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Engelke: "Ich krieg immer ordentlich auf die Mütze"

14. Februar 2013, 16:27 Uhr

Stefan Raab ist weg, dafür Anke Engelke da: Sie wird am Abend den Vorentscheid zum Eurovision Song Contest präsentieren. stern.de verrät sie, warum sie Moderationen hasst und es jetzt doch tut.

Eurovision Song Contest, Vorentscheid, Hannover, Anke Engelke

Sie moderiert den deutschen Vorentscheid zum Eurovision Song Contest: Anke Engelke©

Es ist das Jahr drei nach Lenas Sieg in Oslo: Am Abend findet in Hannover der deutsche Vorentscheid zum Eurovision Song Contest in Malmö statt. Nachdem die Quoten von "Unser Star für Baku" im vergangenen Jahr enttäuschend waren, wird der Wettbewerb erstmals seit 2010 wieder ohne Beteiligung von ProSieben ausgetragen. Die ARD will beweisen, dass sie es auch ohne Stefan Raab schafft, Deutschland für den Grand Prix zu begeistern. Die Idee einer Castingshow wurde begraben, stattdessen machen - fast wie in früheren Zeiten - zwölf fast unbekannte Bands den Wettbewerb unter sich aus. Für den Erfolg der Show könnte vor allem eine sorgen: Anke Engelke. Sie wird den Wettbewerb moderieren.

Frau Engelke, stimmt es, dass Sie es hassen, Fernsehshows zu moderieren?
Habe ich das gesagt?

Ja.
Ich meinte damit, dass ich mich nicht als klassischen Fernsehshow-Moderator sehe. Der muss freundlich sein, wenn ich es vielleicht nicht sein möchte oder kritisch sein, wo ich es nicht sein möchte. Ich verbiege mich nur ungern auf der Bühne, sondern will da Spaß haben und den Moment genießen.

Gerade das scheint bei den Zuschauern anzukommen. Ihre letzten Moderationen fanden alle super.
Das nehme ich nicht so wahr. Ich krieg auch immer ordentlich auf die Mütze. Das finde ich auch gut. Ich freue mich, wenn es den Leuten gefällt. Aber es wäre entsetzlich, wenn man es so machte, dass alle begeistert sind. Dann macht man was falsch.

Warum haben Sie sich den deutschen Vorentscheid zum Eurovision Song Contest (ESC) ausgesucht, um doch als Moderatorin auf der Bühne zu stehen?
Ausgesucht habe ich mir das nicht. Das ist technisch falsch. Ich habe ja nicht gesagt, ich will die Ziehung der Lottozahlen moderieren oder den ESC-Vorentscheid oder "Tatort"-Kommissarin werden. Ich bin gefragt worden, und dann musste ich mir überlegen: Mache ich es oder mache ich es nicht.

Was hat Sie überzeugt?
Mich reizt, dass es eine Live-Show ist. Sonst hätte ich es nicht gemacht. Es ist raus und dann ist es weg. Ich kann es nicht zurückholen und muss mir vorher überlegen, was ich da mache. Das finde ich spannend. Das macht mir Lust zu moderieren. Außerdem bin ich selbst ein Freund des Wettbewerbs. Oder besser gesagt: Ich bin ein Fan der Idee. Ich mag Musik und ich mag es, wenn Leute live singen. Insofern ist die Eurovision die logische Schnittmenge. Und ich schaffe den Eurovisions-Hattrick: als Moderator der Show 2011, Jury-Mitglied im vergangenen Jahr und jetzt mit dem Vorentscheid.

Im vergangenen Jahr war der Vorentscheid eine ziemlich langweilige Angelegenheit mit mäßigen Einschaltquoten. Was wird dieses Jahr besser?
Ich glaube nicht, dass man es vergleichen kann. Zuletzt war es eine Castingshow mit viel Voting-Alarm. Ich finde es richtig, diesen Weg jetzt zu verlassen und zu sagen: Wir ziehen nochmal 100 Euro, damit wir Loreen und Lena bezahlen können und dann geht's zurück auf Start. In zwei Stunden küren wir aus zwölf Songs und zwölf Acts unser Lied und unseren Teilnehmer für Malmö. Es geht nicht um das Drumherum, schon gar nicht um mich, sondern darum, wie wir uns beim ESC präsentieren wollen. Das finde ich wunderbar klar.

Also keine Anke-Engelke-Show.
Nein, die Teilnehmer sollen im Mittelpunkt stehen.

Nicht mal ein paar Anke-Ideen, die in die Show eingeflossen sind?
Nein, Null. Wenn die Ideen haben wollen, rufen die jemand anderes an. Ohne Witz, ich bin so schlecht in so was und froh, dass es Autoren gibt, die sich das ausdenken. Ich bin dann gut darin, das umzusetzen.

Haben Sie sich die Songs, die am Abend präsentiert werden, schon angehört?
Die höre ich seit Wochen. Wenn einer ausfällt, könnte ich zur Not auf die Bühne springen und aushelfen. Textsicher bin ich zwar nicht, aber ich interessiere mich sehr für die Künstler und deren Songs. Die Mischung ist sehr gelungen. Bei ein paar Songs haben sich die Macher gedacht: Was ist ein Eurovisions-Beitrag? Was könnte in Europa ankommen? Wieder andere hatten darauf überhaupt keinen Bock und machen ihr eigenes Ding. Es wird spannend zu sehen sein, was den Zuschauern aus der Bandbreite an Darbietungen am besten gefällt.

Das Teilnehmerfeld besteht aus völlig unbekannten Newcomern und etablierten Künstlern wie Cascada oder Söhne Mannheims. Ist es nicht ungerecht, das zu mischen?
Überhaupt nicht. Das ist genau das, was man den Menschen geben muss: Ihr könnt das entscheiden. Wenn man nur etablierte oder nur neue Künstler vorsetzen würde, das wäre ungerecht. So finde ich das gut gelöst.

"Nackert", "La La La" oder "Lieblingslied" sind Lieder, die auf Deutsch gesungen werden. Hat das beim Eurovision Song Contest überhaupt eine Chance?
Da fragen Sie mal Nicole.

Das ist über 30 Jahre her.
Na und? Wer sagt denn, dass alle Englisch singen müssen? Diese Frage könnten Sie auch stellen. Und auf beide sage ich: Wir sind frei.

Stefan Raab und Lena haben den Grand Prix in Deutschland aus einem tiefen Tal der Misserfolge geführt und eine neue Begeisterung für den Wettbewerb entfacht. Was sagen Sie denen, die den Eurovision Song Contest noch immer - oder schon wieder blöd finden?
Ich kann da nicht mehr tun, als meine eigene Haltung zu haben. Und wenn ich jemanden damit anstecke, finde ich das toll. Ich werde aber nicht die Animationsdame spielen, die marktschreierisch ruft: Ihr müsst das geil finden. Das ist nicht mein Job. Ich kann nur beobachten, dass - egal wie man's macht - es immer wieder Kritik geben wird. Das ist wie bei "Wetten dass ..?": Es ist alles wie immer und irgendwer findet's trotzdem blöd. Dann doch gerne mal ein Wagnis mit einem neuen Konzept. Kleinkochen, neu machen - finde ich mal sehr entspannt.

Haben Sie einen Favoriten für heute Abend?
Ja.

Aber?
Den darf ich nicht verraten.

"Unser Song für Malmö", ARD, 20.15 Uhr

Interview: Jens Maier

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