Beim Fall Bankhofer kommt einem auch unweigerlich der Fall der Moderatorin Andrea Kiewel in den Sinn. Die hatte 2007 in einem Auftritt bei Talkmaster Johannes B. Kerner mehrfach die Organisation Weight Watchers gelobt. Ein Papier, das auch stern.de vorliegt, bewies anschließend: Die Moderatorin der Sendungen "Fernsehgarten" (ZDF) und "Riverboat" (MDR) bekam für diese Medien-Kooperation 30.000 Euro. Sie wurde von beiden Sendern gefeuert. Die ARD will zudem seit Anfang dieses Jahres die Talk-Masterin Sabine Christiansen nicht mehr unter Vertrag nehmen, weil sie dem Senderverbund - ähnlich wie jetzt Bankhofer - einen Vertrag mit dem Autokonzern Daimler verschwiegen hatte.
Bankhofer bestreitet hingegen nach wie vor, etwas falsches getan zu haben. Er sagte stern.de über Handy: "Da will mich jemand abschießen!" Bankhofer glaubt an eine Kampagne. Der ARD-Auftritt, immerhin zudem drei Jahre alt, sei sauber gewesen. In dem Bottroper Garten sei doch sogar die Klostermelisse gepflanzt. "Da steht sogar ein Holzschild mit ihrem Namen drauf", ärgert sich der Ernährungsexperte. Doch der WDR stört sich eben gar nicht an der Passage, sondern an dem Vertrag. Bankhofer fühlt sich derweil als Opfer der Blogger. Er jammert: "Das Internet ist furchtbar!" Das Video bestätige ihm nur, dass das Netz "praktisch, aber auch sehr schlimm sein kann".
Zur Sendung auf TW1 sagt Bankhofer: "Ich bin dort nur Moderator und rede in der Sendung auch nur über Präparate, die ich für sinnvoll halte." TW1 kann via Satellit übrigens auch in Deutschland empfangen werden. Der Produzent der von Bankhofer moderierten Sendung, Walter Holiczki, sagt dazu: "Wir wissen, dass wir auch in Deutschland gesehen werden, weil wir auch Fanpost aus Hamburg und Berlin bekommen." Der ORF hat TW1 gekauft, um dort vor allem Eurosport durchschleusen zu können. Sendungen wie "Die gesunde halbe Stunde" laufen dort nur als Lückenfüller.
Seltsam ist die von der Wiener Gesellschaft einmal im Monat produzierte und dann bis zu zwölf Mal ausgestrahlte Sendung trotzdem. Holiczkis Firma heißt nämlich passender Weise "Partner für Werbung". Der Macher bestätigt im Gespräch mit stern.de: "Die Sendung trägt sich allein aus den Beiträgen der Sponsoren." Und die Sponsoren, das sind, wie Holiczki ebenfalls sagt, die Hersteller der vorgestellten Produkte.
Holiczki droht den anonymen Bloggern: "Wenn das weitergeht, werden wir dagegen vorgehen." Bankhofer selbst kündigt im Gespräch mit stern.de rechtliche Schritte an. Er sagt: "Mein Anwalt ist noch ein paar Tage im Urlaub. Dann wird er sich der Sache annehmen müssen." Der aber wiederum muss erst einmal herausfinden, wer die "Stationäre Aufnahme" betreibt.
Auch wenn bei TW1 vielleicht alles mit rechten Dingen zugeht: Die Frage ist ganz einfach, ob Bankhofer eine solche Sendung gut zu Gesicht steht. Denn Holiczki räumt auch ein, dass die Sponsoren nicht nur dafür zahlen, dass ihre Produkte in der Sendung vorgestellt werden. Er sagt vielmehr auch, dass die Sponsoren die von Bankhofer vor der Sendung formulierten Fragen vorab zugeschickt bekommen. Und weiter: "Es kommt schon vor, dass die dann zu der ein oder anderen Frage sagen: bitte streichen."
Bevor der WDR entschied, die Zusammenarbeit mit Bankhofer zu beenden, war dieser übrigens noch im Ersten auf Sendung. Am Donnerstag erklärte er im "Morgenmagazin", was gegen Kreislaufprobleme hilft. Dabei habe ihm die Redaktion auch ein Glas Essiggurken auf den Tisch gestellt, das er aber sofort beiseite geschoben haben will, weil darauf noch die Marke zu sehen gewesen sei. "Es war keine Zeit mehr, die Gürkchen auf einen Teller zu legen", sagte Bankhofer nach der Sendung. "Und ich muss ja aufpassen, was ich tue, sonst dreht mir da einer einen Strick draus. Die suchen ja wie nach einer Nadel im Heuhaufen, um mich fertig zu machen."
Der Betroffene vermutet gar, gegen ihn würden Neider ins Feld ziehen. Denn erst seit Mitte Juli kursiert die Nachricht, dass Bankhofer von der Düsseldorfer Selbsthilfegruppe HFI, einer der größten in Deutschland, zum "Medizinguru 2008" gewählt wurde. Kurze Zeit später tauchte das ominöse Video auf. Bankhofer: "Meine Popularität gefällt ein paar Leuten offenbar nicht." Doch das mit der Popularität ist jetzt ohnehin vorbei. Bankhofer sagt noch: "Am wohlsten fühle ich mich daheim in meinem Garten und mit meinen drei Ziegen." Nun ja, für die wird er jetzt wieder etwas mehr Zeit haben.