3. April 2013, 18:12 Uhr

"Playboy" ohne Nackte - bald "Kicker" ohne Fußball?

Mit Unterstützung von Apple ist der "Playboy" auf eine revolutionäre Idee gekommen: Warum nicht einfach die Nackten weglassen? Das könnte zum Erfolgsmodell für die kriselnde Medienbranche werden. Eine Glosse von Carsten Heidböhmer

Playboy, Apple, iTunes,

Was in Israel inzwischen erlaubt ist, gibt's im Apple-Store noch lange nicht: den "Playboy" mit nackten Models.©

Leser des "Playboy" waren früher nie um eine Ausrede verlegen. Erwischte man einen Bekannten am Kiosk auf frischer Tat oder entdeckte eine Ausgabe des Männermagazins in dessen Wohnzimmer, kam häufig die Erklärung: Ich lese das nur wegen der tollen Interviews. Die Nacktmodels hat man offenbar gnädig in Kauf genommen. Möglicherweise hat es wirklich Menschen gegeben, die deshalb auf den Gedanken kamen, beim "Playboy" handele es sich um ein herausragendes journalistisches Produkt, so etwas wie eine Hochglanz-Ausgabe des "Spiegel".

Diese Zeiten könnten schon sehr bald wieder aufleben. Schuld daran ist der US-Konzern Apple. Seit kurzem ist der "Playboy" im App Store als eMag fürs iPhone erhältlich. Wer das Magazin kaufen will, bekommt jedoch eine entschärfte Version - mit jeder Menge Interviews und Lifestyle-Themen, aber gänzlich ohne Nackedeis. Die berühmten Playmates präsentieren sich hier ganz züchtig, sie tragen Blusen oder Dessous - sind aber immer zugeknöpft. Die Burka-Version des "Playboy", sozusagen.

"Kicker" verzichtet auf Fußball, "Beef" wird vegetarisch

Das ist natürlich eine ganz fantastische Idee! Die ganze Branche zerbricht sich den Kopf darüber, wie man auf die Umwälzungen in der Medienlandschaft richtig reagiert. Die Verkäufe der gedruckten Publikationen gehen zurück, die Erlöse im digitalen Geschäft sind überschaubar, da kommt Apple mit einer ebenso einfachen wie verblüffenden Lösung um die Ecke: Lass einfach deinen zentralen Inhalt weg - und die Zukunft gehört dir.

Sollte sich dieses Rezept etablieren, steht der Medienlandschaft ein atemberaubender Aufschwung bevor: Ohne Fußball schnellt die Auflage des "Kicker" künftig in Millionenhöhe. Die "Bunte" wird ohne Promi-Berichterstattung viel besser laufen. "Dogs" verzichtet auf die Hunde, "Beef" wird vegetarisch, und "Eltern" reüssiert mit Ausgehtipps für kinderlose Singles. Der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt: Die "Bravo" könnte künftig als Seniorenmagazin neu aufgelegt werden. Und das ZDF vielleicht sogar ein Programm senden, das sich auch Menschen unter 60 angucken.

Halt! So weit wird es sicher nicht kommen. Das ZDF wird wohl altbacken bleiben. Aber dass Apple es schafft, den "Playboy" anzuziehen, sollte der Branche Mut machen. Die Meinungs- und Pressefreiheit war nur ein Irrweg der Geschichte - es lebe die US-Prüderie!

Eine Glosse von Carsten Heidböhmer
 
 
MEHR ZUM ARTIKEL
"Playboy"-Gründer Hugh Hefner hatte Sex mit mehr als 1000 Frauen

Der 86-Jährige hat in seinem Leben nichts anbrennen lassen. Zusätzlich zu seinen Ehefrauen will Hugh Hefner mit mehr als 1000 Frauen geschlafen haben.

Max Raabe-Interview im "Playboy" Über Liebe, Mode und Politiker

Max Raabes Musik ist nichts für intime Momente. Kurz davor und danach kann er sie jedoch empfehlen. Im Interview mit dem Männermagazin "Playboy" spricht der Sänger außerdem über Liebe und Mode.

 
Jetzt stern unverbindlich testen

10 x stern + 30% Preisvorteil + kostenloses stern eMagazine + gratis Dankeschön. Jetzt sichern.

 
 
 
 
 
stern - jetzt im Handel
stern (15/2013)
Schampus für alle!