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24. Juli 2008, 15:57 Uhr

ARD feuert Gesundheits-Guru Bankhofer

Beim Fall Bankhofer kommt einem auch unweigerlich der Fall der Moderatorin Andrea Kiewel in den Sinn. Die hatte 2007 in einem Auftritt bei Talkmaster Johannes B. Kerner mehrfach die Organisation Weight Watchers gelobt. Ein Papier, das auch stern.de vorliegt, bewies anschließend: Die Moderatorin der Sendungen "Fernsehgarten" (ZDF) und "Riverboat" (MDR) bekam für diese Medien-Kooperation 30.000 Euro. Sie wurde von beiden Sendern gefeuert. Die ARD will zudem seit Anfang dieses Jahres die Talk-Masterin Sabine Christiansen nicht mehr unter Vertrag nehmen, weil sie dem Senderverbund - ähnlich wie jetzt Bankhofer - einen Vertrag mit dem Autokonzern Daimler verschwiegen hatte.

"Da will mich jemand abschießen - Das Internet ist furchtbar

Bankhofer bestreitet hingegen nach wie vor, etwas falsches getan zu haben. Er sagte stern.de über Handy: "Da will mich jemand abschießen!" Bankhofer glaubt an eine Kampagne. Der ARD-Auftritt, immerhin zudem drei Jahre alt, sei sauber gewesen. In dem Bottroper Garten sei doch sogar die Klostermelisse gepflanzt. "Da steht sogar ein Holzschild mit ihrem Namen drauf", ärgert sich der Ernährungsexperte. Doch der WDR stört sich eben gar nicht an der Passage, sondern an dem Vertrag. Bankhofer fühlt sich derweil als Opfer der Blogger. Er jammert: "Das Internet ist furchtbar!" Das Video bestätige ihm nur, dass das Netz "praktisch, aber auch sehr schlimm sein kann".

Zur Sendung auf TW1 sagt Bankhofer: "Ich bin dort nur Moderator und rede in der Sendung auch nur über Präparate, die ich für sinnvoll halte." TW1 kann via Satellit übrigens auch in Deutschland empfangen werden. Der Produzent der von Bankhofer moderierten Sendung, Walter Holiczki, sagt dazu: "Wir wissen, dass wir auch in Deutschland gesehen werden, weil wir auch Fanpost aus Hamburg und Berlin bekommen." Der ORF hat TW1 gekauft, um dort vor allem Eurosport durchschleusen zu können. Sendungen wie "Die gesunde halbe Stunde" laufen dort nur als Lückenfüller.

Seltsam ist die von der Wiener Gesellschaft einmal im Monat produzierte und dann bis zu zwölf Mal ausgestrahlte Sendung trotzdem. Holiczkis Firma heißt nämlich passender Weise "Partner für Werbung". Der Macher bestätigt im Gespräch mit stern.de: "Die Sendung trägt sich allein aus den Beiträgen der Sponsoren." Und die Sponsoren, das sind, wie Holiczki ebenfalls sagt, die Hersteller der vorgestellten Produkte.

Die im Netz kursierenden Ausschnitte seien rufschädigend Schleichwerbung sei das aber in keinem Fall. "Wir sind ein Pilotprojekt des ORF, das neue EU-Vorgaben ausnutzt", beteuert Holiczki. Dafür würden im Abspann der Sendung alle Sponsoren genannt. Holiczki sagt: "Jeder Beitrag wird von einem Juristen des ORF abgenommen." Die nun im Netz kursierenden Ausschnitte seien rufschädigend, aus dem Zusammenhang gerissen und deshalb widerrechtich genutzt.

Holiczki droht den anonymen Bloggern: "Wenn das weitergeht, werden wir dagegen vorgehen." Bankhofer selbst kündigt im Gespräch mit stern.de rechtliche Schritte an. Er sagt: "Mein Anwalt ist noch ein paar Tage im Urlaub. Dann wird er sich der Sache annehmen müssen." Der aber wiederum muss erst einmal herausfinden, wer die "Stationäre Aufnahme" betreibt.

Auch wenn bei TW1 vielleicht alles mit rechten Dingen zugeht: Die Frage ist ganz einfach, ob Bankhofer eine solche Sendung gut zu Gesicht steht. Denn Holiczki räumt auch ein, dass die Sponsoren nicht nur dafür zahlen, dass ihre Produkte in der Sendung vorgestellt werden. Er sagt vielmehr auch, dass die Sponsoren die von Bankhofer vor der Sendung formulierten Fragen vorab zugeschickt bekommen. Und weiter: "Es kommt schon vor, dass die dann zu der ein oder anderen Frage sagen: bitte streichen."

