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17. September 2006, 06:03 Uhr

"Vor Dick und Doof habe ich mich gefürchtet"

Das sagt ausgerechnet ein Komiker, einer unserer vielseitigsten. Heute gruselt sich Bastian Pastewka eher, wenn er Comedy im Fernsehen sieht: Das Spaßprogramm ist beliebig geworden und vorhersehbar - denn die Sender wagen keine Experimente.

"Ich kann nicht überall gleich gute Stimmung machen"© Mareike Foecking

Herr Pastewka, Ihr Kollege Hugo Egon Balder sagt: "Jedes Land kriegt die Humoristen, die es verdient." Warum haben wir Sie?

Oh Gott, das ist aber eine ganz, ganz traurige Frage - und das zum Anfang. Ich gehe ja, da bin ich erfrischend egoman, immer von mir aus: Was sehe ich in meinem - zwangsläufig deutschen - Umfeld, was komisch ist oder tragisch? Und das versuche ich gern in Spielform ins Fernsehen zu bringen. Kann das Land was dafür? Nein. Es ist allein meine Schuld.

Sie sind vor zehn Jahren in der "Wochenshow" bei Sat 1 als schwuler Sex-Berater Brisko Schneider ...

... angemalt worden!

... bekannt geworden. Nun spielen Sie sich in Ihrer Reihe "Pastewka" selbst. Sind Sie alberne Verkleidungen heute leid?

Früher habe ich geglaubt, dass sich für Bastian Pastewka niemand interessieren würde - und habe damals meine Eigenschaften in Sketchfiguren gepresst: Naivität in Brisko Schneider, Bräsigkeit in Ottmar Zittlau, einen etwas langsamen Typen aus der "Wochenshow". Und als ich merkte, dass diese Zeit für mich vorbei war, hat mir "Genial daneben" geholfen. Da saß ich plötzlich als Bastian Pastewka und war sämtlicher Verkleidungen, Dialekte beraubt - und habe erkannt: Es geht auch ohne meine Rollen.

"Pastewka" erzählt eher leise aus dem Alltag eines gutmütigen, etwas tollpatschigen Komikers, der in Hundescheiße tritt oder gegen eine automatische Schiebetür rennt. "Dick und Doof" reloaded?

Ich als lebendes Zitat der Stummfilmzeit? Zu viel der Ehre. Auf den Running Gag mit der Tür kamen wir durch Zufall. Wir haben vor einer Postfiliale gedreht, und immer wenn ich zügig reingehen sollte, musste ich bremsen, weil diese Türen einfach zu langsam aufgehen. Und das sah eben lustig aus. Im Übrigen habe ich mich als Kind vor "Dick und Doof" gefürchtet.

Wie geht das denn?

Da gab es die Folge "Zwei Studenten in Oxford", in der ein paar fiese Kommilitonen Stan und Ollie in ein Gartenlabyrinth schicken. Die beiden verlaufen sich hoffnungslos, schließlich wird es dunkel. Während Stan und Ollie auf einer Bank rasten, erscheint hinter der Hecke ein Gespenst, das die zwei ganz böse beobachtet und sich ihnen langsam nähert, dazu Gruselmusik. Ich habe erst Jahre später begriffen, dass dieses Gespenst ein verkleideter Student war, der sich einen Jux machen wollte. Der steckte nur unter einem Laken mit aufgemaltem Mund und schlechtem Hut - aber das Bild hat mich lange verfolgt. Dagegen hat mich "Scream" später gelangweilt.

Darf's ein Stück Käsekuchen sein? Bastian Pastewka, 34, in einem Kölner Café. Vom 8. September an ist er mit neuen Folgen seiner Reihe "Pastewka" bei Sat 1 zu sehen© Mareike Foecking

Zappt man sich heute durch die deutsche Comedy-Landschaft, ist das meiste plump und vorhersehbar. Ständig macht irgendwo irgendjemand Witzchen über seine körperlichen Deformationen - der kleine Bernhard Hoecker, der noch kleinere Kalle Pohl, der Maddin mit seiner riesigen Klappe.

Ich werde meinen Kollegen hier nicht vorwerfen, dass sie häufig im Fernsehen auftreten. Man fragt ja auch nicht: Warum gibt es so viele News-Sendungen, oder warum muss Kabel 1 jetzt auch noch eine Reihe über Killerbakterien machen? Ich würde das weder den Bakterien vorwerfen noch Kabel 1, ehrlich! Das Problem liegt in der Erwartbarkeit der Programmierung: Wetten, dass die nächste komische Sendung auch noch in den Fun-Freitag eingebunden werden muss?

Die Wette gewinnen Sie.

Es gibt zwei Strömungen. Bei den öffentlich-rechtlichen Sendern findet man kaum noch Unterhaltungsformate, die Spaß machen. Eine Perle wie "Dittsche" traut sich das Erste nicht vor 0.20 Uhr zu zeigen. Man bekommt den Eindruck, so was darf dort eigentlich gar nicht stattfinden. Das andere Extrem sind die Comedy-Massenstimulationen des Privatfernsehens: RTL und Sat 1 legen seit Jahren alle Komikformate - unabhängig von ihrer Qualität und ihrem Humor - am Freitag direkt gegeneinander und glauben, sie würden sich damit befruchten. Da läuft "Axel!" gegen "Die Camper" und "Mein Leben & ich" gegen "Ladykracher". Ich kann mir nicht vorstellen, dass sich jemand von 20.15 Uhr bis Mitternacht diese Stücke ansieht, auch wenn die Marktforschung meine Annahme widerlegt. Aber es gibt auch schon Fernsehmacher, die sagen: "Freunde, der erste der beiden Sender, der sich entscheidet, am Freitag keinen Fun mehr zu machen, hat gewonnen." Könnte durchaus sein, dass das den Markt beleben würde.

Übernommen aus ... Stern Stern
Ausgabe 37/2006

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