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18. Juni 2009, 08:44 Uhr

Ohne Hackebeil zum Schnarchsender

Eine Komödiantin in ungewohnter Rolle: In der ZDF-Castingshow "Ich kann Kanzler!" sucht Anke Engelke zusammen mit Günther Jauch und Henning Scherf nach Nachwuchspolitikern. Im Interview mit stern.de spricht sie über eigene Polit-Qualitäten, Late-Night-Pläne und erzählt, warum sie nicht zum "Schnarchladen" ZDF wechseln will.

Anke Engelke,

Misstraut Obama, findet Gysi dufte: Anke Engelke sucht für das ZDF einen Nachwuchspolitiker© Ralf Jürgens/Getty Images

Frau Engelke, für das ZDF gehen Sie auf "Kanzler-Suche". Was meinen Sie, können Sie Kanzler?

Ich? Auf keinen Fall. Ich könnte mich niemals da hinstellen und für meine Ideen angreifen lassen. Ich bin auch viel zu wenig in der Lage, andere von meiner Sache zu überzeugen. Im Zweifelsfall finde ich es auch immer total super, was andere machen. Außerdem - das habe ich gemerkt als meine Show "Anke Late Night" abgesetzt wurde - nehme ich es mir viel zu sehr zu Herzen, wenn jemand meinetwegen seinen Job verliert. Deswegen dürfte ich niemals in die Politik.

Wäre Günther Jauch, der mit Ihnen in der Jury sitzt, ein guter Kanzler?

Sympathien allein reichen da nicht. Es reicht auch nicht, dass man gebildet, geistreich und eloquent ist. Günther hat da den Vertrauens-Bonus. Das ist natürlich alles klasse. Am Ende zählen aber die Inhalte. Also schreiben Sie jetzt bitte nicht: Anke Engelke will Jauch als neuen Kanzler!

Das ZDF will mit der Sendung "Ich kann Kanzler!" vor allem junge Menschen für die Politik begeistern. Waren Sie als Teenager politikinteressiert?

Interessiert schon, aber ich habe mich niemals irgendwo festgekettet oder so. Ich war besser im Unterschriften sammeln und geben. Ich bin Jahrgang 65, "Stoppt Strauß"-Buttons waren an unserer Schule ein großes Thema. Für alles andere war ich zu feige. Lichterketten fand ich super. Vor mehr hatte ich zu viel Bammel.

Herrscht heute eine Politikverdrossenheit bei den deutschen Jugendlichen?

Also viele, die ich bei dem Casting kennengelernt habe, waren richtige Politik-Junkies. Zwei davon wird man definitiv innerhalb der nächsten fünf bis zehn Jahre bundesweit auf Wahlplakaten sehen. Die wollen das Land retten. Aber der Großteil der Jugendlichen blickt doch gar nicht mehr so richtig durch, was in der Politik abgeht. Bei politischen Diskussionen muss es darum gehen, dass hinterher alle mehr verstehen, als vorher. Das habe ich jedoch nur selten erlebt. Kein Wunder, dass viele Leute kein Bock mehr auf Politik haben.

Hat die Obamamania das Interesse an der Politik in Deutschland verändert?

Im Moment spüre ich davon nichts. Für mich ist das mehr ein Pop-Phänomen. Und dem misstraue ich gerade. Mir fehlt da noch das Fundament.

Sie bezeichnen sich selbst als moderne Feministin - regieren Frauen eigentlich anders als Männer?

Nein. In der Politik gibt es da keine Unterschiede. Da ist man dann vom Geschlecht Politiker. Natürlich war die Aufmerksamkeit erstmal eine ganz andere, als Frau Merkel an die Macht kam. Das ist aber immer so, wenn etwas Unvorhersehbares passiert. Ob Mann, Frau oder ein Elefant regiert - das ist letztlich egal: Die Reden von Politikern sind auf dem Papier geschlechtsfrei.

Was würde die Kanzlerin Engelke als erste Amtshandlung ändern wollen?

Ich würde alles viel durchsichtiger machen. Wofür kriegen die Politiker ihr Geld, wie lange kriegen die das, kriegen die das auch wenn sie nicht mehr arbeiten? Wie sieht deren Arbeitstag aus? Das muss erstmal für den Bürger klar sein. Klarheit wünsche ich mir, nicht nur in der Wirtschaft, vor allem auch in der Politik. Das Thema Lobby muss besprochen werden. Warum werden Entscheidungen gefällt? Wer entscheidet etwas, weil er daraus einen persönlichen Nutzen zieht? Nehmen Sie den Fall Opel: Das schnallt doch kein Mensch, was da gerade abgeht.

Es ist nicht das erste Mal, dass das ZDF wie die Privaten auf Castingshows setzt. Wie viel Dieter Bohlen steckt in Henning Scherf?

