
Authentizität wird bei "Dresden" groß geschrieben: Der Brite John Light spielt den britischen Bomberpiloten Robert© Conny Klein/ZDF
Es gibt keinen Nico-Hofmann-Stil. Es gibt einen Stil, der beispielsweise aus einer Zusammenarbeit von Roland Suso Richter und mir entsteht. Wir sind sehr offen und diskutieren alles - egal ob Musik, Kamera, Drehbuch. Und wir probieren alles aus. Das geht nur mit jemandem, der Ihnen vertraut. Roland und ich haben den gleichen cineastischen Blick.
Marktforschung betreiben wir vor allem im seriellen Bereich gemeinsam mit dem Sender, da erforschen wir beispielsweise Sympathiewerte von Schauspielern. Bei den Events vertraue ich auf mein Bauchgefühl. Bei Nadja Uhl würde ich nie auf die Idee kommen, eine Marktforschung zu machen. Sie war meine Idee für "Die Sturmflut". Sie war zu der damaligen Zeit ein No-Name, alle haben mich angeguckt und gefragt, "Wer ist bitte Nadja Uhl?". Genauso war es bei Bettina Zimmermann. Die habe ich in der "Sturmflut" in einer kleinen Rolle entdeckt und ihr dann gemeinsam mit meiner Mitproduzentin Ariane Krampe und Sat.1 die Hauptrolle in der "Luftbrücke" angeboten. Mein Bauchgefühl täuscht mich selten.
Da war zuviel der Marktforschung. Dann wird alles synthetisch.
Ganz klar. Das ist nur bei der "Sportschau" anders. Ansonsten entscheidet das weibliche Publikum. Für die Events ist das noch viel wichtiger, die müssen Familienfernsehen sein. Sie funktionieren nur, wenn sie vom 14- bis zum 70-Jährigen alle Altersgruppen erreichen. Das spiegelt sich auch im Ensemble der "Sturmflut" wider - von Gil Ofarim bis Jutta Speidel waren alle Generationen vertreten. Event-Themen müssen am Sonntagabend zum Familienthema werden, sonst wird der Film kein Erfolg.
Ich glaube, die Quoten der Telenovelas werden sich einpendeln, nicht alle laufen gut. Ich bin ja der Meinung, dass Zuschauer ein sehr starkes Qualitätsempfinden haben. Auch ein Film wie "Stauffenberg", der wirklich hochgradig anspruchsvoll war, hatte knapp acht Millionen Zuschauer. Das ist an einem Mittwochabend fast schon eine Sensation. Man denkt immer, die Events müssten auch soapig sein - das Gegenteil ist der Fall. Die Menschen schauen sich solche Filme mit einem Blick für Akkuratesse an, sie wollen historische Genauigkeit. Es ist erstaunlich, wie viel Begleitmaterial zur "Luftbrücke" in den Buchhandlungen verkauft wurde.
Ein Trend sind Filme und Fernsehspiele mit einem hohen Niveau. Die Leute werden Programme nicht nur zur Unterhaltung anschauen, sondern auch mit dem Wunsch, Wissen zu erwerben. Programme wie "Terra X" im ZDF, aufwendig gemachte Dokumentarfilme, stehen für diesen Trend. Auch die großen Themen Familie/Identität/Psychologie werden zunehmen. Der Bereich Psychoanalyse/Therapie wird ein Thema für die nächsten fünf Jahre. Wir haben jetzt gerade mit Christian Berkel und Andrea Sawatzki für die ARD den Zweiteiler "Die Therapeuten" gedreht. Alles, was mit Identitätssuche und Selbstfindung zu tun hat, wird wichtig werden.
Das wird ganz sicher ein Trend werden. Das Problem ist, dass da ein riesiger Wettstreit entsteht zwischen den Fernsehsendern und den Produzenten. Das wird noch eine Diskussion über die Rechteverteilung geben. Wir sind mit der Ufa dabei, Inhalte für Handys zu kreieren und auch schon zu produzieren. Das wird definitiv ein wichtiger Markt. Murdoch und Fox betreiben das bereits sehr vorbildlich.
Mit dem Thema "Luftbrücke" haben wir 13 Millionen Menschen erreicht, mit der "Sturmflut" 23 Millionen Zuschauer. Wenn wir ein Stück authentische Geschichtsbetrachtung in Deutschland liefern können, bin ich stolz darauf.
Das Interview führten Carsten Heidböhmer und Lutz Kinkel