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Die katholische Kirche hat in Lateinamerika einen schweren Stand: Ob in Ecuador, Paraguay oder Venezuela - die bislang mächtige Kirche verliert zunehmend an Einfluss. Denn die meist sozialistischen Regierungen fangen mit dem erzkonservativen Gedankengut nichts an. Im Gegenteil.
Der Brasilianer, wichtigster Vertreter der Befreiungstheologie, wurde 1985 vom Vatikan mit einem Redeverbot gemaßregelt. Sein großer Widersacher damals: Kardinal Ratzinger.
Umweltschutz, medizinische Hilfe, Menschenrechte: In Stockholm wurden die Preisträger des Alternativen Nobelpreises vorgestellt. Sie hätten gezeigt, das "wahrer Wandel von unten beginnt", so die Begründung der Jury.
Vor knapp vier Jahren waren wir Papst - und stolz. Heute sind wir ernüchtert - und das zu Recht. Denn nach seinen jüngsten Aktionen dürfte auch dem letzten Wohlmeinenden klar sein: Selbst in Benedikt XVI. steckt nur der alte Josef Ratzinger. Und der hat mit einer liberalen Kirche nicht viel am Hut.
Im Gespräch sagt ein namhafter Monsignore im Vatikan, der seinen Namen bestimmt nicht in der Presse lesen möchte, dass die Ergebnisse des Pontifikats von Papst Benedikt XVI., sollte das Kirchenoberhaupt morgen abberufen werden, bescheiden wären: Neben die intellektuelle Auseinandersetzung mit den Bedingungen der säkularen Moderne und die Rückbesinnung auf die christlichen Wurzeln Europas, die Benedikt ins Zentrum seines verkündenden Wirkens gestellt hat und denen die nötige Achtung bestimmt nicht versagt wird, treten zahlreiche politische Zeichen, in die Kirche selbst und in die Welt hinein, die fragwürdig sind. Sie sind geeignet, so der Monsignore, das Pontifikat des jetzigen Papstes im Nachhinein im Ganzen als Misserfolg erscheinen zu lassen. Gegenwärtig, solange Benedikt noch lebt, stellten diese Zeichen die Frage nach dem Plan und der Strategie seiner Regentschaft über 1,2 Milliarden Katholiken auf der ganzen Welt. Und die Frage, wer den Papst eigentlich bei seinen Entscheidungen berät. Der Rückblick auf die Regensburger Rede, die Aussöhnung mit den Muslimen im Zuge der Türkeireise Benedikts im Anschluss erzählt eine Episode des Fragwürdigen. Ungeachtet der Tatsache, dass der Papst in einem wissenschaftlichen Vortrag zitieren kann, was uns wen er will, ist er durch die Proteste in der islamischen Welt darauf hingewiesen worden, dass er das Oberhaupt einer Institution ist, deren politische Macht und Einflussnahme sich bis in die entlegenen Winkel der bewohnten Welt erstreckt. Die Frage wurde also zu Recht gestellt: Wo waren die Berater des Papstes, die ihm die Mohammad-Passage haben durchgehen lassen? Der Heilige Stuhl ist in den Belangen der Diplomatie wohl erfahren; wann je zuvor hatte der Auftritt eines Papstes einen solchen Furor erzeugt wie nach der Regensburger Rede? Die Betonung des tridentinischen Ritus, der, gleichwohl niemals in Gänze abgeschafft, wieder eine gewisse Stellung in der lateinischen Kirche des Westens einnimmt, ist ein weiterer Akzent, der Fragen aufwirft. Es geht dabei nicht darum, das begründete Anliegen, der Liturgie einen besonderen Stellenwert im Vollzug des Katholischen einzuräumen, sondern um die Frage nach dem Gewicht, die einer solchen Neuausrichtung gegeben wird – zumal dadurch das Verhältnis zur jüdischen Religionsgemeinschaft extrem geschädigt wurde. Die Karfreitagsfürbitte der alten Liturgie sieht eine Bitte für die Bekehrung der Juden vor. Die Liturgiereform hat diese Fürbitte getilgt und durch ein offen formuliertes Gebet für die älteren Geschwister im Glauben an den einen Gott ersetzt. Papst Johannes Paul II. hatte einmal, als im Karfreitagsgottesdienst der alte Text verlesen wurde, die Feier aufgehalten und den neuen Text verwenden lassen. So wichtig war dem Papst aus Polen die Aussöhnung mit dem Volk des Alten Testaments. Seinem Nachfolger, dem Statthalter Petri aus Deutschland, scheint dieser Akzent im Pontifikat abzugehen - und das wirkt bedrückend. Auch hier fragt man sich: Wo sind die Berater? Wer lässt so einen folgenreichen Schritt zu? Ein Schisma überwinden zu wollen mit einer Gruppe, die im katholischen Spektrum am rechten Rand angesiedelt ist, mag ein legitimier Wunsch eines Papstes sein, der unter dieser Trennung, so hört man, besonders gelitten habe. Auch hier stellt sich die Frage nach dem Gewicht, den der Schritt, vier Bischöfe der Lefebvre-Bewegung in den Schoß der Kirche zurückzuführen, bekommt. Denn das Schisma mit der orthodoxen Welt gibt es noch genauso wie das große abendländische, aus dem die Kirchen der