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"Ich wollte nie kleingemacht werden, nie harmlos sein"

Jung, hübsch und derbe komisch: Carolin Kebekus ist Deutschlands erfolgreichste Komikerin. Ein Gespräch über Männer, Mett und Magerwahn.

Von Kester Schlenz

  Sie lächelt freundlich, teilt aber heftig aus: Carolin Kebekus, 34

Sie lächelt freundlich, teilt aber heftig aus: Carolin Kebekus, 34

Frau Kebekus, neulich hatte ich Probleme, meiner 80-jährigen Mutter zu erklären, wer Sie sind und was Sie beruflich machen.
Ich bin Stand-up-Komikerin. Ich erzähle Dinge aus dem Alltag, die jeder irgendwie kennt, aus meiner weiblichen Sicht und in meiner Sprache.

Die teilweise recht drastisch ist.


Sie sind aber sensibel.

Sie nennen sich "Witze-Bitch", "Muschido" und "Mensch mit Menstruationshintergrund".


Genau. Stimmt ja auch alles. Aber im Ernst: Das sind natürlich Begriffe, bei denen ich mit Klischees spiele. Wenn eine Frau so spricht wie diese harten Rappertypen, dann kann die sich doch gut "Muschido" nennen, oder? Und einen Menstruationshintergrund habe ich ja. Da rede ich auch drüber #link;http://www.carolinkebekus.de/;in meinem Bühnenprogramm#.

Das heißt "Pussy-Terror". Auch da würde meine Mutter fragend gucken.


Zu Recht. Das ist ja auch eine neue Wortkreation, die aber perfekt verbindet, was ich auf der Bühne so mache. Man sieht eine auf den ersten Blick eher niedliche junge Frau, die dann aber schön heftig austeilt.

2014 war Ihr Jahr. Sie sind Deutschlands erfolgreichste Komikerin. Zuletzt überzeugten Sie mit einer viel gelobten Moderation des Comedy-Preises.
Eigentlich wollte ich das gar nicht machen. Ich dachte, das ist 'ne Nummer zu groß. Und dann sagte ich mir: Hey, dauernd kritisierst du, dass Frauen zu harmlos sind und sich nix zutrauen, und dann jammerst du selbst. Also hab ich das dann gemacht.

Der Höhepunkt war Ihre #link;http://www.stern.de/lifestyle/leute/helene-fischer-fans-sind-sauer-auf-carolin-kebekus-wegen-parodie-beim-comedy-preis-2148632.html;gelungene Helene-Fischer-Parodie#.


Die hat aber nicht jedem gefallen. Helene Fischer ist ja für viele Menschen zu einer Art Gottheit mutiert, die es zu verteidigen gilt. Dabei ist es doch eine große Ehre, parodiert zu werden. Helene Fischer ist schließlich der größte Star, den wir in unserem Land haben.

Gab es Reaktionen von ihr?


Ich weiß, dass sie es sehr lustig fand. Frau Fischer hat offenbar Humor. Einige ihrer Fans eher nicht. Es gibt übrigens eine Gruppierung unter denen, die heißt "Helene-Fischer- Ultras". Irre, oder? Dabei hat man doch versucht, diese "Hooligans gegen Salafisten"-Demo mit der Beschallung durch "Atemlos" zu deeskalieren.

Woher nehmen Sie Ihre Themen?


Aus meinem Leben. Schon als Kind habe ich mich über Rollenklischees geärgert. So nach dem Motto: Jetzt gehen die Mädchen mal mit Puppen spielen, und die Jungs bauen das Baumhaus fertig. Und ich dachte: Hey, wieso darf ich das denn jetzt nicht bauen?

Was war Ihre Reaktion?


Ich bin dagegen angegangen: Ich wollte nie kleingemacht werden, nie harmlos sein. Mich ärgert, dass so viele junge Frauen heute so niedlich, so glatt und pflegeleicht sein wollen. Sich freiwillig reduzieren. Ich kann so was wie den "Bachelor" nicht sehen, ohne zu kotzen - 100 Jahre Frauenbewegung in einer Sendereihe komplett vernichtet. Auch die Sexismus- Debatte im letzten Jahr hat mich ziemlich beschäftigt. Ich kenne das ja alles. Aber es war gar nicht so leicht, das auf der Bühne rüberzubringen, ohne mich in eine Opferhaltung zu begeben. Ich habe keinen Bock auf dieses Gejammer.

Sind Sie Feministin?


Das Wort klingt so ungebumst. Ich sage, was ich zu sagen habe. Schubladen brauche ich nicht.

Sie sagen: Natürlich tragen wir Frauen auch gern tief ausgeschnittene Sachen.