Kein bisschen. Ihm geht es nicht um die eigene Pointe. "Ich kann Kanzler!" und "Deutschland sucht den Superstar" sind nicht vergleichbar. Auch ich habe kein Hackebeil dabei und will niemanden verletzen. Bei "DSDS" habe ich nichts verloren. Nichts gegen Castingshows. Ich gehe dahin, wo es Sinn macht.

Lesen Sie auf Seite 2 welchem Politiker Anke Engelke Entertainerqualitäten zuschreibt und warum sie das ZDF für einen "Schnarchsender" hält

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KOMMENTARE (9 von 9)
 
jomimo (19.06.2009, 20:30 Uhr)
@hellwachabsolut
Schließe mich Ihnen voll an.
Haben Sie eine Idee, wie wir den verlogenen, betrügenden ÖR an den Hals gehen können?
butcher99 (19.06.2009, 14:51 Uhr)
schade Anke
Danke Anke, ein Spruch der für Komedy erster Güte steht. Leider gibt es immer wieder Stars, die nicht realisieren, wenn der Horizont der Karriere erreicht, schlimmer noch bereits überschritten ist.
Leiser gehört Anke dazu.
Der Knochen ist abgeluscht.
raptor-xl (18.06.2009, 14:54 Uhr)
was treibt...
...einen ehemaligen konservativen modreator, eine nicht mehr lustige ulknudel und ein vergreisten, senilen altpolitiker aus der falten-wg vor die röhre und uns dazu, dieses auszuschalten? das geld??? nun, beim jauch dachte ich, er hätte es nicht nötig und der henning -bei den pensionsbezügen- auch nicht. es ist wohl eher ein friedhof der eitelkeiten, wo nun für zehn minuten sendezeit auch der letzte respekt begraben wird und nur eine nicht mehr ganz junge frau auf den karrierestep hofft. wohl aber vergebens...
tri.star (18.06.2009, 11:59 Uhr)
eine nette Idee mit hohem Satirewert
anscheinend merkt es hier keiner, aber diese Sendund ist doch eine schallende Ohrfeige für Frau Merkel. Nie zuvor wäre jemand auf die Idee gekommen, so etwas zu inszenieren - nicht mal bei Kohl und schon gar nicht im CDU-Sender ZDF.
Wer aber seit ein paar Monaten aufmerksam den "Schnarchsender" verfolgt hat, der konnte bereits viele Seitenhiebe auf die unfähige Kanzlerin bemerkeln. Ein Mensch, egal ob Mann oder Frau, der nur das Ziel hat wiedergewählt zu werden, der hat auf diesem hohen Posten einfach nichts verloren. Mit der Sendung "Ich kann Kanzler" wird das deutlich gezeigt werden, denn das inhaltslose daherreden können sicher auch viele nicht-Politiker in Deutschland. Die Ausschnitte die ich gesehen habe waren deutlich.
Ja, ich glaube fest daran, das Herr Jauch der bessere Kanzler wäre. Man darf nicht vergessen, das Politiker ihre öffentlichen Reden nicht selbst schreiben und in TV-Diskussionen die Fragen oft vorher eingereicht werden müssen. Auch Frau Engelke hätte also dank Ghostwritern eine Kanzlerinnenchance. Besser würde mir persönlich aber Barbara Schöneberger in dem Amt gefallen, die ist für mich ein Vollblutweib, das meine ich überaus positiv!
Neugieriger12 (18.06.2009, 11:46 Uhr)
Da mach ich mir nicht mal die Mühe...
...die zu ignorieren.
AttaTroll (18.06.2009, 11:25 Uhr)
Scherf
Ich habe die Sendung nicht gesehen, weil ich mir keine Casting-Shows anschaue. Aber ich bin - gelinde gesagt - entsetzt, dass sich Henning Scherf offensichtlich für so einen Mumpitz hergibt. Den hielt ich bisher immer für einen der integeren Politiker. Meine Güte! Die SPD muß es wirklich sehr nötig haben, wenigstens irgendwo ein wenig Quote zu machen...
butcher99 (18.06.2009, 11:24 Uhr)
neues Format
für diese Casting Show gibt es endloses Potential:
DSDSD: Deutschland sucht den super Dünnbrettbohrer
Castigpotential, Jurypotential, Zuschauerpotential
Herr schmeiss Hirn
Gallagher (18.06.2009, 11:16 Uhr)
Unterschichtenfernsehen...
...oder wie?
Jauch und Co. sind sich aber auch für nichts zu blöde. - Unglaublich!
hellwachabsolut (18.06.2009, 11:14 Uhr)
tolle Trend.
Die Volksverdummung geht weiter.
Die GEZ-gebühren kann man auch ins Klo schmeißen, anstelle die an ZDF oder ARD zu überweisen.
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