
Keine Ruhe für den Bauern: Auf den Straßen seines Dorfes wird er ständig angesprochen. Alle wollen ein Foto, ein Autogramm... An Wochenenden kommen sogar ganze Busladungen an Fans© Daniel Müller
Im Dorf hält man nicht besonders viel von dem Hype. "Die Publicity geht uns eher auf die Nerven", erzählt man im Hotel. Selbst hier in der westfälischen Provinz begreift man die TV-Mechanismen: "Ganz ehrlich, unser Heinrich ist doch kein Star, er ist ein Marketingprodukt!". Dass es mit der Frau für Heinrich nicht geklappt hat, ist längst nicht mehr das Thema. Worüber sich viele jetzt ärgern ist die Vermarktung des Schäfers. "Die malochen den ganzen Tag", erzählt ein Bekannter. "Wenn die Mutter mal nicht mehr da ist, dann ist das 'ne ganz arme Sau." Sie alle haben ihn schon einmal singen gehört. Auf dem Schützenfest. Oder bei einer Dorffeier. Früher noch mit seinem Vater, der das "Schäferlied" schrieb, das es jetzt auf CD gibt. Auch Bürgermeister Fahle ist besorgt um den "großen Jungen": "Was, wenn der ganze Trubel vorbei ist?" Hier im Landkreis Soest, so scheint es, beschäftigt man sich nur noch mit dem prominenten Sorgenkind. Im Bus unterhalten sich alle über die letzte "Bauer sucht Frau"-Folge. Die Jüngeren machen sich lustig, den Älteren tut Heinrich leid.
Auf dem Hof klingelt das Telefon weiterhin ununterbrochen. Wegen der Popularität des Bauern wurde extra ein neues Gerät angeschafft. Eines, das man auch ausstellen kann. "Sonst dreht man hier ja durch", sagt Johanna, die mit dem neuen Telefon nicht zurechtkommt. "Das hat ja gar keine Drehscheibe mehr." Auch der Fernseher wurde heute neu geliefert. Der alte hat immer so geknackt. "Das waren bestimmt die von RTL, die uns hier noch heimlich weiterfilmen", mutmaßt die Mutter.
Dass er mal in einer Disco auftreten würde und alle ihm zujubeln, das hätte er nicht gedacht, sagt Heinrich. Wie sich das anfühlt? "Komisch, aber auch irgendwie schön." Heinrich fühlt sich von dem ganzen Trubel geschmeichelt. "Ja guck, sind immer Bekannte oder Fans da. Kann es selber gar nicht glauben, was hier passiert." Er holt einen Karton mit Telefonnummern heraus, die ihm Frauen zugesteckt haben. Und Fotos von Fans, die sich mit ihm bei seinen Auftritten in Dorfdiscos fotografieren lassen haben. Tief dekolletierte Mädchen und verschwitzte, grölende Männer drücken sich für einen Schnappschuss mit der Bauernattraktion auf das Foto. Heinrich lächelt nicht. Nie.
Man fragt sich, wie lange dieser Mann diesen Ausflug in eine andere Welt aushalten wird. Er fühle sich geschmeichelt, aber die Fans, die Anrufe, die Termine, die Verhandlungen mit RTL... das sei auch ganz schön viel. Und am wichtigsten seien ihm doch seine Schafe.
Einfach mal die Tür hinter sich zuschlagen will Heinrich nicht: "Ich bin nett zu allen. Außerdem will ich ja, dass die meine CD kaufen." Der Schäfer ist der perfekte PR-Gag. Sein Lied passt in jede Dorfdisco, in die Après-Ski-Hütte und auf den Ballermann. Und Heinrich macht alles mit. Fast alles. Als die spirituelle Anna zum wiederholten Male ihr "Dann singste uns noch was Schönes, ne?" in die Küche krächzt, wirds dem Bauern ausnahmsweise mal zu bunt. "Ich lass mich nicht von jedem aufziehen", sagt er und verschwindet im Stall.
Heinrich ist kein dummer Bauer. Er glaubt nur nicht an das Böse im Menschen. Das Profitdenken eines Senders ist ihm fremd. Er hofft, dass er jetzt das bekommt, was er verdient und was das Leben ihm und seiner Mutter bislang vorenthalten hat. Er hofft, dass er angemessen bezahlt wird. Dafür, dass er jetzt als Sau durchs Mediendorf getrieben wird. Die Kameras sind weg. Am Montag, 8. Dezember, läuft die letzte Folge von "Bauer sucht Frau". Und es wird nicht lange dauern, dann sind auch die Reisegruppen, die fotografierenden Teenies und Anna mit ihrem Pendel nicht mehr da. Das ist das Schicksal der Zlatkos, Küblböcks und Heinrichs. Vielleicht wird RTL ihn dann noch einmal für das Dschungelcamp anfragen. Hoffentlich wird er dann wegen seiner Schafe absagen.
Die Wolken hängen immer noch schwer und grau über Heinrichs Hof. Ohne RTL-Weichzeichner scheint alles hoffnungslos und trist. Die Schafswolle hat sich voll Regen gesogen. RTL hat seine Schäfchen ins Trockene gebracht. Heinrich hofft noch, dass jetzt auch bei ihm alles gut und er glücklich wird. Doch was das genau für ihn bedeutet, kann er nicht sagen. "Glück ... Ich weiß nicht ... So, wie es vor 'Bauer sucht Frau' war vielleicht. Da war ich ja eigentlich glücklich."