Reformation hervorgegangen sind. Und: Es gibt auch in der katholischen Großkirche Bewegungen – namentlich die Befreiungstheologie aus Lateinamerika -, die am linken Rand, wenn man so sprechen will, des katholischen Spektrums stehen. In Ökumenefragen passiert nichts Weltbewegendes, auf die Befreiungstheologie sind weder Johannes Paul II. noch Benedikt XVI. zugegangen. Das Zeichen, die Lefebvre-Bewegung für sich zu gewinnen, ist de facto angesichts dieser Lage übertrieben. Auch hier stellen sich die Frage nach den Beratern und – spätestens jetzt – die Frage nach dem Urteilsvermögen des Papstes. Im Zuge der Rehabilitierung der vier Lefebvre-Bischöfe stellt sich dann auch noch heraus, dass einer von ihnen ein praktizierender und passionierter Holocaust-Leugner ist. Der Vatikan will davon nichts gewusst haben. Der Papst selbst sieht sich, nach einigen Tagen, genötigt, selbst Stellung zu beziehen und die Kritiker zu beschwichtigen. Seine Aussagen sind keineswegs Phrasen, sondern zeigen einen Papst, der verwundert ist, über die Auswirkungen, die seine Entscheidung gehabt hat. Niemals hat Benedikt sich die Aussagen des Bischofs zu Eigen gemacht. Den Schaden haben die zuständigen Berater indessen schon angerichtet. 40 Jahre Dialogarbeit mit den Vertretern der jüdischen Glaubensgemeinschaft stehen auf der Kippe. Spätestens jetzt muss einem als Katholiken aus Deutschland die Mannschaft um den deutschen Papst herum peinlich sein. Was ist nun die Zwischenbilanz des Pontifikats Benedikt XVI.? Vor allem kann man eines mit Gewissheit sagen: In Rom herrscht kein Gespür für die Dinge, die für Katholiken am Beginn des 21. Jahrhunderts wichtig sind. Es ist egal, welche Farbe das liturgische Kleid am Karfreitag ziert. Nicht egal ist, wie sich die Kirche zur Religionsgemeinschaft der Juden verhält. Es ist egal, ob eine Gruppe, die nicht einmal 0,1 Prozent an der Gesamtmitgliederzahl der katholischen Glaubensgemeinschaft ausmacht, ihren Frieden mit dem Zweiten Vatikanischen Konzil macht oder nicht, während gleichzeitig die Ökumene keine Schritte tut und die Herausforderungen der Pastoral nicht mutig genug angegangen werden. Was ist nun mit den Beratern? Der Monsignore, der ungenannt bleiben möchte, sagt, es seien vor allem die Reaktionäre um den Papst, die die Gutmenschlichkeit des Pontifex ausnutzten, Erzkonservative, denen das Konzil und seine Hinwendung zur Welt von jeher ein Gräuel sei. Ist der Papst eine Marionette, ein Gefangener im Kirchenstaat? Für den Menschen Joseph Ratzinger stimmt das mit Sicherheit ein Stück weit. Nie wollte er sich wirklich mit dem Hofschranzentum der Kurie abfinden. Sein zurückhaltendes Wesen mag zudem den einen oder anderen Prälaten ermutigen, das Votum des Papstes für sich zu erschleichen. Als Benedikt XVI. ist Joseph Ratzinger der Nachfolger Petri und Statthalter Jesu Christi. Sein Job ist es, die Kirche zu leiten und wenn es sein muss, auch zu verteidigen - gegen die Feinde von außen, aber auch gegen die von innen. Deshalb die Frage: Wann tritt der neue Beraterstab seinen Dienst an?
In Paraguay geht eine Epoche zu Ende. Nach 61 Jahren an der Macht verliert die Colorado-Partei das Präsidentenamt. Der neue Staatschef ist ein Linker: Fernando Lugo. Noch rätselt man, ob er eher Hugo Chávez in Venezuela oder dem pragmatischen Luiz Inácio Lula da Silva in Brasilien ähnelt.
Die Wahl Joseph Ratzingers ist im Konklave mit großer Einhelligkeit erfolgt. Die Reaktionen aus aller Welt hingegen reichen vom überschwänglichen Jubel bis zur groben Beleidigung.
Als Glaubenshüter im Vatikan hat Joseph Ratzinger die theologische Ausrichtung der katholischen Kirche wesentlich mitgeprägt. Seine Position zu umstrittenen Fragen in Stichworten.
Wenige Katholiken in Lateinamerika hatten geglaubt, dass ein Kardinal aus ihren Reihen zum Papst gewählt würde, gehofft hatten dies aber viele. In der größten katholischen Region der Erde wird die Wahl Ratzingers nun bedauert.
Passend zu Ostern sendet der deutsch-französische Kulturkanal Arte eine Dokumentation über das neue katholische Oberhaupt. Die Wandlung von Joseph Ratzinger zu Papst Benedikt XVI. wird zum intellektuellen Abenteuer.
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Benedikt XVI. Benedikt XVI. Evo Morales Fernando Lugo Galileo Galilei George W. Bush Gerhard Schröder Hugo Chávez Jakob von Uexküll Johannes Paul II. Karl Lehmann Leonardo Boff Luiz Inácio Lula da Silva Michelle Bachelet Néstor Kirchner Norbert Lammert Peter Sloterdijk Rafael Correa Silvan Schalom Tony Blair
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