Warum auch Teenies "Tatort" sehen

15. April 2013, 12:43 Uhr

ARD und ZDF gelten als "Kukident-Sender". Nur der "Tatort" lockt auch Teenies auf die Couch. stern.de-Schülerpraktikantin Patricia Demel über Familientraditionen und gechillte Ermittler.

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Tatort, Quote, Jugendliche

Der "Tatort" am Sonntag ist auch bei vielen Jugendlichen beliebt©

Das ist der Sound meiner Sonntagabende: Die Titelmelodie ertönt, und auf dem Bildschirm schiebt sich das Fadenkreuz über das Auge. Die ganze Familie sitzt - samt unseren fernsehbegeisterten Katzen - im Sofa-Outfit vor der Glotze und wartet gespannt, dass es endlich losgeht. Als kleines Mädchen kam mir die "Tatort"-Titelmelodie immer wie die Verheißung der großen weiten Welt der Erwachsenen vor: finstere Geheimnisse, Leidenschaften, Abgründe.

Ich war stolz, endlich dabei zu sein. Das war das Wichtigste an der Sache. Der Krimi selbst kam mir in Wahrheit gar nicht so toll vor und wenn ich es mir recht überlege, ist es auch dabei geblieben. Mittlerweile weiß ich eigentlich immer schon ein bisschen, was ich von dem "Tatort" zu erwarten habe, je nachdem, welches Team ermittelt. Genau richtig für den Sonntagabend, ich muss mich nicht mehr auf irgendwelche komplizierten Handlungen konzentrieren, sondern kann mich einfach nur bequem ins Sofa lümmeln.

Polarisierend: Tschiller

Interessant sind für mich und meine Freunde die Fälle, die an Schauplätzen passieren, die unserem Alltag bestimmen - wie die Schule, Nachtclubs oder Vereine. Probleme, die mit Ausgrenzung, Eifersucht, Liebesgeschichten oder Misstrauen zu tun haben, kennen wir zum Teil selbst, haben wir miterlebt und wissen, wie sich die betroffenen Personen dabei fühlen.

Die Herangehensweisen der Ermittler sind für mich ausschlaggebend, ob mir der "Tatort" gefällt. Beliebt bei mir und meinen Klassenkameraden sind zum Beispiel Blum und Perlmann (Konstanz), Ballauf und Schenk (Köln) oder Ritter und Stark (Berlin), weil ihre Ermittlungen meistens interessant und überraschend sind. Bei dem neuen Tatortkommissar Tschiller in Hamburg sind wir uns allerdings nicht einig. Die einen sagen, sie schauen nur "Tatort", wenn Til Schweiger mitspielt, die anderen finden, dieser Fall war nur billiger Action-Kram.

Hip: Boerne und Thiel

Am meisten freuen wir uns aber alle auf die beiden Ermittler in Münster, Thiel und Boerne, denn die sind "einfach mega cool und witzig", wie meine Klassenkameraden sagen, und haben mit ihrer chilligen Art bei uns inzwischen echten Kultstatus erreicht.

Was ich sonst noch sehe? Nicht viel. Die "Tagesschau", weil das in unserer Familie auch alle tun. Meine Freunde schauen auch "Germany's next Topmodel", "How I met your mother", halt vieles auf den Privatsendern. Mir kommt die ARD insgesamt auch wie eine TV-Station für Erwachsene vor, hip ist sie nicht. Bis auf den "Tatort".

Patricia Demel, 16, absolviert ihr Schülerpraktikum im stern-Hauptstadtbüro.

Das Durchschnittsalter ... der ARD-Zuschauer beträgt mittlerweile 61 Jahre - bei den dritten Programmen liegt das Alter noch höher. Der Tatort ist eines der wenigen Formate, mit der die ARD auch in der Zielgruppe der 14- bis 49-Jährigen punkten kann, was erstaunlich ist, weil die Krimis weder jung besetzt noch auffällig modern erzählt sind. Den Frankfurt-"Tatort" sahen am Sonntagabend 2,87 Millionen 14- bis 49-Jährige, was einer Quote von 20,6 Prozent entspricht - die Krimireihe holte damit den Tagessieg in dieser Altergruppe.

20,6 %

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