Bekannt wurde sie als blonde TV-Allzweckwaffe. Im stern-Interview setzt sich Moderatorin Barbara Schöneberger neue Ziele - und entschuldigt sich für ihre Oberweite.

Barbara Schöneberger, die TV-Allzweckwaffe ist ab September im Berliner Pops Orchestra zu bewundern© Volker Hinz
Die Tournee ist ein Experiment. Es gibt ein zweistündiges Programm, wir beginnen mit Songs aus den 20er Jahren und enden in den 90ern, und dazwischen erzähle ich ein bisschen was - Entertainment im klassischen Sinne. Für die Zuhörer ist es ein Risiko, bisher hat man mich nicht oft singen gehört. Die können meinetwegen aber auch aus Gehässigkeit kommen und denken: Na, sonst gucken wir uns die Schöneberger im Fernsehen an, jetzt schauen wir mal, ob sie singen kann.
Die Leute, die ich toll finde und als Vorbild nehmen würde, die machen auch viel. Eine Anke Engelke geht mit ihrer Band auf Tour und singt, die schauspielert, die moderiert, die ist karitativ aktiv. Ich finde, man muss einfach auf sich hören: Was macht Spaß? Und das ist jetzt mein Baby, was ich da präsentiere, ich möchte einfach mal selbst bestimmen, wie ich arbeite und mit wem.
Ich kriege jeden Tag Angebote, irgendwas zu moderieren. Ich sage alles ab, ich möchte nicht mein Gesicht verleihen für "Das große Promi-Tontaubenschießen" oder "Das große Katzenrasieren". Entweder ich kann eine eigene Sendung moderieren, die etwas mit mir zu tun hat, oder ich verzichte darauf. Nein, ich denke über Formate nicht mehr nach. Weil ich die NDR-Talkshow moderieren möchte.

Kopfüber in eine neue Karriere: im Oktober erscheint ihre erste CD, Tourstart ist am 24. September in Hamburg© Volker Hinz
Ja. Das sage ich ganz offen. Aber da sitzt jetzt noch Julia Westlake.
Ich glaube, ich werde ihr einfach die Bremsseile durchschneiden. Ja.
Toll wäre es natürlich, die ganz alleine zu moderieren. Aber der NDR ist leider noch nicht auf mich aufmerksam geworden. Vielleicht muss ich mich da mal so schrödermäßig vor das Tor stellen und daran rütteln und schreien.
Ich will hier rein!
Weil ich mir ein Stück weit auch treu geblieben bin. Ich sehe das als eine Qualität an. Es ist am Anfang relativ einfach, ein Shootingstar zu sein, wenn man etwas Neues macht und frech ist. Aber sobald du bekannt bist, kannst du nicht mehr alles sagen, man nimmt dir plötzlich Sachen übel. Du musst dich im Fernsehen etablieren - und dann auch noch eine Sendung machen, die dich und die Zuschauer glücklich macht.
Es ist eher möglich, von Teilen der "Mir" getroffen zu werden. Klar wäre es toll gewesen, wenn mehr als drei Prozent die "Schöneberger Show" im ZDF geguckt hätten. Man denkt ja, es wird schon nicht so schwer sein, vom siebten Programm ins Zweite rüberzuschalten - ist es aber. Aber, mein Gott, es ist ja nicht so, dass jemandem etwas fehlt, wenn er mich nicht sieht.
Das wird ja auch mit jedem Jahr weniger. Durch mein Kleidungskonzept gehe ich rasant dagegen vor, bin mal schlecht gekleidet und dann wieder gut, tauche aber keinesfalls zuverlässig erotisch auf.
Nein. Ich glaube nicht, dass ich in den letzten Jahren im Fernsehen zu aufgeknöpft zu sehen war.
Ja. Wenn sich wirklich jemand durch meine Oberweite bedrängt gefühlt hat, möchte ich mich dafür entschuldigen, nachträglich.
Interview: Ulrike von Bülow
Übernommen aus ...
Stern
Ausgabe 34/2007