "Wir wären dumm, wenn wir das nicht aufgreifen würden."
Show und Videoportal würden voneinander partizipieren, sagt sie: "Myvideo.de ist eine erfolgreiche digitale Plattform, von der 'Die MyVideo-Show' ihre 25 besten Clips bezieht und so vielleicht unentdeckten Talenten einen Weg in eine Fernsehkarriere ermöglicht."
Genau dies kritisiert Medienwissenschaftler Steffen Büffel: "Als Lockmittel wird die Illusion gegeben, dass man selbst im Rampenlicht stehen kann", sagt er. "Das Kalkül dahinter ist aber ein ganz anderes: Die User liefern Inhalte zum Nulltarif, inklusive der Verwertungsrechte, was zu verschwindend geringen Produktionskosten für die Fernsehsendung führt." Gleichzeitig würden die Video-Communities zu einem idealen Umfeld für zielgruppenspezifische Werbung heranwachsen.
Videos aus dem interaktiven Internet im passiven Couchkartoffelmedium Fernsehen - nur ein kurzer Trend, der schnell wieder verwehen wird? Super RTL-Programmdirektor Carsten Göttel verneint: "Internet- und Fernsehangebote sollten Hand in Hand gehen: Wenn es etwas gibt, was im Internet funktioniert, sollte man schauen, wie dies als Fernsehsendung laufen könnte - und umgekehrt."
"Ich denke, dieser Trend befindet sich erst am Anfang", sagt auch Edda Kraft. "Da werden wir mit Sicherheit nicht die einzigen bleiben, die das erkennen - und zum Teil auch schon erkannt haben." Medienwissenschaftler Steffen Büffel hingegen ist sich nicht sicher, ob dies dauerhaft funktionieren werde. Er hält diese Sendungen für "billig hergestelltes Fernsehen". Sein Fazit: "Das hat mit Qualität nichts mehr zu tun".