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22. November 2011, 07:05 Uhr

Die Domina vom Lande

Der "schwäbische Pfundskerl", der "fleißige Pferdewirt", der "fröhliche Friese" - bei RTL bekommt jeder Topf einen Deckel, nur: Nicht immer passt er. In der sechsten Folge der Bauern-Soap zog ein Kandidat nun die Notbremse. Seine Auserwählte war ihm einfach zu grob. Von Mark Stöhr

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Bei Friedrich und Inge hängt mal wieder der Haussegen schief© RTL

Ein Konferenzraum bei RTL, Zusammenkunft der Autorenabteilung Alliteration. Die Köpfe rauchen. Es gilt, ein schwieriges Problem zu lösen. Wie könnte das Begriffspaar für eine Frau lauten, die besserwisserisch, biestig und bösartig ist? "Keifender Kotzbrocken"? Zu negativ. "Dämlicher Drache"? Zu negativ und zu plakativ, selbst für die chronisch unterbelichtete Zielgruppe. "Schulmeisterliche Schwiegertochter in spe?" Zu intellektuell, außerdem falsche Sendung. Das Dossier von Inge, der Auserwählten von Bauer Friedrich, geht noch einmal durch alle Hände. Schon bei Friedrich hat die Texter-Task-Force auf ganzer Linie versagt. Der "einsame Niedersache" klingt wie ein leergemolkenes Kuheuter. Ein Schrei und ein "Ich hab's!" weckt die Runde aus ihrem Brainstorming: die "forsche Fränkin". Grummelnde Zustimmung. Nicht gut, aber besser als nichts.

Die Sprachakrobaten von RTL schieben Sonderschichten in diesen Wochen. Der "fröhliche Friese", die "patente Petra", der "sanfte Schweinebauer", der "liebevolle Lausitzer", der "muntere Milchbauer" - und eben die "forsche Fränkin". Das muss man erst mal beides unter einen Hut kriegen: Eine Charakterisierung, die vor Plattheit schmerzt, und eine Formulierung, die nichts anderes als flutscht. Man möchte nicht in der Haut dieser Autoren stecken. In der der Bauern aber noch viel weniger.

Hier ist alles Vollplayback

Was mussten sie wieder für ein Laientheater aufführen: Den Lieblingstraktor mit dem Namensschild der Angebeteten verschönern. Ein Leintuch mit aufgemaltem Herzen in die Scheune spannen. Ihr einen sauhässlichen Scherenschnitt ins Gästezimmer hängen. Bei der Begrüßung am Bahnhof die beknackte Frage stellen, ob sie denn allein gekommen sei ("Wen hätte ich denn mitbringen sollen?"). Oder mit drei Hunden und einem Mini-Schwein einen Ausflug machen, keinen Proviant mitnehmen ("Dem Zahntechniker knurrt der Magen") und nach der Rückkehr eine oberalberne Kochshow hinlegen ("Guck mal, da ist Gehacktes!"). Bei "Bauer sucht Frau" ist alles Vollplayback, selbst wenn echte Gefühle im Spiel sind.

Darunter scheint am meisten Uwe zu leiden, der Mann mit dem Meteoriteneinschlag als Nase. Ihm versagt vor der Kamera pausenlos die Stimme. Bedeutsame Dinge will er seiner Iris mitteilen, über sich und seine Familie, und ihr seine tiefen Empfindungen zeigen. Er führte sie zu einem Ort, an dem sich seine Großeltern kennengelernt haben, einem "magischen Ort" (Uwe). Und dann sitzt er da mit der "Versicherungsangestellten aus Bayern", die wirklich nett ist, um ihn rum die Meute von RTL, Inka Bause, die säuselnde Sächsin, wahrscheinlich in vorderster Reihe - und kriegt keinen geraden Satz raus. Uwe ist das Gegenteil einer Rampensau und erhält deutlich weniger Sendeminuten als die anderen Bauern. Er kann von Glück reden.

"Man kann Männer nicht schlecht genug behandeln"

Ganz im Scheinwerfer diesmal: die "forsche Fränkin". Sie kann nach dieser Folge - ihrer letzten - schon mal die nächsten 20 Singlejahre einplanen. Wie eine Domina stampfte sie durch den Hof und verteilte Peitschenhiebe. Ihr Sinnspruch: "Man kann Männer nicht schlecht genug behandeln. Nur so fressen sie einem aus der Hand." Es soll Typen geben, die auf so etwas stehen. Bauer Friedrich, dieser wahnsinnig spröde und schweigsame norddeutsche Landknochen, nicht.

Er fand Inges "aggressives Verhalten" wenig zielführend, was eine gemeinsame Zukunft anging, und raffte sich ganz gegen seine Art zu einer klaren Ansage auf. Inges Reaktion warf einige Fragen auf. Zunächst sagte sie, dass sie es nicht leide könne, wenn ihr jemand "in die Frequenz" komme. Hatte Friedrich etwa ihren Empfang gestört, von Stimmen am Ende, die nur sie hört? Dann warf sie dem Bauern vor, dass er unfähig gewesen sei, sich mit einer "jungen, modernen Frau" zu arrangieren. Inge ist 57.

Am Bahnhof kam es zu einer denkwürdigen Abschiedsszene. Friedrich: "Ist nicht so optimal gelaufen." - Inge: "Ist gar nicht gelaufen." - Friedrich: "Wir sind vielleicht grundverschieden." - Bause aus dem Off: "Liebe kann man nicht erzeugen. Der Bauer und die Büroangestellte leben einfach in verschiedenen Welten." Da hatte wenigstens die Autorenabteilung Märchenprosa ganze Arbeit geleistet.

Von Mark Stöhr
 
 
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