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Vatis Beste will ins Rote Rathaus

Anna Loos will das Rote Rathaus erobern: Die ARD-Serie "Die Stadt und die Macht" erinnert an Politserien wie "Borgen" oder "House of Cards", tappt aber in die Familienfalle.

Die Stadt und die Macht

It's a Family Affair: Susanne Kröhmer (Anna Loos) und ihr Vater Karl-Heinz Kröhmer (Thomas Thieme) im Berliner Abgeordnetenhaus.

Das neue Jahr hat gerade erst begonnen, doch die öffentlich-rechtlichen Sender haben schon ordentlich Fahrt aufgenommen, versuchen schon nach wenigen Tagen sich gegenseitig mit neuen Serien zu übertrumpfen und internationalen Vorbildern nachzueifern.

Das ZDF hatte am 2. Januar vorgelegt und mit "Morgen hör ich auf" eine "Breaking Bad"-Variante an den Start gebracht. Nun legt die ARD nach: Sie sendet an drei Abenden (12.-14. Januar) den Sechsteiler "Die Stadt und die Macht". Neue Wege beschreitet der Sender bei der digitalen Ausstrahlung: Ab Freitag wird die Serie nicht nur 30 Tage lang in der ARD-Mediathek zu sehen sein - sondern bis 2018 auch im Streamingportal Netflix.

Spannender Einblick in die Welt der Politik

Es ist eine eine Miniserie, die an die dänische Reihe "Borgen" denken lässt. In beiden Fällen steht eine normale, sympathische Frau im Mittelpunkt, die ein Spitzenamt in der Politik anstrebt. Im Fall von "Die Stadt und die Macht" ist es die engagierte Anwältin Susanne Kröhmer, gespielt von Anna Loos: Sie ist den Berliner Filz in regierenden Großen Koalition schon lange leid. Als der Spitzenkandidat der Christlich Demokratische Partei (CDP) zurücktreten muss, wirft sie ihren Hut in den Ring und setzt sich als unverbrauchtes Gesicht in der Kampfabstimmung gegen Partei-Urgestein Rüdiger Jankowski (Peter Prager) durch.

Wie sie - unterstützt von dem Politmanager Georg Lassnitz (grandios: Martin Brambach) - in dem nun folgenden Wahlkampf ihre Strategie ausrichtet und Schritt für Schritt Boden gutmacht gegen den beliebten Regierenden Bürgermeister Manfred Degenhardt (Burghart Klaußner), gehört zu den spannendsten Momenten der Serie.

Doch leider gibt es noch eine andere Seite: Kaum ein deutscher Fernsehstoff, in dem sich nicht alles um die Familie drehen muss. Darunter leidet schon "Morgen hör ich auf" im ZDF. Bei "Die Stadt und die Macht" ist der Familienbezug sogar direkt mit dem politischen Geschehen verknüpft. Denn Susanne Kröhmers Vater Karl-Heinz ist als langjähriger Parteichef für den Filz in der CDP und der Berliner Politik mitverantwortlich. Will sie also die Partei modernisieren, wird sie letztendlich auch mit ihrem Vater brechen müssen. 

Vom Schöpfer von "Weissensee"

Gleichzeitig gibt es ein altes Familiengeheimnis und ein lange zurückliegendes Verbrechen, das den Wahlkampf beeinflussen könnte. Daneben durchlebt die Anwältin auch in ihrem eigenen Liebesleben eine Achterbahnfahrt. Insgesamt viel Stoff, der in diese sechs 45-minütigen Folgen gepresst wird.

Für dieses anspruchsvolle Unterfangen konnte die ARD einen herausragenden Filmemacher gewinnen: Buch und Regie stammen von Friedemann Fromm, der mit "Weissensee" eine der besten deutschen Serien der vergangenen Jahre geschaffen hat. Doch gerade der Vergleich der beiden Produktionen zeigt die Schwachpunkte von "Die Stadt und die Macht". Es war die große Stärke von "Weissensee", die perfiden Mechanismen des Stasi-Staats anhand seiner Auswirkungen auf die Familie zu zeigen. Am Beispiel der Familie Kupfer schilderte Fromm, wie sehr sich das System in den zwischenmenschlichen Beziehungen einnistet und dort ihre zerstörerische Wirkung entfaltet. 

Scheitern auf hohem Niveau

Anders verhält es sich mit der jahrzehntelangen politischen Kungelei zweier Volksparteien, die eine Stadt - wie es in Berlin der Fall ist - praktisch als ihr Eigentum betrachten. Lässt sich die lähmende Wirkung des Filzes wirklich darstellen, in dem man eine Familiengeschichte erzählt?

Ein solches Unterfangen muss scheitern. Friedemann Fromm scheitert allerdings auf hohem Niveau - er ist ein zu guter Autor, um zu langweilen. So liefern die sechs Folgen immerhin gute, bisweilen spannende Fernsehunterhaltung. Und das ist auch keine geringe Leistung.


Die ARD sendet von Dienstag bis Donnerstag, 12. bis 14. September. jeweils zwei Episoden der sechsteiligen Serie "Die Stadt und die Macht". Ab Freitag ist die komplette Serie in der ARD-Mediathek und bei Netflix abrufbar.

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