HOME

Warum mich Castingshows nerven

Die Quoten schlappen durch, die Formate haben sich überlebt - aber richtig gut waren Castingshows ohnehin nie. stern.de-Schülerpraktikantin Meret Freisen über weggeworfene Stunden.

Lächeln, lächeln, lächeln: Dieter Bohlen und seine Jury bei "DSDS"

Lächeln, lächeln, lächeln: Dieter Bohlen und seine Jury bei "DSDS"

Die Saison ist vorbei, die Castingshows in der Sommerpause. Endlich. Denn ich kann sie nicht mehr sehen. Das ist meine persönliche Bilanz.

Donnerstagabend. 20.15 Uhr. Was läuft? Natürlich, "Germany's next Topmodel". Eine Information, die schlecht zu übersehen ist bei all dem Medientrubel rund um die Sendung. Eigentlich müsste ich mich jetzt der Frage hingeben: "Wer ist die Schönste im ganzen Land?" Doch als Heidi Klum zum gefühlten millionsten Mal erklärt, dass "nur eine von euch Germany's next Topmodel werden kann", wird es mir zu viel und ich schalte den Fernseher aus.

Eine gute Entscheidung, denn seien wir ehrlich: Castingshows stressen. Mit Sicherheit hat diese Überlegung auch mit einem Trend zu tun: Immer mehr Menschen sind genervt, haben sich sattgesehen an den Klums und Bohlens und sehnen sich nach Abwechslung. Und ich denke, sie haben Recht. Nicht nur, dass es mittlerweile zu viele dieser Shows gibt, dass sie den Fernseher regelrecht überfluten. Es liegt auch an der Glaubwürdigkeit. "DSDS", "Popstars", und Co. prahlen ununterbrochen mit der unglaublichen Karriere des Siegers, die es jedoch nie geben wird. Denn jeder, der einmal eine Staffel "Deutschland sucht den Superstar" mitverfolgt hat, kann bezeugen, dass in den meisten Fällen nach ein paar Monaten nichts mehr vom neuen Superstar zu hören ist.

Jedes Jahr das Gleiche

Und das ist noch nicht alles. Bevor es überhaupt einen Sieger geben kann, muss dieser zuerst seine gesamte Lebensgeschichte erzählen, sich total zum Affen machen und hoffen, dass die Zuschauer ihr Geld verschwenden, in dem sie für ihn anrufen. Vielleicht wissen es die Kandidaten nicht: Aber das Wort "cast", das in "casting" steckt, bedeutet im Englischen unter anderem "werfen". Daraus können wir aufs Ende schließen. Sind die Kameras aus, werden die Kandidaten einfach "weggeworfen".

In den vielen Folgen vorher ist nichts Interessantes zu erfahren. Castingshows wiederholen sich und sind im Prinzip jedes Jahr gleich. Die kleinen Änderungen, die es gibt, ahnt jeder im Voraus. Und dann gibt es da noch diese endlos langen Werbepausen, in denen wir Zeit haben, uns vor den Spiegel zu stellen und zu denken: Die Topmodels sind alle so dünn und hübsch. Wieso sehe ich nicht so aus? Wie kann ich so werden wie sie? Aber sind diese Gedanken wirklich sinnvoll? Tief im Inneren wissen wir doch alle, dass kein Mensch perfekt ist. Noch nicht einmal Heidis Models.

Schlimm: Castingshows für Kinder

Schlimm genug, dass die Sender alle Altersgruppen bespielen und nun auch Castingshows für Kinder zeigen. Mit zehn Jahren sollte niemand live vor einem Publikum performen. Man sollte mit Autos spielen oder den kranken Teddybären gesund pflegen.

Ich will damit nicht nicht sagen, dass Castingshows nur negative Wirkungen haben. Es kann großen Spaß machen, seinem Favoriten die Daumen zu drücken, sich über die Kandidaten zu amüsieren und dann später die Geschehnisse mit der besten Freundin zu bequatschen. Aber: Zwei Staffeln "GNTM" reichen völlig, dann wird es öde. Wir lachen darüber, dass sich jemand zum Deppen macht. In der Sicherheit, dass wir selbst niemals dieser Depp sein müssen. Ist das cool? Eher nicht.

Meret Freisen
Weitere Themen

Stern Logo Das könnte Sie auch interessieren

Wie heißt der Film?
Hallo, seit langer Zeit bin ich auf der Suche nach einem Film, den ich vor ca. 25 Jahren gesehen habe. Es ist ein französischer Film von oder in der Art wie Eric Rohmer. Der Titel könnte "Betrug" oder ähnlich lauten. Es geht um eine Dreiecksgeschichte, bei der ein Mann von seiner Ehefrau und seinem besten Freund betrogen wird. Der Film erzählt seine Geschichte in Rückblenden und steigert die Spannung dadurch, dass der anfangs unwissende Zuschauer von Rückblende zu Rückblende mehr Informationen erhält, bis er gegen Ende sogar wissender ist als die Darsteller. Wie ein roter Faden zieht sich dabei die Frage durch den Film: Wer hat zu welchem Zeitpunkt was gewusst. - Ab wann wusste der betrogene Ehemann, dass er betrogen wurde? - Ab wann wussten die Betrüger, dass der Ehemann wusste, dass er betrogen wurde usw. Der Film beginnt äußerst langatmig. Wenn ich mich recht erinnere mit einer 20-minütigen fast statischen Kameraeinstellung. Zwei Personen (Ehefrau und Liebhaber) sitzen an einem Tisch eines sehr einfachen Restaurants. Aus dem Gespräch erfährt man, dass sie früher einmal ein Verhältnis hatten. Im Laufe der Unterhaltung verdichtet sich allmählich die Befürchtung, der Beste Freund/ Ehemann könnte eine Ahnung gehabt haben. Dann folgt die erste Rückblende. Dieses Prinzip von sich verdichtender Ahnung verstärkt sich immer mehr und verleiht dem Film eine - wie ich finde - einzigartige Dramaturgie. Wäre wundervoll, wenn jemand helfen könnte. Gruß Leo

Partner-Tools