Das ist natürlich kein Einzelphänomen. Historische Vorlagen werden - wie bei "Operation Walküre", "Der Baader Meinhof Komplex" oder "Der rote Baron" - mal mehr, mal weniger bearbeitet, um Spielfilmen emotionale Wucht zu verleihen. Man kann trotzdem im Vor- oder Nachspann das Wort "wahr" über die Leinwand laufen lassen, das macht Eindruck. Thorsten Dewi, Drehbuchautor von "Dr. Hope" schreibt dazu in seinem Blog, Dr. Hope sei "so wahr, wie 'Der Untergang' wahr ist zum Thema Hitler".
Dennoch ist Dr. Hope ein Spezialfall, denn über diese starke Frau ist nur wenig bekannt. Es gibt keinen Nachlass, kaum Briefwechsel, wenig Archiv-Material. 2004 wurde eine kleine Sackgasse in München nach ihr benannt - mehr auch nicht. Die einzige Biografie über Hope hat die bayerische Historikerin Marita Krauss geschrieben.
Gern hätte die Wissenschaftlerin für den Film gearbeitet, zumal sie ein sehr unkonventionelles Verständnis ihrer Arbeit pflegt. "Die Grenzen zwischen Fiktion und Sachbuch sind fließend", sagt Krauss zu stern.de. "Ohne kreative literarische Kunstgriffe kommen auch Historiker nicht aus. Man kann keine Biografie schreiben, ohne etwas über eine Person zu erfinden." Doch was hinzuzuerfinden ist, das wollten die Drehbuchautoren Katrin Tempel und Thorsten Dewi schon selbst entscheiden. Sie verkrachten sich mit Krauss, bevor es überhaupt zu einer Zusammenarbeit kommen konnte.
Das Ergebnis ist nun zu besichtigen: ein öffentlich-rechtlicher Zweiteiler auf hohem Kostüm-Niveau, die Rosamunde-Pilcher-Fassung eines hochpolitischen Lebens. Das ist schade. Denn die Historie der Hope Bridges Adams Lehmann wäre auch ohne Zutat packend genug.
*Das Zitat wurde nachträglich geändert, weil sich Heike Makatsch missverstanden fühlte.