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14. Juli 2008, 08:02 Uhr

"Kein Sex, sonst explodiert mein Gesicht"

Nach Gammelfleisch und -käse beschäftigt eine weitere Ekelhaftigkeit die Nation: Auf der Schlachtbank des Privatfernsehens wird Brigitte Nielsen in ihre Einzelteile zerlegt. In der Doku-Serie "Aus alt mach neu" verkauft sie nicht nur ihr Fett, sondern auch ihre Seele. Von Katharina Miklis

Ex-Model Brigitte Nielsen vor und nach der Gesichts-OP, bei der ihr das eigene Po-Fett ins Gesicht gespritzt wurde© Jens Büttner/DPA; RTL/hanspaul.com

Sie war immer die Ex von Sylvester Stallone. Oder die Frau mit den riesigen Silikonbrüsten. Über mehr ist Brigitte Nielsen in ihrer Karriere nie hinaus gekommen. Mehr weiß man nicht von ihr - oder wollte es nie wissen. Dass sie mit 16 von Dänemark nach Paris und später nach Italien ging, um als Model zu arbeiten, mittlerweile zum fünften Mal verheiratet ist (einmal traf es den Cousin von Orlando Bloom), vier Sprachen spricht, in den 80ern eine Single mit Falco aufnahm und insgesamt vier Kinder hat, interessiert die wenigsten.

Genau das ist es, was Brigitte Nielsen am meisten nervt in ihrem Leben. Naja, und ihr dicker Hintern. Und die Schwabbelschenkel. Und die Falten. Und der ausgeleierte Megabusen. Nicht zu vergessen die schlechten Zähne. Gegen all das wollte sie etwas tun und lässt sich deswegen für die Doku-Soap "Aus alt mach neu - Brigitte Nielsen in der Promi-Beautyklinik" seit vorletzter Woche auf ein Stück Fleisch degradieren, das aus der Form geraten ist. Gammelfleisch. Auf der Schlachtbank des deutschen Privatfernsehens wird sie dem angeekelten und peinlich berührten Publikum zum Fraß vorgeworfen.

Kinder, lasst euch liften. Es ist ein Riesenspaß

Die gestrige Folge war Teil zwei des von RTL auf vier Folgen angesetzten Gammelfleisch-Skandals - und eine wahre PR-Sendung für Schönheits-OPs. Kinder, lasst euch liften. Es ist ein Riesenspaß! Nachdem dem ehemaligen Sexsymbol drei Liter Fett aus Po und Beinen abgesaugt wurden, springt die quirlige Blondine im hotelähnlichen Krankenzimmer wieder auf und ab wie ein Silikonflummi. Keine Schmerzen, keine Nachwirkungen. Ein Spaziergang, so eine OP. Sie könnte sich jetzt glatt für Olympia anmelden, scherzt die 1,85 Meter große Frau, die ihr Fett sogar versteigern lassen will.

Auch die Gesichtsoperation entpuppt sich als spaßige Angelegenheit. Ein bisschen benommen ist die 44-Jährige zwar schon, nachdem ihr acht Zentimeter Gesichtshaut hinter die Ohren getackert und ihr Po-Fett in die Lider gespritzt wurden. Aber nach einem Schläfchen ist das schnell vergessen. Nur "Boogie Woogie" darf sie mit ihrem 15 Jahre jüngeren Mann zurzeit nicht machen. "Kein Sex, sonst explodiert mein Gesicht - sagen die Ärzte", erklärt Nielsen ihrem Ehemann Mattia Dessi. Der daraufhin bedrückter guckt als vor der OP.

Fett und Würde auf dem Silbertablett

Abends darf sogar schon wieder gefeiert werden. Die große Familienzusammenführung steht an. Brigitte Nielsen will uns nicht nur ihr Fett und ihre Würde auf einem Silbertablett präsentieren, nein, auch ihre 13- bis 18-jährigen Kinder werden vor die Kamera gezerrt. Ein halbes Jahr hat man sich nicht gesehen. Die Jungs leben bei ihren Vätern, unter anderem in Italien. Das letzte Mal gab's Mama an Weihnachten, jetzt in Deutschland mit entstelltem Frankensteingesicht. Die Kinder reagieren gelassen. Sie scheinen Schlimmeres gewohnt zu sein.

Brigitte wird persönlich. Erzählt von ihrem vorletzten Mann, Raoul Meyer, von dem sie zwei Söhne hat. Durch ihn war sie dem Tod ganz nah, verrät sie. Nur wegen ihm habe sie mit dem Trinken angefangen und musste diesen furchtbaren Entzug machen flüstert sie, damit die Kinder es nicht hören. Keine Sorge, RTL erzählt es bestimmt nicht weiter.

Dass Brigitte Nielsen damals, also vor 20 Jahren, nicht mit Sly Stallone zusammen geblieben ist, war vielleicht ihr größter Fehler, sagt sie. Alle Freundinnen hätten sie damals gewarnt. "Du bist wie eine scheiße dänisch Girl", haben sie gesagt. Aber sie habe halt damals nur auf ihr Herz gehört. Und dafür gibt es leider kein Silikonimplantat, sonst würde Nielsen hier nicht an einem Sonntagabend im Vorabendprogramm von RTL auf einem OP-Tisch in Darmstadt liegen und in Einzelteile zerlegt werden.

