Gegen diese Doku ist Star Trek eine Kindergartenphantasie: "2057 - Unser Leben in der Zukunft" prognostiziert eine Welt von morgen, in der Ärzte künstliche Organe züchten, fliegende Autos normal sind und eine Reise ins All zweieinhalb Stunden dauert. Klingt unrealistisch? Mal abwarten. Von Peer Schader

Ein Versuch zu visualisieren, wie die Menschen in 50 Jahren leben werden: "2057 - Unser Leben in der Zukunft"© ZDF
Fliegende Autos? Organe aus dem Drucker? Jacken, die ihren Träger bei einem Unfall selbstständig wieder beleben? Ein riesiger Aufzug ins All? So spektakulär sieht also unsere Zukunft aus. Nur: Man muss es erst einmal glauben. Und das fällt schwer, nach all den Science-Fiction-Märchen, die Hollywood schon durchs Kino gespült hat.
Schwerer noch als in der Zukunft zu leben, ist es wohl, sich dieselbe aus der Gegenwart vorzustellen, ohne dass es albern wirkt. So gesehen ist die Doku "2057 - Unser Leben in der Zukunft", die Arte und das ZDF an diesem Wochenende zeigen, ein riesiger Reinfall. Weil kaum etwas von dem, was dort prognostiziert wird, glaubwürdig ist. Bis man prompt die Belege aus der Forschung vorgeführt bekommt und sich denkt: Das kann doch wohl nicht wahr sein!
"2057" ist ganz und gar kein Reinfall, sondern ein interessantes Experiment, zu visualisieren, wie die Menschen in 50 Jahren auf diesem Planeten leben werden. In hochtechnisierten Haushalten, mit künstlich gezüchteten Herzen, in vernetzten Städten mit empfindlichen Datensystemen, immer noch auf der Suche nach der Antwort auf den unglaublichen Energiehunger, den die Weltbevölkerung entwickelt hat.
Vor allem lebt "2057" vom Überraschungseffekt - weil eben nicht bloß Behauptungen aufgestellt werden und hübsche Animationen futuristischer Städte gezeigt, sondern auch Wissenschaftler zu Wort kommen, die jetzt und heute genau daran arbeiten, dass es diese Zukunft geben kann.
Ja, ja, denkt sich der Zuschauer erst: Autos, die senkrecht in die Luft gehen und geradeaus durch die Luft fliegen können, wenn am Boden Stau ist, das kennt man schon zur Genüge. Umso überraschender ist die Erkenntnis, dass es tatsächlich Forscher gibt, die solche Fahrzeuge schon entwickelt haben, wie nachher per Video-Einspieler bewiesen wird. Die Angelegenheit ist noch furchtbar wackelig und das Gefährt kommt kaum ein paar Meter voran - aber das Prinzip funktioniert. Auch die Gebrüder Wright haben klein angefangen.
Dass die Doku ihren Effekt erzielt, liegt in dieser Verknüpfung des eigentlich Unglaublichen mit dem Nachvollziehbaren, den Bildern aus dem Labor, in denen es tatsächlich geschafft wird, künstliche Herzklappen zu züchten, die anschließend auf die von ihnen verlangte Leistung trainiert werden müssen, und vielleicht schon in ein paar Jahren bei Operationen verwendet werden könnten. In den USA gibt es tatsächlich Forscher, die einen einfachen Tintendrucker so umgebaut haben, dass sie Bakterienkulturen in den von ihnen gewünschten Mustern damit auf Papier bringen konnten. Warum sollten sich auf diese Weise nicht auch dreidimensionale Organe "ausdrucken" lassen?
In drei Teilen zeigt "2057", wie sich die Medizin weiterentwickeln könnte, wie die Stadt der Zukunft aussehen würde, wie die globale Energiekrise gelöst werden könnte. Manches davon ist nachvollziehbar, anderes einfach hoffnungslos optimistisch.