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26. November 2006, 09:53 Uhr

Den Mörder kennt nur die Leiche ...

"Kino-Fernsehen" hat Zuiker den "CSI"-Look einmal genannt. Gemeint ist, dass die Szenen anders ausgeleuchtet sind als die meisten im Studio gedrehten Sendungen. Mit dem Computer wird das Licht außerdem technisch nachbearbeitet, so sieht "CSI" nicht "so flach" aus wie das übrige Fernsehen, erklärt Ann Donahue. Wer beim Zappen in einer "CSI"-Folge hängen bleibt, erkennt dies sofort. Bruckheimer, der Kino-Mann, drängte auf bestimmte Ausstatter und "Visual Arts"-Spezialisten, die - bei immerhin fast drei Millionen Dollar Produktionskosten pro Folge - stimmungsvolle Ex- und Interieurs zaubern. Zu düster, bemängeln manche Zuschauer. Thematisch, sagen die Macher.

Miami glänzt sonnig-gelb, Las Vegas Dollarschein-grün

Im Original-"CSI" mit William Petersen, das in Las Vegas spielt, ist Grün die vorherrschende Farbnote - giftgrün wie die Unterwelt von "Sin City", mattgrün wie die Dollarscheine, von denen dort jeder träumt. Im Ableger "CSI: Miami" glänzt alles in Gelb: Aus den Höhlen und Höllen von Las Vegas geht es in die Sonne von Florida, die Szenen sind in warmes Licht getaucht, der "Look" ist sexy, frisch, verführerisch. Blau dominiert den dritten Schauplatz "CSI: NY". Der dortige Chef, gespielt vom Kinostar Gary Sinise, ist seit den Anschlägen vom 11. September Witwer und lebt im permanenten Blues; Licht und Ausstattung orchestrieren seinen Seelenzustand.

Horatio (David Caruso) untersucht die Leiche, die eine Schusswunde aufweist, von der Bootbesitzerin Patrice Boland© RTL

"CSI: Miami" ist die erfolgreichste der drei Reihen. Vielleicht liegt es an David Caruso, der den Teamchef als eine Art Dirty Harry mit Herz spielt - er redet nicht viel, aber er hat all die Antworten. Der rothaarige Schauspieler, der es nach einer kurzen TV-Karriere im Kino versuchte und auf die Nase fiel, erlebt mit der Serie ein glanzvolles Comeback. Er lebt in Miami, aber zum Drehen muss er rüberfliegen an die Westküste. Nur dreimal im Jahr macht sich die Filmcrew auf nach Florida für Außenaufnahmen, den Rest von Miami doubelt Kalifornien.

Eine Crew von 200 Leuten ist im Studio

In Halle 24 der Raleigh Studios von Manhattan Beach stehen mehrere hunderttausend Dollar an medizinischer Gerätschaft herum. Hier werkelt, umgeben von rund 200 Technikern, Ausstattern, Assistenten, Regisseuren und Produzenten, das Team von David Caruso alias Horatio Caine. Metallisch schimmern die Bahren im Anatomielabor, auf den Computerschirmen im "AV-Lab", wo Audio- und Videodokumente untersucht werden, tanzen eindrucksvolle Grafiken. 7000 Dollar koste dieser wunderbare Gas-Chromatograf-Massenspektrometer, raunt stolz der technische Berater Mike Scott. Er baut sich hinter einem der Mikroskope auf. Damit könne man untersuchen, ob zwei Gewebeproben von derselben Quelle stammen. Alles echt!

Auch die Waffen? Der Ex-Cop blickt scharf auf. "Nein, natürlich nicht. Aber kaum einer sieht den Unterschied." Er musste den Stars beibringen, wie man das Ding hält, und sich für jeden einen eigenen Stil ausdenken. Niemand darf so zielen wie David Caruso, weil: Caruso ist der Chef. He, sagt Scott und lacht, "das ist trotz allem Hollywood".

Mit den Knarren wird gemogelt. Und mit der Zeit. In der "CSI"-Welt geht alles ein bisschen schneller: Dauert ein DNA-Test in Wirklichkeit vier bis fünf Tage, so bekommt Horatio das Ergebnis nach zehn Minuten auf den Tisch. Und die Arbeit am Tatort, sie kann in Wahrheit zäh sein, zermürbend. Mit anderen Worten: sterbenslangweilig.

Immer die neuesten Gimmicks aus der Wissenschaft

Und für Langeweile wird keiner der Schreiber bezahlt, die hinter der Filmhalle ihre Büros haben. Sie sollen immer die neuesten Gimmicks aus der Welt der Wissenschaft im Kopf haben; sollen medizinische Fachbegriffe ins Skript stricken, aber den Zuschauer damit nicht erschlagen; sollen immer neue Kriminalfälle aufstöbern. Vier bis fünf Tage brauchen die Autoren für eine Folge, in acht Tagen ist sie abgedreht.

Der Druck ist groß, die Konkurrenz schläft nicht. Erstmals hat jetzt in den USA die neue Klinik-Seifenoper "Grey's Anatomy" den "CSI"-Machern die Quoten am Donnerstag versaut, dem wichtigsten Fernsehabend der Woche. Die Beweislage war glasklar: Jüngere Zuschauer schauten Wissenschaftlern lieber beim Flirten als beim Arbeiten zu.

Hierzulande haben Horatio und Co., frisch auf Erfolgskurs, nichts zu fürchten. Dennoch eine kleine "CSI"-Belehrung fürs deutsche Publikum: keine Wunder erwarten. Einfach nur verdammt gutes Fernsehen.

Übernommen aus ... Stern Stern
Ausgabe 47/2006

Von Christine Kruttschnitt
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