Genau, aber das Dekolleté ist für Leute wie Brad Pitt. Typen wie Brüderle sind nur Beifang.

Frauen mögen Sie, weil Sie Tabuthemen originell aufbereiten. Das Thema "Damenbinden" kommt ausgiebig in Ihrer Show vor, und die Frauen rasten vor Begeisterung aus. Warum?


Weil sie es alle kennen. Alles, was ich sage, hat jede Frau schon mal gedacht. Das ist ja irgendwie auch ein ekliges Thema, aber deshalb ist es auch automatisch lustig. Alles, was in der Hose abgeht, ist immer lustig. Das kann man doof finden, aber es ist so. Ich kann's nicht ändern.

Was sagen Sie zu dem Vorwurf, Sie seien manchmal zu prollig?


Ach Gott, so bin ich einfach. Die Prollige ist aber nur einer von vielen Charakteren. Mir macht es großen Spaß, auf der Bühne in verschiedene Rollen zu schlüpfen. Man darf das also nicht überstrapazieren.

Stimmt es, dass Ihnen viele Männer Penisfotos schicken?


Ja, das machen einige.

Was mag der Grund dafür sein?


Die denken wohl: So, ich schicke der mal ein Foto von meinem Ding. Und dann sieht die das und wird denken: Wow - den ruf ich jetzt aber an. Aber ich sag’s hier deutlich: Es funktioniert nicht, Männer. Allein schon wegen der bescheuerten Einrichtung, die man oft im Hintergrund sieht.

Stimmt es, dass Sie gern Spielerfrau von Lukas Podolski wären?


Ich liebe ihn. Er ist der sympathischste und coolste Fußballer, den es gibt. Aber diese Liebe soll platonisch bleiben.

Sie geißeln den Diätwahn in Frauenzeitschriften und den Gesunde-Ernährungs- Terror. Sie selbst sind allerdings sehr schlank. Nur gute Gene?


Nee, ich habe keine guten Gene. Ich habe das "Gebärfreudiges Becken"- Gen von meiner Oma. Und ich habe Probleme mit meinem Arsch. Ich bin ja selbst ein Opfer des Schönheits- und Schlankheitsterrors. Der Druck auf die Mädels durch die Kosmetikindustrie ist mittlerweile so krass - ich bin mein ganzes Leben lang von der Werbung und von Frauenzeitungen dazu erzogen worden, meinen eigenen Körper scheiße zu finden. Nur damit ich zur Konsumentin werde. Keine Frau kann sich dem entziehen. Das thematisiere ich ja auch auf der Bühne. Natürlich wäre es das Coolste, wenn ich sagen würde: Ich fresse, was ich will. Ich werde die fetteste Sau auf diesem Planeten, und es ist mir egal. Ist es aber nicht. Ich bin eben auch ein Mädchen, das nicht dick sein will.

Sie essen anscheinend ja auch sehr gern. Und nicht nur das. In Ihrer Show träumen Sie sogar von einer Gesichtsmaske aus Mett.


Ich liebe Mett. Ich nenne das gern auch "Bauarbeiter-Marmelade" oder "Sushi vom Schwein". Meine Oma stammt aus Polen. Ich wusste, bis ich 20 war, nicht, dass man ein Brötchen auch mit Käse belegen kann. Ich glaube, ich hatte schon Leberwurst in meiner Babyflasche.

Mit Veganern können Sie folglich wenig anfangen, oder?


Mein Job ist es doch, solche "Bewegungen" zu hinterfragen. Wissen Sie, es kommt doch nie vor, dass ein Veganer stirbt, und hinterher sagt einer: "Du, der Willy war 20 Jahre Veganer. Hast du das gewusst?" Das gibt’s nicht, denn natürlich laufen alle Veganer rum und erzählen dir dauernd, dass sie Veganer sind. Die haben ein aggressives Sendungsbewusstsein. Und dann essen sie in ihren Restaurants Spaghetti mit Bolognese-Sauce aus Pflanzen-Pappe oder so und sagen: "Hmm, lecker - schmeckt total nach Fleisch." Ist doch absurd. Das wäre doch so, als wenn ich mir eine Möhre aus Fleisch nachbaue.

Sie singen sehr gut und überzeugen unteranderem in der "Heute-Show" auch als Schauspielerin. Wo soll es mit Ihnen nach der Comedy-Karriere hingehen?


Das Tollste für mich ist es, auf der Bühne zu stehen. Das will ich weitermachen. Ansonsten wäre ich gern noch "Tatort"-Kommissarin. Oder eine im "Polizeiruf". Und als Partner hätte ich gern Charly Hübner. Der ist so cool.

Ist das eine Bewerbung?


Absolut!

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