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18. Mai 2007, 15:27 Uhr

Viel Palaver um Pilawa

Der ARD-Moderator Jörg Pilawa hat die Zusammenarbeit mit seinem Heimatsender, dem Norddeutschen Rundfunk, beendet und stattdessen bei der ARD-Tochter Degeto unterschrieben - den Zuschauern im Ersten bleibt er erhalten.

Das smarte Gesicht der ARD, mit dem man bei jeder Schwiegermutter punkten kann: Jörg Pilawa wird für seine Zuschauer auch künftig einfach nur richtig gut drauf sein© Thorsten Jander/NDR

Für den Zuschauer ändert sich im ARD-Programm nichts: Jörg Pilawa wird aller Voraussicht auch weiterhin 180 Mal dienstags bis freitags seine 19.20-Uhr-Quizshow moderieren, zwölf Hauptabendshows im Jahr bestreiten und die "NDR Talk Show" präsentieren. Denn in dieser Woche unterzeichnete der 41-Jährige ein neues Vertragswerk mit der ARD, das die Zusammenarbeit bis 2010 sichert. Neuer Vertragspartner Pilawas ist aber nicht mehr der Norddeutsche Rundfunk (NDR) mit seiner Firma NDR Media, sondern die ARD-Tochter Degeto, an der die NDR Media mit 11,11 Prozent beteiligt ist.

Pilawa war im Jahr 2001 vom Privatsender Sat.1 zur ARD gestoßen. Besondere Unterstützung erhielt er damals bei seinem Wechsel vom NDR- Intendanten Jobst Plog. Auch die Vertragsverlängerung im Jahr 2004 ging geräuschfrei über die Bühne. Am 30. April dieses Jahres war die Laufzeit erneut beendet. Doch da war schon längst Sand im Getriebe, denn der Publikumsliebling und der NDR konnten sich nicht auf eine Fortsetzung einigen.

Streit über den Status von Pilawa

Das Vertragswerk lag ganz offenbar längere Zeit in der Rechtsabteilung des Senders. Insider berichten, es sei nicht um Geld und Gage gegangen, sondern um Pilawas Status. Der Sender habe keine Klarheit darüber gewinnen können, ob der Moderator weiterhin als freier Mitarbeiter oder als fester hätte geführt werden sollen. Eine Einstufung als fester Mitarbeiter hätte deutliche Folgen für die Höhe der Sozialabgaben gehabt. Diese Frage habe nicht abschließend geklärt werden können.

Der Moderator soll genervt gewesen sein. Auch Gespräche mit Intendant Plog hätten keine Klärung ergeben. Doch statt mit dem NDR wurde Pilawa mit der ARD-Tochter Degeto einig, die schon den heftig umstrittenen Vertrag mit Harald Schmidt im Jahr 2004 unter Dach und Fach gebracht hatte. "Ich habe mich immer als ARD-Moderator gesehen", sagte Pilawa. "Deswegen ist die Degeto für mich der ideale Vertragspartner, denn 90 Prozent meiner Sendungen werden in der ARD ausgestrahlt."

Rund eine Million Euro Gage

Die Vertragsabwicklung über die Degeto im Fall Schmidt wurde vielfach kritisiert, weil der Vorgang ohne Zustimmung der ARD-Gremien besiegelt wurde. Schmidts Jahresgage betrug rund acht Million Euro, wovon er seinen Produktionsaufwand selber tragen musste. Pilawas Gage (ohne Produktionskosten) wird von Kennern auf rund eine Million Euro pro Jahr beziffert - relativ wenig angesichts der Tatsache, dass der Moderator der ARD am werberelevanten Vorabend durch sein quotenstarkes Quiz hohe Umsätze beschert.

Als redaktionelle Ansprechpartner werden in einem so genannten Side-Letter von Pilawas Vertrag neben NDR-Programmdirektor Volker Herres nun auch die neue Fernsehdirektorin des Westdeutschen Rundfunks (WDR), Verena Kulenkampff, genannt, die erst in diesem Frühjahr vom NDR zum WDR wechselte. Auf Kulenkampff kommen demnächst umfangreiche Aufgaben zu, gerade im Unterhaltungsbereich. Denn da könnte der WDR im ARD-Hauptabendprogramm seine Zulieferung durchaus noch steigern.

Die nächste Show heißt: "Der große Schultest"

Mit Pilawa und neuen Showprojekten würde die Programmmanagerin demnächst beim Sender und auch innerhalb der ARD-Hierarchie Punkte sammeln. Als nächste Neuerung steht "Der große Schultest" mit Pilawa am 21. Juni an, der in der Struktur Günther Jauchs neuer RTL-Show "Setzen, sechs" und dem geplanten Sat.1-Projekt "Are you smarter than a 5th Grader?" ähnelt. Das Prinzip der drei Shows ist nahezu identisch: Erwachsenen und Schülern werden dieselben Fragen gestellt, wobei sich die älteren ziemlich blamieren können.

Wer hat da von wem abgekupfert? Pilawa sagt: "Wir haben unser Format bereits vor vier Jahren beim Titelschutzanzeiger gemeldet."

Carsten Rave/DPA
 
 
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