Die Lehren aus "Mainzelgate"

27. Oktober 2012, 13:13 Uhr

Natürlich wird politischer Einfluss genommen, ob von Hans Michael Strepp oder sonstwem - aber dieser Versuch hat der CSU erstmals geschadet. So plump, so dreist, so ungeschickt war niemand zuvor. Von Bernd Gäbler

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Den Konflikt dort lösen, wo er herkommt

Dieses Bestreben ist politisch. Darum ist es auch eine Illusion, alle Politik aus den öffentlich-rechtlichen Sendern vertreiben zu wollen. Aber "Mainzelgate" ist eine Chance, um erneut die Dominanz der Parteien, die antiquierte Beschränktheit des rot-schwarzen Weltbildes zu attackieren. Denn das Absurdeste steht noch an: Der Streit zwischen CSU und ZDF soll nun genau dort thematisiert und gelöst werden, wo er seinen Ursprung hat.

Die "zuständigen Gremien" sollen nun tagen. Welches Gremium aber ist im ZDF zuständig? Es ist der für den Bereich Chefredaktion zuständige Ausschuss des ZDF-Fernsehrats. Und dies ist ein in der Medienwelt einmaliges Gebilde. Dort versammeln sich nämlich tatsächlich alle Generalsekretäre der Parteien, denen der ZDF-Chefredakteur von Zeit zu Zeit Rede und Antwort stehen muss. Ohne dieses Gremium könnte die Chefredaktion unbeschwerter arbeiten.

Die Welt ist längst bunter geworden

Es wäre eine Errungenschaft, es noch vor dem Wahljahr ersatzlos abzuschaffen. Es entstammt einer vergangenen Welt. Über die hat der langjährige ZDF-Intendant Dieter Stolte vor kurzem ein Erinnerungsbuch geschrieben. Darin plaudert er auch völlig offen aus, was bisher immer nur gemutmaßt wurde, aber nie bestätigt. Die große Stabilität verdanke das ZDF, so legt Stolte dar, auch seiner Treue zu einmal getroffenen Absprachen.

Völlig unabhängig von den politischen Konjunkturen und von der Qualifikation der Personen, habe er immer daran festgehalten, dass Intendanz und Programmdirektion "schwarz" besetzt sein müssten, dann könne der Chefredakteur ein Freund der "Roten" sein. Von Reinhard Appel, Klaus Bresser über Nikolaus Brender gilt das bis heute.

Die Welt aber ist längst bunter geworden, Parteien spielen nur noch in ihrer eigenen Hybris eine zentrale Rolle. Auch darum wirkt das ZDF so antiquiert. Vielleicht rührt daher die Selbstüberschätzung, der letztlich auch der CSU-Sprecher erlag. Es ist nicht gleichgültig, ob die "heute"-Sendung über den SPD-Parteitag in Nürnberg berichtet oder nicht. Aber allzu entscheidend ist es auch nicht. Hätte Christian Ude dort einen Knüller gelandet, die Bajuwaren in Aufruhr versetzt, das Land in einen Taumel des kommenden politischen Wechsels versetzt, längst wären Filmschnipsel Renner auf Youtube geworden, würde über die Attacken auf die CSU in sozialen Netzwerken kommuniziert und die flotten Leute im ZDF hätten dann aufgeregt berichtet, was sich alles Seltsames in diesem Internet tut.

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