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27. August 2007, 16:04 Uhr

"Mir ist vieles peinlich"

Kein zweiter setzt sich im Fernsehen so oft peinlichen Situationen aus wie er: Im stern.de-Interview spricht Christian Ulmen über "Dr. Psycho", seine Abneigung gegen Nacktschwimmen - und verrät, warum ihm vieles peinlicher ist, als alle denken.

Christian Ulmen: "Ich bin nicht wie Max Munzl. Ich weiß, wann ich nerve und ich kann mich richtig anziehen!"© SONY BMG Spassgesellschaft

Drei Jahre lang war er der Anarcho-Humorist von MTV. Dann kam mit "Herr Lehmann" 2003 die erste Hauptrolle in einem Kinofilm. Während Christian Ulmen in der Serie "Mein neuer Freund" die Grenzen der Peinlichkeit auslotete, brachte er Anfang des Jahres als Polizeipsychologe Max Munzl in "Dr. Psycho" endlich wieder anspruchsvollen Humor ins deutsche Fernsehen. Pünktlich zum Drehstart der zweiten Staffel erscheint die DVD mit den ersten "Psycho"-Folgen im Handel.

In "Mein neuer Freund" haben Sie sich in einer Folge in einem vollen Restaurant in die Hose gemacht. Auch bei "Dr. Psycho" wird man manchmal allein vom Zuschauen rot. Ist Ihnen gar nichts peinlich?

Doch! Auch in "Mein neuer Freund" ist mir vieles peinlich. Ich spiele nur Figuren, denen nichts peinlich ist.

Aber fällt Ihnen das nicht unheimlich schwer? Vor allem, wenn Sie selbst wissen, wie unangenehm Sie gerade sind?

Doch. Aber das ist ja auch die Herausforderung oder der Spaß. Der Kick an dieser ganzen Angelegenheit. Es ist natürlich ein Missverständnis, zu denken, dass ich "Mein neuer Freund" gemacht habe, weil mir selbst nichts peinlich ist. Ich glaube, wenn mir selber nichts unangenehm wäre, würde ich das ja nicht spielen können. Dann wüsste ich ja gar nicht, wann die Schamgrenze erreicht ist.

Was macht Ihnen mehr Spaß: Das nervige Arschloch zu spielen, wie in "Mein neuer Freund", oder den liebenswerten Kerl, wie den Max Munzl in "Dr. Psycho"?

Ich finde ja interessanterweise alle Charaktere aus "Mein neuer Freund" sehr liebenswert. Außer eine Figur, Alexander von Eich, die hat etwas Böses in sich. Aber alle anderen sind einfach nur etwas verquer und bisschen falsch gepolt. Wie Max Munzl auch. Die Freunde und Kollegen von Munzl in der SoKo empfinden ihn als nerviges Arschloch. Das ist er aber nicht! Ich finde das ist eine spannende Tragik: Wenn jemand eigentlich Gutes im Schilde führt, sogar liebenswert ist, und trotzdem gehasst wird, weil er so nervt.

Wie haben Sie sich auf die Rolle des Psychologen Max Munzl vorbereitet?

Ich habe das Drehbuch gelesen und dann versucht, den Text wie eine Partitur zu lesen - nachzuempfinden, wie es der Komponist gemeint haben könnte. Ich habe mir eine Art Singsang dazu überlegt, wie sich der Max Munzl anhören könnte. Das ist alles. Ich brauche ja keine psychologischen Kenntnisse, nur weil ich einen Psychologen spiele. Ich muss ja keine Prüfung ablegen. Ich muss nur Befindlichkeiten und Gefühle kennen. Das heißt, wenn Max Munzel Liebeskummer hat, dann ist für mich interessant, wie sich das anfühlt, wenn Max Munzl Liebeskummer hat - und nicht was Freud dazu sagt.

Und wieviel Christian Ulmen steckt dann letztendlich in Max Munzl?

Ein bisschen was schon, sicher. Was ich manchmal auch an mir feststelle, das ist das Nerven mit übertriebener Genauigkeit. Aber ich kann mich richtig anziehen! Und ich denke, ich weiß auch, wann ich nervig werde! Das ist etwas, was Max Munzel nicht hat. Er spürt nicht, wann er nervt.

Haben Sie privat auch Ticks oder Neurosen?

Ja sicher. Nicht im pathologischen Sinne, aber durchaus: Ich gehe zum Beispiel nie ins Kino, weil es da immer so laut ist. Und ich bade öffentlich auch nicht nackt!

Warum?

Weil ich das nicht sehen mag bei anderen und es deswegen selbst auch niemandem zumuten möchte, ihm meinen Hoden ins Gesicht zu hängen. Also in erster Linie mache ich es nicht, weil ich es bei über 90 Prozent der Nacktbader hässlich und deshalb anmaßend finde, sich nackt auszuziehen. Macht schon Sinn, dass sich die Joops und Hugos dieser Welt Kleider ausdenken. Jemand anderen mit seiner Nacktheit zu penetrieren, das finde ich ganz anstrengend.

Von Kritikern wurde die erste Staffel von "Dr. Psycho" gefeiert. In diesem Jahr bekamen Sie den Bayerischen Fernsehpreis als Bester Schauspieler in einer Serie. Die Einschaltquoten blieben allerdings stets überschaubar...

Ich weiß auch nicht, woran das liegt. Für mich ist Quote sowieso Lotterie. Ich kann vorher nicht sagen, was erfolgreich wird und was nicht - und warum. Marktanteile sind sowieso immer eine seltsame Geschichte. Ich glaube aber, wenn man mit etwas, das andersartig und neu ist, bei rund einer Millionen Zuschauer liegt, dann ist das schon okay. Für mich jedenfalls.

"Dr. Psycho" auf DVD

"Dr. Psycho" auf DVD Nach Kinofilmen wie "Herr Lehmann", "Elementarteilchen" oder "FC Venus - Frauen am Ball" spielt Christian Ulmen in "Dr. Psycho - Die Bösen, die Bullen, meine Frau und ich" seine erste große TV-Serienrolle. Produziert wird die Serie von "Stromberg"-Produzent Ralf Husmann. Die Doppel-DVD erscheint am 24. August und bietet neben den sechs Folgen der ersten Staffel einiges an Bonusmaterial - wie Audiokommentare sowie ein Making-of. Zeitgleich zum DVD-Start beginnen in Köln die Dreharbeiten zur zweiten Staffel.

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