Das Skalpell wird erst zur Seite gelegt, wenn jede einzelne Schraube nachgezogen ist. Nächste Woche sind "Titsi und Tatsi" dran, wie die stolze Besitzerin von 380 Gramm Silikon im Vorbau ihre Brüste nennt. Die Silikonkissenschlacht ist eröffnet. Und alle dürfen wieder dabei sein, wenn die Nielsen wortwörtlich ihr Innerstes preisgibt. Hauptsache nicht vergessen werden, denkt sich die Frau, die immer nur eine Ex mit großen Brüsten war. Auch auf dem OP-Tisch. "Und wenn ich wieder wach bin," stottert Brigitte Nielsen benommen, als die Narkose zu wirken beginnt, "dann will ich einen Privattrainer... Und jeder... jeder soll es erfahren".

Von Katharina Miklis
 
 
KOMMENTARE (8 von 8)
 
dtad (15.07.2008, 16:43 Uhr)
Auch an einem Topmodell geht die Zeit nicht spurlos vorbei
Auch an einem Topmodell geht die Zeit nicht spurlos vorbei und somit hat sie beschlossen öffentlich zu dem Thema Schönheitsoperationen Stellung zu nehmen. Fakt ist jedoch, dass viele Ärzte und Psychologen solchen Veröffentlichungen mit Bedenken gegenüberstehen, da Schönheitsoperationen durch Sendungen wie diese oftmals verharmlost werden. Vor allem bei Jugendlichen entsteht so ein völlig falsches Bild von der Realität, sodass sie glauben, Schönheitsoperationen seien etwas völlig Normales. Aus diesem Blickwinkel betrachtet ist die Sendereihe über Brigitte Nielsens Rundumerneuerung, aus pädagogischer Sicht, nicht unbedingt zweifelsfrei. Brigitte Nielsen ist seelisch krank. Statt Schönheitsoperation sollte Sie mindestens die generalisierte Anwendung der Kälte in einer Kältekammer bevorrechten.
Bei der generalisierten Anwendung der Kälte in einer Kältekammer wird eine Patient für wenige Minuten einer Temperatur von etwa -110 °C ausgesetzt. Dadurch sollen Stoffwechselvorgänge auf Zellebene beeinflusst werden.
Als Anwendungsgebiete wird eine Vielzahl von Erkrankungen angegeben, insbesondere der Gruppe aus dem psychiatrischen Bereich oder bei Orangenhaut. Mit einer guten Kryotherapie kann man Bewegungsraum zurückgewinnen, auch die Lebenslust und & Sexgenuß kann wieder zunehmen.
Quelle:
http://www.apotheka.sk/default.asp?prg=article&id=303
faustjucken_de (14.07.2008, 12:28 Uhr)
Und wenn ich denke, schlimmer geht's nicht..
Greift das deutsche Fernsehen noch tiefer in die mediale Kloake.
Die Frau sieht nicht nur aus wie ein Autounfall, sie ist auch einer: man möchte nicht hinsehen, muss aber irgendwie doch.
Aber das ist natürlich das Kalkül der Herren von RTL.
In diesem Sinne, Mahlzeit
undjetztnochder (14.07.2008, 12:27 Uhr)
Neulich beim Fratzenschneider
im Wartezimmer: "Achtung, nicht rennen, sonst fliegen die Fetzen" - "Pass bloß auf, du kriegst auch noch dein Fett weg". Der nächste Bitte. Dr. Fratzenschneider: "Tut mir leid, Ihnen kann ich nicht helfen weil ... naja, Enthauptungen führen wir hier nicht durch. Aber versuchen Sie´s dich mal bei RTL: die suchen noch Statisten für den neuen Film: "Eine Stadt stirbt an Pustelkrätze".
botoxia (14.07.2008, 11:43 Uhr)
Brazil
Hoffentlich ergeht´s ihr nicht, wie der Mutter des Protagonisten im Film Brazil...
Klaus_P (14.07.2008, 11:24 Uhr)
...
Liebe Stern Redaktion,
bekommt Ihr eigentlich Geld dafür dass Ihr indirekt noch Werbung für den Müll macht? Wenn das so ein Dreck wäre, dann müsstet Ihr nicht noch so ausführlich drüber berichten. Aber scheinbar gehts da um was anderes. Wieviele Idioten nach so einem Artikel wohl schauen wollen ob das auch stimmt... Aber naja, wen wunderts noch?
matthias08 (14.07.2008, 09:58 Uhr)
Dicker Fehler im Text!!!
"Nach Gammelfleisch und -käse beschäftigt eine weitere Ekelhaftigkeit die Nation"
Bitte ändern in:
"Nach Gammelfleisch und -käse beschäftigt eine weitere Ekelhaftigkeit die Klatschpressen"
Dudu (14.07.2008, 09:21 Uhr)
Gutes
Beispiel dafür, warum man in D. über Kurz oder Lang die Presse- und Medienfreiheit einschränken muss.
hannes_schinder (14.07.2008, 09:20 Uhr)
Absurd
so etwas gibt es? Schaut sich das jemand an? Mein Fernseher liegt schon lang im Sondermüll, das GEZ Theater ging mir auf die Nerven, war also kein Fehler. Kino ist sowieso viel besser!
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