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Klägliches Ende eines großen Irrtums

Thomas Gottschalk und das Erste - das hat von Anfang an nicht gepasst. Die ARD-Oberen hatten gehofft, der große Name allein werde schon den Erfolg bringen. Ein Irrtum. Jetzt hat es ein Ende.

Von Katharina Miklis

Bis jetzt war alles nur Warm-up. Mit diesen Worten redete Thomas Gottschalk Anfang des Jahres seine bisherige TV-Karriere klein. Late Night, "Wetten, dass..?" - das alles sei nur ein Vorspiel gewesen, für sein großes TV-Experiment in der ARD: "Gottschalk Live". Wie sich herausstellte, folgte auf das Warm-up doch nur ein lauwarmes Vorabendformat, ein verheizter Moderator und nun also das schnelle Aus seiner Show.

Die ARD setzt "Gottschalk Live" ab. Keine drei Wochen nachdem auch bei Harald Schmidt der Stecker gezogen wurde, scheitert nun also ein weiterer großer Entertainer - der letzte dieser Art - an den Quotenerwartungen seines Arbeitgebers. Der Unantastbare ist verletzbar geworden: Am 7. Juni ist Schluss mit der Vorabendsendung in der ARD.

Die ARD hat es sich zu leicht gemacht

Es wurden viele Fehler gemacht. Der erste bereits lange bevor Thomas Gottschalk überhaupt in der ARD auf Sendung ging. Man hatte geglaubt, ein Mann allein könne dieses Format zum Erfolg führen. Er, der Dino des Entertainments, der Quotengott. Er wird es schon packen, die Todeszone Vorabend zu beleben. Die ARD hatte es sich zu leicht gemacht: Die Show wurde zur Nebensache. Erst als alles zu spät war, wurde gefeilt. Am Konzept, am Studio. Ein Redaktionsleiter wurde eingestellt, ein Publikum ins Studio geholt, die Live-Ausstrahlung eingestellt. Doch da war schon klar, dass "Gottschalk Live" diesen Sommer nicht wird überleben können.

Der Programmplatz ist nur einer von vielen Problemen, an denen das Prinzip Gottschalk scheiterte: Thomas Gottschalk ist kein Mann für den Vorabend. Er gehört in die Primetime, oder in den späten Abend. Vor der Tagesschau zappelt er zwischen Werbeblock und Wetterbericht in der Todeszone. Klatsch und Tratsch und harmloses Geplänkel bestimmen das Format. Auch drei Monate nach dem Start wird nicht klar, was "Gottschalk Live" eigentlich sein will. Talkshow? Boulevardmagazin? Late Night am frühen Abend?

Eine Marke zur Maus geschrumpft

Vor allem aber der katastrophale Umgang des Senders mit dem Krisenformat dürfte als Lehrstück in die TV-Geschichte eingehen, wie man es nicht machen sollte. Erst schickte man Gottschalk ohne genügend durchdachtes Konzept in den Ring, dann befeuerte man seinen Kampf um die Quote vom Rand aus immer wieder mit stimmungsmachenden Wortmeldungen. Mal erhöhten die Intendanten den Druck, dann ruderten sie wieder zurück. Das Quotendilemma wurde zur Posse. Nicht zuletzt, als die ARD ihrem Problem-Moderatoren vor ein paar Wochen die Kinder-Quizshow "Frag doch mal die Maus" anbot, wurde die Hilflosigkeit, aber auch die Taktlosigkeit des Senders deutlich, der mit Gottschalk einen der besten Moderatoren des deutschen Fernsehens im Programm hat, jedoch nicht mit ihm umzugehen weiß. Die ARD hatte eine Marke zur Maus geschrumpft. Auch Redaktionsleiter Markus Peichel, der viel zu spät als Retter an Bord geholt wurde, verzweifelte an den Methoden der ARD.

Der einzige, der professionell seinen Job machte, schien am Ende Thomas Gottschalk zu sein. Aber es war klar, dass er allein es nicht würde richten können. Nicht mit diesem Sender, nicht auf diesem Sendeplatz. "Über das Schicksal eines Fernsehmoderators entscheidet das Publikum", kommentierte Gottschalk am Mittwoch seine Absetzung. In seinem Fall hatte jedoch auch der Sender das Schicksal in der Hand.

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