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Deutschland, wir sind ein Einwandererland

Die erste Ausgabe von Anne Wills sonntäglicher Talkshow blieb hinter den Erwartungen zurück. Statt ins Gespräch zu kommen, spulten die Talkgäste ihre Programme ab.

Von Andrea Zschocher

Anne Will sprach mir ihren Gästen über Flüchtlingspolitik im Einwanderungsland Deutschland

Anne Will sprach mir ihren Gästen über Flüchtlingspolitik im Einwanderungsland Deutschland

Anne Will ist zurück auf ihrem alten Sendeplatz. Ab sofort heißt es wieder Anne Will statt Günther Jauch. Nach der ersten Sendung aber bleibt die Frage, ob das nun wirklich die bessere Wahl ist. Denn während bei Jauch, auch von mir, oft die Passivität des Moderators gerügt wurde, gilt dieser Vorwurf für Will nicht. Sie ist präsent. Wirklich im Griff hat sie ihre eigene Sendung trotzdem nicht.

Ist die Flüchtlingspolitik schuld an Köln?

Der erste Talk stand unter dem Motto "Nach Köln - Höchste Zeit für eine neue Flüchtlingspolitik?". Dabei ging es aber nur in Teilen wirklich um die Ereignisse in Köln. Die Gäste waren der Chef des Bundeskanzleramtes und Flüchtlingskoordinator der Bundesregierung, Peter Altmaier, der Journalist Stefan Aust, die Politologin Gesine Schwan und der Psychologe und Autor Ahmad Mansour.

Die Redaktion rund um die Sendung setzte offensichtlich voraus, dass die Zuschauer wissen, wer da diskutiert. Denn keiner der Gäste wurde vorgestellt; außer Namen und Berufsbezeichnung gab es keinerlei Einblendungen. Will startete aggressiv in ihren Talk und wollte wissen, ob "Merkels Flüchtlingspolitik zu Köln geführt" hat. "Nein", sagte Journalist Aust, nur, um dann im weiteren Verlauf der Sendung immer weiter zurückzurudern. Also, in weiten Teilen sei sie nicht falsch, die Politik, aber man müsse eben schon überlegen, als Plan B die "Grenzen zu schließen und Menschen zurückzuweisen". Und die Zuwanderer, die schon in Deutschland sind, die müssten vielleicht auch wieder ausgewiesen werden.

nannte es nur leider weder "Abschiebung" noch "Ausweisung" sondern sprach unglücklich formuliert von "Loswerden": "Gucken Sie sich doch mal an, wie schwierig es ist, Leute loszuwerden", ereiferte er sich und zeigte damit, dass er die angedachte Gesetzesverschärfung der Regierung, verurteilte Flüchtlinge auszuweisen, in weiten Teilen für nicht durchführbar hält.

Talkgäste mit Agenda

Wenn Politiker in Talkshows gehen, dann haben sie oft eine Agenda, an der sie festhalten, immerhin geht es um Wählerstimmen und auch das Parteiprogramm. Der CDU-Politiker und Chef des Bundeskanzleramtes Peter Altmaier wurde nicht müde zu betonen, dass die Bundesregierung das Mögliche versuchen würde, um die Sicherheit der Bevölkerung nach zu gewährleisten. Es sollen Gesetzesverschärfungen in Kraft treten, die Integration soll vorangetrieben werden. Wie das aber konkret aussehen wird, dazu äußerte sich Altmaier nur sehr vage. Lieber stritt er mit Stefan Aust um die aktuellen Flüchtlingszahlen oder pflichtete Ahmad Mansour in allen Punkten der Integrationsfrage zu.

Ebenso wie Altmaier hatte auch Mansour ganz klar ein Konzept, das er bei unter die Bevölkerung bringen wollte. Sein Anlegen war die Integration der Zuwanderer, sodass Parallelgesellschaften keine Chance hätten. Er verurteilte Köln aufs Schärfste, kam aber mit Altmaier überein, dass dies auch in Zukunft nicht verhindert werden kann. "Wir können keine Garantie geben, dass es sich nicht wiederholt", sagte Altmaier. Köln sei, so Mansour, "die Spitze des Eisbergs. Es darf sich nicht wiederholen".

"Aber kann es das?", fragte Anne Will spitz zurück. "Natürlich", so der Psychologe. Um das zu verhindern, müssten mehr Menschen in Deutschland den Flüchtlingen das deutsche Wertesystem näher bringen. "Ich vermisse eine Strategie, diese Menschen zu integrieren", sagte Mansour und wurde in der einstündigen nicht müde, dies zu betonen. Eine echte Lösung dafür, wie genau diese Integration aussehen soll, bot er aber auch nicht an. Auf eine Frage von Altmaier nach betrunkenen Muslimen wandte sich Will sofort Mansour zu. "Herr Mansour hat richtig viel Ahnung von Muslimen, weil er selber einer ist." Die Frage konnte er aber nicht erschöpfend beantworten, weil es eben "in Familien ein bestimmten Islamverständnis" geben würde, mit dem die Zuwanderer dann aufwachsen würden.

Dialog zwischen Flüchtlingen und Deutschen

Ohne jeden Plan war Gesine Schwan. Die Politologin weigerte sich, bei Köln von "einem Staatsversagen zu sprechen". Stattdessen wünschte sie den Dialog zwischen Flüchtlingen und der deutschen Bevölkerung. "Es ist eine neue Qualität an Zugehen auf die Flüchtlinge gefordert", meint sie. Problematisch war diese Aussage aber im Zusammenhang mit Köln, denn sie nahm die Opfer der Silvesternacht von dieser Forderung explizit nicht aus. Schwan betonte, dass bereits ein "Einwanderungsland" sei, die Bevölkerung müsse das nur akzeptieren.

Am Ende des ersten Talks stand nur eines fest: Die Beteiligten kamen nicht ins Gespräch, stattdessen wurden Meinungen ausgetauscht, die sich nur selten aufeinander bezogen. Oberflächlich blieb es, und unbefriedigend die Antworten. "Schön", fand Tagesthemen-Moderatorin Carmen Miosga, dass sie und Anne Will sich von nun an sonntags wieder öfter sehen würden. Dann nämlich, wenn eine Liveschalte zwischen beiden Moderatorinnen stattfinden wird. Es wird sich zeigen, wie schön die Zuschauer den sonntäglichen Talk finden werden.

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