Eine Komödiantin in ungewohnter Rolle: In der ZDF-Castingshow "Ich kann Kanzler!" sucht Anke Engelke zusammen mit Günther Jauch und Henning Scherf nach Nachwuchspolitikern. Im Interview mit stern.de spricht sie über eigene Polit-Qualitäten, Late-Night-Pläne und erzählt, warum sie nicht zum "Schnarchladen" ZDF wechseln will.

Misstraut Obama, findet Gysi dufte: Anke Engelke sucht für das ZDF einen Nachwuchspolitiker© Ralf Jürgens/Getty Images
Ich? Auf keinen Fall. Ich könnte mich niemals da hinstellen und für meine Ideen angreifen lassen. Ich bin auch viel zu wenig in der Lage, andere von meiner Sache zu überzeugen. Im Zweifelsfall finde ich es auch immer total super, was andere machen. Außerdem - das habe ich gemerkt als meine Show "Anke Late Night" abgesetzt wurde - nehme ich es mir viel zu sehr zu Herzen, wenn jemand meinetwegen seinen Job verliert. Deswegen dürfte ich niemals in die Politik.
Sympathien allein reichen da nicht. Es reicht auch nicht, dass man gebildet, geistreich und eloquent ist. Günther hat da den Vertrauens-Bonus. Das ist natürlich alles klasse. Am Ende zählen aber die Inhalte. Also schreiben Sie jetzt bitte nicht: Anke Engelke will Jauch als neuen Kanzler!
Interessiert schon, aber ich habe mich niemals irgendwo festgekettet oder so. Ich war besser im Unterschriften sammeln und geben. Ich bin Jahrgang 65, "Stoppt Strauß"-Buttons waren an unserer Schule ein großes Thema. Für alles andere war ich zu feige. Lichterketten fand ich super. Vor mehr hatte ich zu viel Bammel.
Also viele, die ich bei dem Casting kennengelernt habe, waren richtige Politik-Junkies. Zwei davon wird man definitiv innerhalb der nächsten fünf bis zehn Jahre bundesweit auf Wahlplakaten sehen. Die wollen das Land retten. Aber der Großteil der Jugendlichen blickt doch gar nicht mehr so richtig durch, was in der Politik abgeht. Bei politischen Diskussionen muss es darum gehen, dass hinterher alle mehr verstehen, als vorher. Das habe ich jedoch nur selten erlebt. Kein Wunder, dass viele Leute kein Bock mehr auf Politik haben.
Im Moment spüre ich davon nichts. Für mich ist das mehr ein Pop-Phänomen. Und dem misstraue ich gerade. Mir fehlt da noch das Fundament.
Nein. In der Politik gibt es da keine Unterschiede. Da ist man dann vom Geschlecht Politiker. Natürlich war die Aufmerksamkeit erstmal eine ganz andere, als Frau Merkel an die Macht kam. Das ist aber immer so, wenn etwas Unvorhersehbares passiert. Ob Mann, Frau oder ein Elefant regiert - das ist letztlich egal: Die Reden von Politikern sind auf dem Papier geschlechtsfrei.
Ich würde alles viel durchsichtiger machen. Wofür kriegen die Politiker ihr Geld, wie lange kriegen die das, kriegen die das auch wenn sie nicht mehr arbeiten? Wie sieht deren Arbeitstag aus? Das muss erstmal für den Bürger klar sein. Klarheit wünsche ich mir, nicht nur in der Wirtschaft, vor allem auch in der Politik. Das Thema Lobby muss besprochen werden. Warum werden Entscheidungen gefällt? Wer entscheidet etwas, weil er daraus einen persönlichen Nutzen zieht? Nehmen Sie den Fall Opel: Das schnallt doch kein Mensch, was da gerade abgeht.
Kein bisschen. Ihm geht es nicht um die eigene Pointe. "Ich kann Kanzler!" und "Deutschland sucht den Superstar" sind nicht vergleichbar. Auch ich habe kein Hackebeil dabei und will niemanden verletzen. Bei "DSDS" habe ich nichts verloren. Nichts gegen Castingshows. Ich gehe dahin, wo es Sinn macht.
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