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Wenn sich der Tod die Zähne ausbeißt

Der Tod in schwarzem Gewand und mit langer Mähne: Ein traurig-süßer Stoff, aber kein Melodram. Vielmehr ist "Und weg bist Du" eine Tragikomödie, die auf schmalem Grat wandert.

Mit einer Fähre lässt er sich über den Rhein fahren. Er, der Tod, mächtig, stolz, mit langer Mähne und in ein zum Beruf passendes schwarzes Gewand gehüllt. Metapherreich, was sich Regisseur Jochen Alexander Freydank da ausgedacht hat, denn auch in der griechischen Sage ist Charons Fähre über die Styx der entscheidende Schritt in die Unterwelt. Als der Tod endlich Land betritt, bläst er dem Schlachter Lars Müller gleich seinen kalten Hauch ins Gesicht. Wenige Sekunden später ist der Mann platt - überrollt von seinem eigenen Viehtransport.

Uwe Ochsenknecht mit blauem Auge in seinem Gastauftritt als Fleischer Müller - und Christoph Maria Herbst als Tod, der in seinem Notizbuch einen weiteren Haken macht: So beginnt die Sat.1-Tragikomödie "Und weg bist Du" - und so geht sie auch weiter. Denn kaum ist der Schlachter dahingerafft, setzt der Tod seinen Weg fort, diesmal zur krebskranken jungen Mutter Jela Becker (Annette Frier), die er jäh aus dem glücklichen Leben mit ihrem Mann Tom (Johann von Bülow) und Töchterchen Lucy, gespielt von #link;www.stern.de/kultur/film/til-schweiger-90279536t.html;Til Schweigers# Tochter Emma, reißt.

Herbst und der Tod. Das geschulte Auge bestätigt: Der Film wird kein Drama, sondern zur Tragikomödie, auch oder gerade dank Herbst, dem "Stromberg"-gestählten Witzbold. Offenbar ein Sujet, an das sich so recht kein Regisseur wagen wollte. Denn laut Produzent Marc Conrad hagelte es mehrere Absagen. Conrad spricht von 25, die alle "Muffensausen" vor einer sensiblen und schwierigen Tragikomödie gehabt hätten, bis Freydank gefunden wurde, der 2009 für "Spielzeugland" mit dem Oscar für den besten Kurzfilm ausgezeichnet wurde.

Die Leichtigkeit des Todes

Marc Conrad und die Regisseure ist ein Thema für sich: Als der frühere RTL-Geschäftsführer mit seiner Produktionsfirma Typhoon 2009 die ARD-Serie "Im Angesicht des Verbrechens" drehte, war es der Sorgfalt und der Gründlichkeit des Regisseurs Dominik Graf geschuldet, dass die Serie mehr Drehtage benötigte, als der Etat es zuließ, Conrad musste Insolvenz anmelden. Jetzt geht es ihm wieder gut - der Film "Und weg bist Du" hat ihn nicht wieder zurückgeworfen.

Im Gegenteil: Die Arbeit am Projekt ging zügig voran: Nach der ursprünglichen Vorlage von Autorin Monika Peetz, die eine Geschichte aus ihrem persönlichen Umfeld in dem Stoff verarbeitete, sollte der Tod noch gar keine Rolle spielen. Dann wurde ihr aufgetragen, eine Tragikomödie daraus zu formen, und sie erfand die Figur des Todes, der sich im Laufe des Films die Zähne an Jela und ihrer betagten, aber genauso zähen Nachbarin, Frau Griek (Ruth Maria Kubitschek), ausbeißt.

Jela will nämlich noch 28 Tage leben, bis zum achten Geburtstag ihrer Tochter. "Die Dreharbeiten haben viel Kraft und Arbeit gekostet", sagte Hauptdarstellerin Frier - allein schon um dem Thema Tod die Leichtigkeit zu geben wie in diesem Film. "Der Tod ist das finale Thema, das intimste Thema. Sogar intimer als der Sex. Soviel Leichtigkeit wie in diesem Film wünsche ich mir auch bei meinem Tod." Jela jedenfalls erlebt noch den Geburtstag ihrer kleinen Lucy, dann schwenkt die Kamera aus ihrem Leben weg.

Carsten Rave, DPA/DPA

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