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14. Januar 2010, 14:10 Uhr

"Ein Regisseur ist einem Hochstapler ähnlich"

Dieter Wedel, Interview, Gier

Immer wieder gelingt es Dieter Glanz (Ulrich Tukur, hier mit Jeanette Hain), die Anleger mit seinem Prunk zu blenden und zu beschwichtigen© ARD/Degeto

Das Erinnern für ein solches Buch zwingt auch zur schmerzhaften Rückschau. War die schonungslose Beschreibung Ihrer Abkehr von Hannelore Elsner in dem Moment, da sie von Ihnen schwanger war, besonders heikel?
Ja, da spiele ich keine ruhmreiche Rolle. Zu einer ehrlichen Darstellung muss man sich da zwingen.

Ihr vielfältiges Liebesleben erscheint im Buch wie eine Abfolge zufälliger Ereignisse, bei denen die Frauen stets den schüchtern unbeholfenen Herrn Wedel verführen...
Ich war nie der Typ feuriger Eroberer oder Aufreißer, das liegt mir nicht. Aber es war ja auch eine ganz erfolgreiche Strategie: erst mal abwarten. Also gab es wenig Anlass, sie zu ändern.

Nun leben Sie seit langem in einer festen Beziehung mit Uschi Wolters, dazu gab es wechselnde weitere Frauen. Seit 13 Jahren führen Sie nun eine Dreierbeziehung mit Uschi Wolters und der Schauspielerin Dominique Voland. Dieses argwöhnisch betrachtete Lebensmodell ist selten...
Das glaube ich nicht. Ich habe es nur im Gegensatz zu vielen anderen offen zugegeben.

Es konnte nur gehen, weil Uschi Wolters immer Bescheid wusste?
Ja, ich respektiere sie viel zu sehr, um sie anzulügen. Schwindeleien sind manchmal sehr demütigend, manchmal allerdings glaube ich, kann die ganze Wahrheit den Partner auch zu stark belasten. Es gibt da keinen generell gültigen Rat.

Irritiert war Uschi Wolters aber, als sie erfuhr, dass Ihre Lebensgefährtin Dominique Voland schwanger war.
Das ist richtig. Da war ich hin- und hergerissen: Der Freude, die Vaterschaft einmal richtig zu erleben, stand die Furcht gegenüber, Uschi zu verletzen. Dass sie und Dominique und mein Sohn Benjamin sich so gut verstehen, dafür bin ich unendlich dankbar.

Glück gehabt, Herr Wedel?
Ja, wirklich.

Diese Dreier-Konstellation gibt es nun schon seit 13 Jahren - finden Sie das nicht selbst spießig?
Total langweilig, ja (lacht).

Versuchen Sie, bei Ihrem jüngsten Sohn all das wieder gut zu machen, was Sie als Vater bei den anderen fünf Kindern versäumt haben?
Natürlich, das schlechte Gewissen spielt da bestimmt eine Rolle. Obwohl man auch sagen muss, dass ich bei dreien meiner Kinder quasi keine Chance hatte, weil die Frauen mich gar nicht wollten. Zu meiner Anfangszeit sah es wirklich nicht so aus, als könnte ich eine Familie ernähren.

Und bei anderen Frauen, da hätten Sie nicht heiraten mögen?
Nein. Ich habe nie verstanden, was sich bei einer funktionierenden Beziehung ändern soll, wenn man verheiratet ist. Außer, dass man Steuern spart.

Haben Sie Kontakt zu all Ihren Kindern?
Ja, mittlerweile, wenn auch unterschiedlich intensiv. Außer zu Dominik, dem Sohn von Hannelore.

Sind Sie schon Großvater?
Nee, aber das ist reiner Zufall.

Gibt es denn Treffen, bei denen sich mal alle Wedel-Kinder sehen?
Bloß nicht, nachher bringen die alle ihre Mütter mit. Und die sehen dann, wie viel Falten ich inzwischen habe. Wenn es unbedingt sein soll, können die das ja bei meiner Beerdigung machen.

"Gier" Inspiriert von der wahren Geschichte des Millionenbetrügers Jürgen Harksen wollte Dieter Wedel in seinem neuen Zweiteiler "Gier" eine Parabel auf die enthemmte Gewinnsucht unserer Gesellschaft abliefern. Zwar spielt Ulrich Tukur als Finanzhai Dieter Glanz furios auf und wickelt die geldgierigen Anleger geschmeidig um den Finger, doch der Film erschöpft sich nach einer halben Stunde in dem immergleichen Rhytmus von dekadenten Partys, denen aufkommende Zweifel folgen - die Glanz mit neuen Versprechungen abbügelt. Darauf lässte er neue, ungehemmte Partys steigen, mal in Mallorca, London oder Südafrika. Zudem fehlt der Figur des Dieter Glanz ein ernstzunehmender Gegenspieler. Kurzum: Mindestens zwei der insgesamt drei Stunden Spieldauer sind verschenkte Lebenszeit, daran ändert auch das hochrangige Besetztung (Devid Striesow, Heinz Hoenig, Uwe Ochsenknecht, Harald Krassnitzer, Sibel Kekilli, Katharina Wackernagel, Kai Wiesinger u.a.) wenig.

Interview: Helge Hopp
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KOMMENTARE (4 von 4)
 
haddock (15.01.2010, 23:42 Uhr)
Vor 2 Tagen Sechs Tage Angst gesehen
Katze getötet.Heute Gier gesehen.Hund getötet.
Ist das der neue Kick um Emotionen zu wecken?
Ansonsten prima Schauspieler aber total überzogener Film.Habe mehr erwartet.Schade.
fair09 (15.01.2010, 18:20 Uhr)
Ostdeutsche und RTL
Ich kenne viele Ostdeutsche die von RTL
nicht viel halten Herr Wedel.Warum gibt es eigentlich so unendlich viele Macher und Manager aus den alten Bundesländern im deutschen TV?
bob-der-meister (15.01.2010, 17:12 Uhr)
R e s p e k t
Mann, ist das ein Alphatierchen! ;-)
Sind bestimmt alle superglücklich mit dem wedelschen Lebensmodell.
rynaldo (15.01.2010, 17:05 Uhr)
Bin echt gespannt,
einer der wenigen Regisseure, die noch fürs Fernsehen Qualität abliefern.
MEHR ZUM ARTIKEL
"Die Affäre Semmeling" Drei Mal im Leben

Sie sind "die Semmelings": Antje Hagen, 63, und Fritz Lichtenhahn, 69. Vor 30 Jahren spielten sie unter der Regie von Dieter Wedel zum ersten Mal das rührende, naive, so ganz normale Ehepaar Trude und Bruno Semmeling. mehr...

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