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15. November 2011, 09:25 Uhr

Noch so'n Spruch - Leistenbruch!

Auf dem Land geht die Liebe durch den Magen. Diese Lektion haben die Frauen inzwischen gelernt und verbringen die meiste Zeit am Herd. Richtig zu funken scheint es aber nur beim Schwulenpärchen Philipp und Veit, während ein "heiterer Ackerbauer" komplett rot sieht. Von Mark Stöhr

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Dinner zu dritt: Silvia hat für Rolf und dessen Mutter gekocht. Wenig später kocht Rolf - vor Wut© RTL

Von solchen Leuten werden also unsere Lebensmittel hergestellt. Von einem wie Thomas, dem "schwäbischen Pfundskerl", der bei gleichbleibender Ernährung (Gyrosauflauf) in spätestens zehn Jahren einen Herzinfarkt oder ein künstliches Kniegelenk bekommt. Von Friedrich, dem "einsamen Niedersachen", der den von seiner Inge "zusammengepampelten" Obstsalat dermaßen verstört in sich hineinschaufelt, als habe sie ihm Regenwürmer mit Pfützenwasser serviert. Oder von Rolf, dem "heiteren Ackerbauern", der seit zehn Jahren seinen Leistenbruch wie einen Dauerständer durch die Gegend trägt. Die Ausbeulung ist bekanntlich nichts anderes als Darminhalt. Wer jetzt noch einen Apfel oder Schweinerücken mit Genuss verzehren kann, sollte schon mal seine Bewerbungsunterlagen für die nächste Staffel "Bauer sucht Frau" vorbereiten.

Ein Bauer, so lehrt uns die Serie, ist eine eher menschenähnliche Gestalt. Seine Intelligenz kann es, wenn alles gut geht, mit einem Traktor aufnehmen. Sexuell wurde er zwischen Stall und Küche sozialisiert. Dort regiert seine Mutter mit eiserner Hand und bereitet ausschließlich Speisen zu, die ihn immer nur noch dicker und doofer machen. Die einzige Aufgabe der Frauen, die von RTL zu diesen Männern gekarrt werden: so zu sein oder auf dem schnellsten Weg zu werden wie die Mütter. Warum lässt der deutsche Bauernverband zu, dass seine Mitglieder als komplette Vollidioten dargestellt werden und kippt dem Kölner Sender nicht zwei Tonnen Mist vor den Eingang?

Konzipiert mit Klischees

Wenn einer der Bauern über ein halbwegs normales Sozialverhalten verfügt, hat er entweder eine Art Tumor als Nase wie Uwe, "der sanfte Schweinebauer" - oder er ist schwul. Philipp hat keinen der Defekte, die das Landleben RTL zufolge offenbar naturgemäß mit sich bringt. Er könnte auch genauso gut zur Fernsehcrew gehören als Kabelträger oder Set-Runner. Nachdem Inka Bause bei der Vorstellung des 28-Jährigen zu Beginn der Staffel den Begriff "homosexuell" vermied, als handle es sich um eine ansteckende Krankheit ("der erste Bauer dieser Art"), läuft sich die Redaktion langsam warm. Sie schickte Philipp und seinen Gast Veit zum Ausreiten, ganz ohne Sattel.

Bauern denken nur ans Essen und Treckerfahren. Und Schwule? Nur ans Pimpern. RTL baut sein Programm seit jeher auf Klischees auf, warum sollte es in diesem Fall eine Ausnahme machen. Und so fährt die Kamera jedes Mal, wenn Philipp und Veit ins Bild kommen, grabschig die Körper ab, während der Schnitt begehrliche Blicke dazu inszeniert. Die Katastrophenprosa aus dem Off kippt von nur schwachsinnig zu schmierig schwachsinnig. Da brauchen "Ross und Reiter eine Abkühlung" in einem Fluss. Da zieht Philipp in Zeitlupe sein T-Shirt aus und Veit glotzt ihn an wie ein Triebtäter nach zwei Jahren Einzelhaft. Da wird ein Zelt aufgebaut und danach allen Ernstes die Frage gestellt: "Ob es wirklich gut steht?" Wahnsinn.

Rolf sieht rot

Rolf, der Mann mit dem Leistenbruch, trug seinen Kotbeutel bis zum Ende der gestrigen Folge in der Hose, voller Überzeugung und nicht ohne Stolz ("Das ist wie bei meinem Trecker, der hat ja auch ein Frontgewicht"). Als seine Silvia an ihm vorbei einen Termin im Krankenhaus vereinbart ("Der Westfälin liegt die Gesundheit ihres Rolfs am Herzen"), verschlechtert sich die Laune des sonst so heiteren Endvierzigers rapide ("Mädchen, so läuft das nicht"). So rapide, dass er sogar die Koalitionsfrage stellt ("Wenn du so weitermachst, kann aus uns kein Paar werden"). Es kommt, wie es kommen musste: Silvia packt ihre Sachen. Zum Abschied drückt sie Rolf noch einen Spruch rein ("Man muss eben viele Frösche küssen, bis man den Prinzen trifft"), was dem aber herzlich egal ist. Er schmiedet lieber Pläne für die Zukunft ("Jetzt sehe ich mich nach einer anderen Mieze um").

Das tun Philipp und sein Zahntechniker auch, während sie vor dem Zelt am Lagerfeuer sitzen und an ihrem Stockbrot knabbern. Ob er denn wieder zu ihm auf den Hof zurückkomme, fragt Philipp. "Aber natürlich", antwortet Veit, er sei einfach nur glücklich. Hier scheint einer seinen Mr. Right gefunden zu haben - und nicht nur ein Ross seinen Reiter.

Von Mark Stöhr
 
 
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