"Die suchen nach einer Nadel im Heuhaufen, um mich fertig zu machen"

Bevor der WDR entschied, die Zusammenarbeit mit Bankhofer zu beenden, war dieser übrigens noch im Ersten auf Sendung. Am Donnerstag erklärte er im "Morgenmagazin", was gegen Kreislaufprobleme hilft. Dabei habe ihm die Redaktion auch ein Glas Essiggurken auf den Tisch gestellt, das er aber sofort beiseite geschoben haben will, weil darauf noch die Marke zu sehen gewesen sei. "Es war keine Zeit mehr, die Gürkchen auf einen Teller zu legen", sagte Bankhofer nach der Sendung. "Und ich muss ja aufpassen, was ich tue, sonst dreht mir da einer einen Strick draus. Die suchen ja wie nach einer Nadel im Heuhaufen, um mich fertig zu machen."

Der Betroffene vermutet gar, gegen ihn würden Neider ins Feld ziehen. Denn erst seit Mitte Juli kursiert die Nachricht, dass Bankhofer von der Düsseldorfer Selbsthilfegruppe HFI, einer der größten in Deutschland, zum "Medizinguru 2008" gewählt wurde. Kurze Zeit später tauchte das ominöse Video auf. Bankhofer: "Meine Popularität gefällt ein paar Leuten offenbar nicht." Doch das mit der Popularität ist jetzt ohnehin vorbei. Bankhofer sagt noch: "Am wohlsten fühle ich mich daheim in meinem Garten und mit meinen drei Ziegen." Nun ja, für die wird er jetzt wieder etwas mehr Zeit haben.

Von Daniel Bouhs
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KOMMENTARE (10 von 20)
 
