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21. Dezember 2012, 06:05 Uhr

Kann die ARD Humor? Bislang hätte man diese Frage klar verneint. Seit dieser Nacht kommt man ins Grübeln: Das Comedy-Format "Das Ernste" ist noch nicht der große Wurf - enthält aber gute Ansätze. Von Carsten Heidböhmer

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Der Kabarettist Florian Schroeder ist der Anchor-Man der fiktiven Nachrichtensendung "Das Ernste".©

Die ARD und Humor, das ist so eine Sache. Dazu gibt es mindestens zwei Wahrheiten. Die erste: Humor hat in der ARD derzeit kein Zuhause. Das hatte sich zuletzt im Oktober bei der Verleihung des Deutschen Comedypreises gezeigt, wo der größte deutsche Senderverbund für keinen Preis nominiert worden war. Jurypräsident Thomas Hermanns klagte im "Spiegel": "Die ARD pflegt ihren Humor nicht." Es gebe genügend gute Leute im Ersten. "Die sperren sie aber weg ins Spätprogramm", so Hermanns.

Wahr ist allerdings auch: Wenn die ARD einmal einen zaghaften Versuch unternimmt, wird das Vorhaben gnadenlos zerredet. Noch bevor eine Minute gesendet worden ist. Geschehen bei dem neuen Projekt "Das Ernste", das gestern um Mitternacht erstmalig gesendet wurde. Die ARD hatte einen knapp fünfminütigen Werkstattbericht ins Netz gestellt - und gleich fielen mehrere Medien darüber her. Am übelsten ätzte der Branchendienst "Meedia": Das neue Format wirke "wie ein halbgarer Abklatsch von 'Switch reloaded'. Die Gags sind minder lustig, die Masken grauenhaft."

Stellenweise sehr lustig

Wer diese Worte im Ohr hatte, wird beim Ansehen der Sendung eine Überraschung erlebt haben: "Das Ernste" ist tatsächlich ganz passabel, stellenweise sogar sehr lustig. Mit dem fünfminütigen Vorab-Video hat das fertige Comedy-Format nicht allzuviel gemein. Viele der dort gezeigten Szenen tauchen in der Endversion gar nicht auf. Und auch die im Vorfeld immer wieder gebrauchten Parallelen zu "Switch reloaded" und der "heute-show" führen in die irre. Am ehesten ist "Das Ernste" mit dem Comedyformat "Hurra Deutschland" zu vergleichen, das in den 90er Jahren in der ARD gesendet wurde. Auch damals waren die Gags in eine Nachrichtensendung eingebunden - und der Humor eher albern als politisch-hintergründig. Einziger Unterschied: Während es bei "Hurra Deutschland" Puppen waren, werden die Politiker und anderen Promis jetzt von Menschen imitiert.

Und da leistet das Team um Nachrichten-Anchorman Florian Schroeder und "Tagesschau"-Sprecher Jo Brauner bei der im originalen "Tagesthemen"-Studio gedrehten Folge Erstaunliches: Thomas Nicolai, Marti Fischer, Sara Kelly-Husain und Antonia von Romatowski liefern zum Teil sehr gelungene Parodien der deutschen Spitzenpolitiker: Sehr gut getroffen zum Beispiel die zögernde Sprechweise von FDP-Chef Philipp Rösler. Und schließt man die Augen, glaubt man Kanzlerin Angela Merkel vor sich zu haben. Dass in ihrem Fall die Maske nicht ganz gelungen ist - geschenkt. Wer "Switch reloaded" kritiklos abfeiert und kein schlechtes Wort über die Thomas-Gottschalk-Imitation verliert, sollte auch hier die Augen zudrücken.

Mesut Özil mit riesigen Knopfaugen

SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück ist tatsächlich nicht sonderlich getroffen. Und Günther Jauch wirkt hier eher wie eine Kopie der Performance des genialen "Switch"-Imitators Michael Kessler denn wie der echte Moderator. Umso lustiger sind dafür die Parodien auf Bundestrainer Jogi Löw und Nationalspieler Mesut Özil, der - mit riesigen Knopfaugen - nach dem 0:6-Debakel gegen die Falklandinseln sagt: "Isch hab meine Leistung zu 100 Prozent abgegeben". Im Interview zum Thema Armutsgrenze weiß er: "Wenn man nicht an der Armutsgrenze leben möchte, dann darf man da nicht bauen."

Wirklich komisch ist Charlotte Roches Auftritt in Anne Wills Talkshow zum Thema "Generation Alt". Natürlich kennt Roche nur ein Thema: "Sex mit alten Menschen ist doch so total toll, also, das ist überhaupt nicht ekelig oder so. Bei denen klatschen beim Sex ja so die schlaffen Hautlappen aneinander, das ist wie Applaus beim Bumsen."

Insgesamt hakt es noch mit dem politischen Humor - da ist noch viel Luft nach oben. Aber in den Grundzügen ist das Konzept erkennbar. Jetzt sollte die ARD den Mut aufbringen und dem Format im neuen Jahr eine ernsthafte Chance geben. Damit es im nächsten Jahr nicht wieder heißt, die ARD sperre seine Talente ins Nachtprogramm.

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