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Warum das Clubkonzert der bessere ESC-Vorentscheid ist

Dieser ESC-Abend macht Mut: Anders als bei DSDS und Co. standen beim Clubkonzert gute und junge Talente auf der Bühne. Unverbraucht, unkonventionell und neugierig. Wozu also noch einen Vorentscheid?

Von Jens Maier

Die mit dem roten Kleid: Ann Sophie sicherte sich die Wildcard für Hannover.

Die mit dem roten Kleid: Ann Sophie sicherte sich die Wildcard für Hannover.

Mir schlackern die Eier", sagte Ann Sophie nach ihrem Sieg auf der Hamburger Großen Freiheit. Und dazu hat sie allen Grund. Dank Chuzpe, einer Stimme wie Sophie Ellis-Bextor, einem heißen Flirt mit der Kamera und jeder Menge Spaß auf der Bühne ergatterte die 24-Jährige am Donnerstagabend beim ESC-Clubkonzert eine Wildcard für den Vorentscheid in Hannover. Dort tritt sie am 5. März gegen sieben bereits gesetzte Kandidaten an - und hat beste Chancen, das Ticket nach Österreich zu lösen.

Elaiza haben es im vergangenen Jahr vorgemacht. Die No Names aus dem Saarland gewannen erst das Clubkonzert und lehrten dann den Plattenmillionären von Santiano und Unheilig das Fürchten. Die drei Mädels triumphierten als Publikumslieblinge auch beim Vorentscheid und fuhren für Deutschland nach Kopenhagen. Ein Durchmarsch, der sich auch 2015 mit Ann Sophie wiederholen könnte.

"Jump The Gun" erinnert an Gotye

Das liegt nicht so sehr an ihrem Song "Jump The Gun", der als launiger Mainstream-Pop bezeichnet werden kann und zumindest am Anfang stark an "Somebody That I Used To Know" von Gotye erinnert. Auch nicht an Ann Sophies Sex-Appeal oder ihrem roten Kleid mit dem tiefen Rückenausschnitt oder daran, dass die Hamburgerin im besten Sinn als Rampensau bezeichnet werden kann. Nein, wenn sie den Weg nach Wien zum Finale des Eurovision Song Contest schafft, dann vor allem, weil das Clubkonzert der bessere Vorentscheid ist.

Die Idee ist eigentlich gut. Vorab soll in kleinem Rahmen aus zehn Newcomern ein Underdog gekürt werden, der dann in einer großen Show gegen etablierte Künstler antritt. Ein Teil des Publikums fiebert mit dem Underdog mit, viele andere halten als Fan zu ihrem Star. Das verspricht ein spannendes Battle zu werden. Doch anders als in Schweden beim Melodifestivalen funktioniert dieses Konzept in Deutschland leider nicht. Das zeigt der Reigen der Künstler, die in Hannover antreten werden.

Der ESC als Karrierekiller

Noch 2014 konnte der NDR zumindest einige namhafte Sänger an Bord holen. Doch im Jahr eins nach Elaiza und im Jahr zwei nach Cascada geht die Angst um, nicht nur im ESC-Finale zu scheitern, sondern gleich im deutschen Vorentscheid rauszufliegen. Reihenweise sollen dem Sender Künstler abgesagt haben. Ein Mark Forster steht eben nicht in Hannover auf der Bühne, sondern tritt nur als Pausenact beim Clubkonzert auf. Schade.

Der ESC wird hierzulande nach wie vor weniger als Chance, sondern vielmehr als Karriererisiko angesehen. Die Angst zu scheitern ist riesig. Das ist beklagenswert, aber auf keinen Fall dadurch zu ändern, dass die Plattenfirmen bei der Auswahl der Künstler mitmischen. Ganz der Diktion folgend, schicken auch sie nur solche Kandidaten, die keinerlei Schaden bei einer eventuellen Niederlage davontragen könnten. Ganz einfach deshalb, weil sie nichts zu verlieren haben.

Das Clubkonzert macht Mut

Das heißt nicht, dass alles, was in Hannover zu hören sein wird, schlecht ist. Ganz im Gegenteil. Mit der Gruppe Fahreheidt und ihrer Ballade "Frozen Silent" oder Noize Generation mit "A Song for You" sind Songs am Start, mit denen sich Deutschland in Wien nicht zu verstecken brauchte. Auch die Mischung der Künstler ist gut - für jeden Geschmack ist etwas dabei. Aber es stellt sich die Frage, wozu es ein zweistufiges Verfahren braucht, wenn am Ende doch nur No Names unter sich antreten?

Es wäre ehrlicher und glaubwürdiger, den ESC-Vorentscheid als Experimentierfeld, als Talentschuppen für junge Künstler zu begreifen. Denn anders als Castingshows wie "DSDS" oder "The Voice" glauben lassen könnten, gehen Deutschland die jungen Talente nicht aus. Das zeigen die vielen und guten Nachwuchshoffnungen, die im Clubkonzert antraten. Stefan Raab hat 2010 vorgemacht, wohin das am Ende führen kann. Das heißt nicht, dass wir jedes Jahr eine neue Lena finden. Aber das Clubkonzert macht viel Mut, dass wir es zumindest versuchen sollten.

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