Rassistisch, homophob - und bald arbeitslos

9. Juli 2013, 20:07 Uhr

Dass die Teilnehmer bei "Big Brother" sprechen, wie ihnen der Schnabel gewachsen ist, macht den Reiz der Show aus. Doch bei der US-Ausgabe übertrieben es einige mit der freien Rede. Von Carsten Heidböhmer

Big Brother, USA, Rassismus, Hetze, TV

In der Hängematte liegen und rassistische Sprüche klopfen: Die "Big Brother"-Kandidatinnen GinaMarie Zimmerman und Aaryn Gries hat genau das ihren Job gekostet.©

Kaum ein Format im Fernsehen ist schonungsloser: Bei "Big Brother" wird eine Gruppe von Menschen für mehrere Monate in einem Haus eingepfercht - und dann rund um die Uhr von Kameras gefilmt. Da hilft kein verstellen, kein schauspielern, hier zeigt sich das wahre Gesicht eines jeden Beteiligten. Und das ist leider nicht immer schön, wie die aktuelle 15. Ausgabe von "Big Brother" in den USA beweist. Dort haben einige Kandidaten das "Land of the Free" aus der US-Nationalhymne etwas falsch verstanden und frei von der Leber gehetzt. Gegen Asiaten, Schwarze, Homosexuelle. Alles von Kameras gefilmt und rund um die Uhr ins Netz übertragen.

Von all dem war zunächst in den einstündigen täglichen Zusammenfassungen nichts zu sehen. Doch die Ausfälle mehrerer Kandidaten sprachen sich im Netz schnell rum, das Fernsehen musste schließlich nachziehen und sendete einige der expliziten Passagen. Die für den Sender CBS erfreuliche Konsequenz: eine hervorragende Zuschauerbeteiligung von 6,25 Millionen Zuschauern.

"Shut up, go and make some rice"

Für die ausfällig gewordenen Kandidaten waren die Folgen jedoch weniger positiv: GinaMarie Zimmerman wurde von ihrem Arbeitgeber wegen ihrer rassistischen Äußerungen gefeuert. Die 32-Jährige hatte unter anderem Sozialhilfe als "Nigger Insurance" bezeichnet. Ihr Arbeitgeber, ein Veranstalter von Schönheitswettbewerben, zeigte sich geschockt von Zimmermans Hass und Rassismus. "In einem Betrieb, wo wir jeden Tag von Schönheit umgeben sind, ist es traurig zu sehen, dass so etwas Hässliches von jemandem kommt, den wir auf ein hohes Podest gestellt haben." Zimmermann hatte bei East Coast USA fünf Jahre gearbeitet und Wettbewerbe mitorganisiert.

Die Kandidatin Aaryn Gries muss sich ebenfalls beruflich neu orientieren, wenn sie das "Big Brother"-Haus verlässt. Die 22-Jährige war bei der Modelagentur Zephyr Talent in Austin, Texas unter Vertrag. Doch nachdem sie gegen Asiaten, Schwarze und Schwule hetzte - unter anderem sagte sie über eine asiatisch-stämmige Mitbewoherin "Shut up, go and make some rice" - ließ die Agentur sie fallen. "Aaryn zeigte Vorurteile und andere Überzeugungen, die wir nicht dulden", begründete Zephyr die Auflösung des Vertrags.

Transportunternehmen kündigte weitere Schritte an

Und auch Spencer Clawson dürfte wohl bald eine Kündigung ins Haus flattern. Der Eisenbahnfahrer hatte einen homosexuellen Mitbewohner als "Kermit the Fag" (Kermit, die Schwuchtel) bezeichnet und Hitlers rhetorische Fähigkeiten gelobt. Sein Arbeitgeber Union Pacific veröffentlichte auf seiner Website ein Statement, in dem sich das Transportunternehmen von Clawsons Äußerungen deutlich distanzierte und weitere Schritte ankündigte.

Wie harmlos verliefen dagegen die deutschen Ausgaben. In der ersten Staffel redete sich ein Automechaniker namens Zlatko Trpkovski um Kopf und kragen - er gab zu, William Shakespeare nicht zu kennen.

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