Eine "To Do Liste" für Stefan Raab
Will Raab einen solchen Anstoß geben, könnte dies die erste "To Do Liste" sein:
Erstens: Vor der Entwicklung einer großen Samstagabendshow müsste die Aufgabe stehen, für den Donnerstag ein auch für Nicht-Greise akzeptables Quiz- oder Showkonzept zu erfinden, das mehr ist als die stets gleiche, abgedroschen-freundliche Pilawa-Sauce. Mit dessen Weggang zum ZDF übt sich der als kantiger Journalist eingeführte Frank Plasberg als Unterhaltungs-Maxe. Leider in just der gleichen Manier: mit einem Quiz voller Belanglosigkeiten und Infantilität. Als wissenswert wurde etwa ein Foto eingestuft, auf dem es den Anschein hatte, als hätte Obama hätte einer Dame auf den Hintern geschaut. Tatsächlich hatte er auf das seltsame Schuhwerk (Sandalen) einer Gipfelteilnehmerin geblickt. Im gezeigten Bildausschnitt aber waren die Beine abgeschnitten. Für ein Quiz mit Herrenwitz fälscht eben auch ein knallharter Journalist gerne mal ein bisschen.
Zweitens: Aus dem großen Beziehungsgeflecht von Brainpool könnte der Unterhaltungs-Retter Raab gut Anke Engelke, Bastian Patewka und Christoph Maria Herbst mitbringen - denn da gehörten diese eigentlich hin, wenn die ARD ein wacher Laden wäre. Elton und Simon dürfen dann gerne bei ProSieben bleiben; ebenso wie Pocher und Kerner bei Sat1.
Drittens: Es gab einmal eine Zeit, da probierte insbesondere der WDR im Dritten Programm viele neue Sendungen aus. Halbwegs populäre Leute vom Jugendsender 1Live wurden zu TV-Moderatoren. Beispiele hierfür sind "Schorn und Heinrich", das Medienmagazin "Für heute - Danke" von Olli Briesch oder das Jugendmagazin "Ach du Check".
Übrig geblieben sind davon zwei Moderatoren in der Regionalsendung "Aktuelle Stunde", Thomas Bug und Catherine Vogel, sowie Sabine Heinrich, die jetzt an der Seite von Matthias Opdenhövel die Vorausscheidungen für den Eurovision Song Contest moderieren darf. Alles andere wurde für gescheitert erklärt - aus Mangel an Geduld und weil der Transfer ins TV viel komplexer war als vermutet. Jetzt hat man wieder solide Quoten mit Bernd Stelter, Bettina Böttinger und ganz viel Karneval. Die Resttalente (Jan Böhmermann, Katrin Bauerfeind) sind unter die Fittiche von Harald Schmidt geschlüpft. Hier muss Raab endlich eine große ARD-Talentschmiede installieren.
Viertens: Am Vorabend der Bundestagswahl findet die wichtigste Sendung längst bei Stefan Raab statt. Hilflos wirkten die bisherigen öffentlich-rechtlichen Versuche, etwa mit "Ich kann Kanzler" (ZDF) etwas Ähnliches hinzubekommen. Von Jugend und Politik redet die ARD nur ständig; sie traut sich nichts.
Wenn Stefan Raab also den Eurovison Song Contest erstmal für die ARD gewuppt hat, gibt es keinen Grund das Joint Venture zu beenden.
Zur Person Bernd Gäbler, geboren 1953 in Velbert/Rheinland, ist Publizist und Dozent für Journalistik. Bis 1997 arbeitete er beim WDR (u.a. "ZAK"), beim Hessischen Rundfunk ("Dienstags - das starke Stück der Woche"), bei Vox ("Sports-TV"), bei Sat.1 ("Schreinemakers live", "No Sports"), beim ARD-Presseclub und in der Fernseh-Chefredaktion des Hessischen Rundfunks. Bis zur Einstellung des Magazins leitete er das Medienressort der "Woche". Von 2001 bis Ende 2004 fungierte er als Geschäftsführer des Adolf-Grimme-Instituts in Marl.