endbenutzer (25.07.2008, 17:17 Uhr)
Und wann...
...fliegt endlich Gottschalk und seine Dauerwerbesendung im ZDF?
faustjucken_de (25.07.2008, 16:09 Uhr)
Endlich
Diese ewige "kauen Sie Hirse gegen Rückenbeschwerden, machen sie Aufgüsse mit Kleie gegen Fracksausen, trinken sie gegorenen Himbersaft für bessere Augen...." blablabla...
Treibt Sport, fresst nicht soviel süßes, fertig
Kassenknecht (25.07.2008, 12:33 Uhr)
Endlich ...
Endlich wurde diesem Scharlatan das Handwerk gelegt. Peinlich ist nur, dass der WDR jahrelang an dem falschen Professor festhielt, trotz wohl tausender Protestschreiben. Nun wird er aber nicht wegen allgemeiner Unfähigkeit oder Gefährdung der Volksgesundheit gefeuert - das war dem WDR wohl vollkommen egal - , sondern wegen Schleichwerbung.
Ein Hohn!!!
Die Verantwortlichen des WDR sollte man gleich mit in die Wüste schicken.
Aber endlich sind wohl die Zeiten vorbei, an denen ich als Hausarzt, den Mist, den Bankhofer regelmäßig verzapft hat, in unzähligen Patientengesprächen wieder geraderücken muss.
quacksalbkiller (25.07.2008, 11:45 Uhr)
Endlich das Handwerk gelegt
Dieser Pseudo-Professor, der keine Minute seines Lebens Medizin studiert hat und in seinen Sendungen gänzlich unverstandene wissenschaftliche Termini daherplappert, die wohl nur die allerdümmsten Moderatoren und Zuschauer beeindrucken, ist doch bekannt dafür, dass er in unzähligen Zeitungsannoncen für Quacksalberprodukte wirbt, sei es für einen "Chi-Exercizer", der die Beine "im selben Rhythmus wie beim Flossenschlag der Fische" durchrüttelt oder für japanische Korallen, nach deren Konsum wir alle 120 Jahre alt werden sollen. Dass in Japan die durchschnittliche Lebenserwartung so hoch ist, dürfte allerdings eher daran liegen, dass man dort nicht derart verdummenden Gurus wie Bankhofer vertraut und dass nutzlose Pseudomedizin wie etwa die Homöopathie dort so gut wie keine Rolle spielt
wilko0070 (25.07.2008, 11:20 Uhr)
Ein kleiner Wicht
Der im ARD-Morgenmagazin gehätschelte "Professor" Bank-Kloster (der übrigens nicht mal ein abgeschlossenes Studium aufzuweisen hat) ist eigentlich nur an seiner eigenen Dummheit gescheitert, am 23.07.2008 jegliche Werbeverträge zu bestreiten, um einen Tag später den PR-Vertrag mit MCM Klosterfrau zuzugeben. Aber was ist das für ein kleiner Wicht im Gegensatz beispielsweise zu Lobbyisten wie Miegel, Raffelhüschen, Metzger etc., bei deren Schleichwerbung zum Ersatz der gesetzlichen Rentenversicherung durch die private Eigenvorsorge es um wesentlich höhere Beiträge (rund 240 Mrd. EUR!) geht.
botoxia (25.07.2008, 08:22 Uhr)
Weniger Rente
und Tschüss.
Wer keine Sendung mehr beim WDR hat, bekommt auch keine Beraterverträge mit Pharmakonzernen mehr. Lohnt sich ja nicht, einen Berater zu kaufen, der nicht mal mehr n bisschen Schleichwerbung fürs Produkt machen kann.
Aquarius_Jedermann (25.07.2008, 00:57 Uhr)
Stern beteiligt sich an Rufmordkampagne
Offensichtlich beteiligt sich der Stern nur allzu gern an einer üblen Rufmordkampagne.
Was lernt man daraus? In Deutschland darf nicht nur ungestraft gehetzt sondern auch denunziert werden, so wie zu Zeiten des III. Reiches und des sich daran anschließenden reaktionären CDU/CSU Staates.
Interessanter wäre wohl gewewesen, die seit der neufeudalen Umgestaltung Deutschlands bei den öffentlich-rechtlichen Sendern übliche Praxis zu untersuchen, dass einzelnen bei den Sendern zuvor angestellten oder sogar noch immer angestellten Redakteuren gestattet wird, mittels eigener Produktionsfirmen zu Multimillionären zu werden (Christiansen, Biolek, Plasberg).
Lieber geht man aber irgendwelchen Denunziationen hinterher und benutzt sie, ohne den Sachverhalt genau zu prüfen.
NormanRae (24.07.2008, 23:39 Uhr)
Jetzt laufen einige zu großer Form auf
Ein leichtes Opfer wie Bankhofer mit derartigem Verve fertig zu machen ist dümmlich und mies, vom Autor des Artikels wie von den Kommentatoren.
12cent.pro.min. (24.07.2008, 22:59 Uhr)
@ EspritCritique
bei mir ist es umgekehrt: ich mag ihn, kann aber nicht verstehen, worüber sie sich ereifern. weil die kritik anonym daherkommt ? es gibt viele nicht ehrenrührige gründe, anonym bleiben zu wollen, oder ? ich nehme an, sie heißen auch nicht wirklich "EspritCritique" - und polit. wahlen sind ebenfalls nicht grundlos anonym.
ich habe mir gerade den besagten clip angeschaut und kann daran nichts finden, was nicht ebenso in jedem seriösen tv-magazin als beitrag gesendet werden könnte. da ist sogar noch ne menge spielraum nach oben vorhanden.
@ maz-ab:
akuten handlungsbedarf sehen die medienschaffenden wohl erst dann, wenn nicht nur sie, sondern auch hinz&kunz davon wissen.
maz-ab (24.07.2008, 22:35 Uhr)
Schleichwerbung schon lange
Über Jahre betreibt Herr Bankhofer Schleichwerbung in den Medien. Das man das jetzt erst merkt, ist sehr erstaunlich.
Seit mindestens vier Jahren verschickt der White-Lines Medienservice regelmäßig Interviews mit Herrn Bankhofer an unzählige Zeitungsredaktionen. Es ist dabei immer Pflicht, dass genannte Heilmittelchen zu nennen, sonst bekommt die Redaktion keine "Geschenke" zum verlosen für die Leser.
Schleichwerbung ist in Deutschland überall zu finden. Man hätte weniger Arbeit, würde man mal die in den Medien suchen, die keine Schleichwerbung machen.
Es ist nur verwunderlich, dass es jedesmal ein Skandal ist, wenn Schleiwerbung in irgend einer Weise endeckt wird. Ich kann es nicht glauben, dass sehr gut bezahlte Medienfachleute es über Jahre nicht gemerkt haben wollen, dass sich ein Herr Bankhofer in die Werbung schleicht. Ich merke es jedenfalls sehr schnell, wenn ich die Zeitung lese, dort ein Interview mit Herrn Bankhofer finde und jedes Mal die Marke "Klosterfrau" in irgend einem Zusammenhang genannt wird.
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