Einheitsrente, mangelhafte Pflege, Euthanasie-Programme: In der Doku-Fiction "2030 - Aufstand der Alten" zeichnet das ZDF ein düsteres Bild der Zukunft unserer Gesellschaft. Das Horrorszenario soll aufrütteln - und verzettelt sich leider zeitweise mit zu vielen Details. Von Peer Schader

Die Journalistin Lena Bach (Bettina Zimmermann) recherchiert in einem rätselhaften Entführungsfall© ZDF
Wenn wir alt sind, lassen wir es uns so richtig gut gehen. Wir ziehen in eine Luxusresidenz im Ausland, in der wir rund um die Uhr massiert und bekocht werden, machen endlose Spaziergänge in blühenden Gärten oder sitzen am Strand und schauen in den Sonnenuntergang. Von Zeit zu Zeit kommen die Enkel auf einen Besuch vorbei und wir genießen unseren Lebensabend, den wir uns durch jahrelange harte Arbeit in Deutschland verdient haben. Dazu muss bloß dieser Vertrag mit Pro Life unterschreiben, einem Konzern, dessen Geschäftsmodell es ist, eine passgenaue Versorgung für Senioren anzubieten.
Das ist die eine Möglichkeit, die der ZDF-Film "2030 - Aufstand der Alten" seinen Zuschauern, den Alten von übermorgen, voraussagt. Von der anderen will man besser nichts wissen.
Sie geht so: Im Jahr 2030 ist das Renteneintrittsalter auf 70 Jahre angehoben worden. Weil es immer mehr Alte gibt und immer weniger junge Menschen, die ihrer Verpflichtung des Generationenvertrags nachkommen können, hat die Regierung eine Einheitsrente etabliert: 560 Euro im Monat. Davon müssen Lebensunterhalt, Medikamente und ärztliche Versorgung bezahlt werden, weil die Krankenkassen kaum noch Kosten übernehmen.
Wer rechtzeitig Zusatzversicherungen abgeschlossen hat, ist fein raus und lässt sich vom mächtigen Großkonzern Pro Life hätscheln. Die anderen, die das Geld nicht aufbringen können und ihren Kindern nicht zur Last zu fallen wollen, lassen sich einschläfern. Oder springen aus Verzweiflung vom Dach. Es ist eine düstere Vision, die der ZDF-Dreiteiler seinen Zuschauern ausmalt, keine leichte Abendunterhaltung, in der man sich ein bisschen gruseln kann, weil man ahnt: So fern liegt das alles gar nicht. Die Botschaft lautet: In mehr als 20 Jahren wird unser Land kaum wieder zu erkennen sein. Das muss man - wenn schon nicht als Drohung - zumindest als Warnung verstehen.
Um das sperrige Problem, als das sich uns der demografische Wandel heute darstellt, greifbar zu machen, hat das ZDF die Idee gehabt, eine Doku-Fiction drehen zu lassen, die in der Zukunft spielt, in der die Überalterung der Gesellschaft endgültig zu deren zentralem Problem geworden ist.
Eigentlich ist der "Aufstand der Alten" in erster Linie ein Thriller: Im Jahr 2030 nimmt der Pensionär Sven Darow den Vorstandschef des Pro-Life-Konzerns als Geisel und überträgt das live ins Internet, um einen Skandal aufzudecken, wie es ihn in Deutschland noch nicht gegeben haben soll. Bevor jedoch aufgeklärt werden kann, worum es geht, jagt der Mann sich mit seiner Geisel selbst in die Luft - das jedenfalls sagt die Polizei.
Die junge Reporterin Lena Bach (Bettina Zimmermann) glaubt, dass mehr dahinter steckt und recherchiert, um herauszufinden, wer Darow wirklich war. Sie spricht mit ehemaligen Weggefährten, deckt sein Engagement im "Kommando Zornige Alte" auf, das sich gegen die miserable Behandlung von Senioren mit Guerilla-Aktionen zur Wehr setzte, und stößt tatsächlich auf ein Komplott zwischen Großkonzern und Regierung, das die Prinzipien unserer Gesellschaft in Frage stellt.