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Der Bulle von Bozen

Das Erste stellt sein neues Jahresprogramm vor. Bei den Krimis klingt das wie ein Katalog für Städtereisen.

Bozen Krimi

Der neue "Capo" bei der Kripo Bozen: Mafiajäger Matteo Zanchetti (Tobias Oertel) 

Neulich auf der Jahrespressekonferenz des Ersten Deutschen Fernsehens. Der Sender stellt neue Krimiserien und Fortsetzungen bekannter Crime-Reihen vor. Stirnrunzeln bei den Journalisten. Da stimmt doch was nicht. Die Reihen heißen "Der Athen-Krimi". "Der Bozen-Krimi", "Der Tel Aviv-Krimi", "Der Urbino-Krimi", "Der Zürich-Krimi", "Der Island-Krimi", "Der Kroatien-Krimi", "Mordkommission Istanbul" und "Der Usedom-Krimi". Man wähnt sich bei der Vorstellung des neuen TUI-Reisekataloges. Was ist das los?

Nun - Krimis sind nach wie vor das beliebteste Genre im Fernsehen. Aber mittlerweile gehen wohl auch den kreativsten Drehbuchautoren die Plots aus. Alles ist in allen Varianten erzählt. Neu können nur offenbar nur noch die Orte des immer gleichen Geschehens sein. Und so setzt das Erste eisenhart auf lokales Branding und wird zur Tourist-Infomation. Genug in Frankfurt oder Hamburg hinter Tätern her gehetzt. Jetzt wird in Bozen, auf Island und Tel Aviv "Stehenbleiben, Polizei" gerufen.

Wo soll das noch hinführen?

Schlecht muss das nicht sein. Wir konnten bisher längst nicht alle der neuen Krimiserien sehen. Womöglich sind echte Knaller darunter. Aber ein wenig einfallslos kommt die touristische Titelflut schon daher. Und wo soll das noch hinführen? In einem Jahr sind auch die neuen Lokalkrimi-Varianten schon wieder durchgenudelt. Kreativer Input ist da gefragt.

Hier einige Vorschläge, welche Serien 2017 auf Sendung gehen könnten: In "Polizei Ouagadougou" könnte Fritz Wepper als reaktivierter Rentner-Bulle mit einem einheimischen Team Burkina Faso aufmischen. Und wie wäre es mit "Mordkommission Mogadischu", "Soko Sansibar" und "Kripo Katar"? Ein wirklich überraschendes Format wäre ja mal "Polizei Pjöngjang". Hannes Jaenicke etwa könnte dort als deutscher Bulle im Auslandseinsatz brillieren. Mit Ki jong un an seiner Seite als lustiger Gerichtsmediziner Kim il Börne. 

"Schupo Schwarzenbeck" 

Aber warum immer in die Ferne schweifen? Provinzkrimis laufen im Buchhandel wie Bolle. Hier könnte das Fernsehen noch nachlegen. "Notruf Norderney", "Polizei Pirmasens" oder "Die Straßen von Sulzbach-Rosenberg" wären denkbare Seriennamen. Verbrechen gibt es schließlich auch in kleinen Gemeinden. Warum nicht im "Hallig Hooge-Krimi" unter 107 Einwohnern an der See zwischen Warften ermitteln? Und kann nicht auch die "Schupo Schwarzenbeck" mit Dealern und Triebtätern fertig werden?

Denkbar wäre es auch, zwei noch relativ neue Trends zu bündeln und den Lokalkrimi mit Witz zu paaren. Der Erfolg der wirklich lustigen Eifel-Serie "Mord mit Aussicht" hat ja gezeigt , dass das funktioniert. Der Witzansatz könnte gleich im Seriennamen rüberkommen. Es gibt in Deutschland und Österreich viele kleine Orte mit unfreiwillig lustigen Namen. Da geht doch was. Hier nur mal schnell vier Vorschläge: "Soko Fucking", "Polizei Pissen", "Kripo Knapsack" oder "Einsatz in Eichelhardt". 

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