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15. Juni 2010, 14:43 Uhr

Auf der Bühne manchmal schrullig, aber immer warmherzig

Heidi Kabel ist tot. Die Bühnenlegende und Hamburgs berühmteste "Deern" ist im Alter von 95 Jahren gestorben.

Heidi Kabel war die letzte große Volksschauspielerin auf deutschen Bühnen. Mit ihrer Schnute und der smarten, sturköpfigen Art hat sie Theater- und Fernsehgeschichte geschrieben. Eigentlich wollte sie Konzertpianistin werden, doch 1932 wurde bei einem Vorsprechen an der Niederdeutschen Bühne Hamburg (dem späteren Ohnsorg-Theater) ihr Schauspieltalent entdeckt. Bis 1998 blieb Kabel dem Ohnsorg-Theater treu, wo in plattdeutscher Sprache gespielt wird. Zu ihren bekanntesten Filmrollen gehört "Klein Erna" (1969).

1937 heiratete Heidi Kabel den Theatermann Hans Mahler, der Ende der 40er Jahre Leiter des Ohnsorg-Theaters wurde. Drei Kinder gingen aus der Ehe hervor, die 1970 mit Mahlers Tod endete. Tochter Heidi Mahler steht heute auch auf der Ohnsorg-Bühne. Angeblich hat ihre Mutter kaum eine Premiere verpasst.

Seit Mitte der 50er Jahre wurden die Ohnsorg-Aufführungen auch im Fernsehen übertragen, und Kabel wurde deutschlandweit bekannt. Ihre manchmal schrulligen, aber immer warmherzigen Frauenfiguren haben Standards geschaffen. Ihre Fangemeinde war riesig, auch unter denen, die kein Plattdeutsch verstehen. Sie war insgesamt in mehr als 250 plattdeutschen Theaterstücken zu sehen.

"Mit ihren Rollen steht Heidi Kabel für beste volkstümliche Unterhaltung. Sie ist untrennbar mit Norddeutschland und dem NDR verbunden. Heidi Kabel hat dem Norden bundesweit viele Sympathien beschert. Wie kaum eine andere hat sie Authentizität, norddeutschen Humor und intelligente Komik verkörpert", gedenkt NDR-Intendant Lutz Marmor der Schauspielerin.

Und sie hat sich auch als Sängerin versucht. Sie hat einige Schallplatten mit Hamburger Liedern aufgenommen mit Titeln wie "In Hamburg sagt man Tschüss" oder "Der Junge von St. Pauli". Einen ihr angetragenen Bundesverdienstorden lehnte sie entsprechend hanseatischer Tradition ab

Ihren letzten Filmauftritt gab Kabel 2007 in "Hände weg von Mississippi". Da war sie 92. Sie hat in ihrer 75 Jahre umfassenden Schauspielkarriere in mehr als 90 Filmen mitgespielt

2004 wurde Heidi Kabel mit dem Bambi fürs Lebenswerk geehrt. Der ebenfalls des Plattdeutschen mächtige Schauspielkollege Jan Fedder hielt die Laudatio. Moderator Johannes B. Kerner überreichte den Preis

Heidi Kabel verbrachte ihre letzten Jahre in einem Altenstift. "Sie ist heute Morgen um sechs Uhr friedlich eingeschlafen", teilte der Intendant des Ohnsorg-Theaters, Christian Seeler, am Dienstag mit. Heidi Kabel wurde 95 Jahre alt

 
 
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