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Der Magnum vom Main tritt ab

Nach 32 Jahren und 300 Folgen verabschiedet sich Deutschlands dienstältester TV-Detektiv: Matula geht. Ein persönlicher Abschiedsbrief an einen der letzten echten Haudegen im deutschen Fernsehen.

Von Simone Deckner

  Noch eine Zigarette, dann ist Schluss: Am Karfreitag verkörpert Claus Theo Gärtner zum 300. und letzten Mal die Rolle des Josef Matula in "Ein Fall für zwei".

Noch eine Zigarette, dann ist Schluss: Am Karfreitag verkörpert Claus Theo Gärtner zum 300. und letzten Mal die Rolle des Josef Matula in "Ein Fall für zwei".

  • Simone Deckner

Lieber Claus Theo Gärtner,
nun geht es mit Matula also dem Ende zu. Freitag ist für immer finito mit "Ein Fall für zwei". "Den gibt's noch?", fragen mich Freunde irritiert. Der Satz hätte auch von Dir stammen können. Dass die Serie über einen Anwalt und einen Privatdetektiv 32 Jahre lang laufen würde, hättest Du selbst als Letzter vorhergesagt. Zumal Du die Rolle des verkrachten Polizisten Josef Matula anfangs gar nicht spielen wolltest. Die Legende will es, dass TV-Produzent Georg Althammer Dich ein ganzes Jahr ködern musste. Es lief grad gut für Dich am Theater. 1966 hattest Du das erste Mal auf der Bühne gestanden. Du hattest den Mercutio in "Romeo und Julia" gegeben, auch den Biff im "Tod eines Handlungsreisenden". In Hannover lerntest Du den großen Günter Strack kennen, Ihr wurdet Freunde. Ohne Strack gäbe es Matula nicht. "Der oder keiner!", soll er Althammer beschworen haben. Eines Abends, im "Franziskaner" in München, erlahmte Deine Gegenwehr. Du riefst nach der (sicher bildhübschen) Kellnerin. Die riss einen Zettel ihres Blocks ab, auf den Du die Worte "100 Folgen ok, C.T.G." notiertest. Wie cool ist das?

Am 11. September 1981 strahlt das ZDF die erste Folge "Ein Fall für zwei" aus. Titel: "Die große Schwester". Und Du, Matula, wirst mit Deiner zerknitterten Lederjacke und Deinem spröden Charme zu einer Konstante meiner Kindheit. Immer wieder freitags heißt es für Vater, Mutter, Bruder und Langhaardackel: Ruhe jetzt, Matula ermittelt! Die Titelmelodie von Klaus Doldinger - ein Traum in Synthie! Schon im Vorspann springst Du leichtfüßig wie eine Gazelle über meterhohe Zäune, prügelst Dich mit Kerlen, die Dich um zwei Köpfe überragen und schäkerst mit den Damen. Was Ernstes hattest Du in all den Jahren nie. Sollte ja schließlich kein "Fall für drei" werden, hast Du mal gesagt. Im Vergleich mit den anderen Kriminalisten, die mit Dir den Sendeplatz teilen, warst Du der Kernigste: Derrick war mir zu statisch. Der Alte zu onkelig. Du hingegen hattest Feuer im gut durchtrainierten Allerwertesten und nahmst es mit dem Gesetz nicht so genau. "Keine krummen Touren, Josef!", mahnten die Anwälte. Zuerst Strack als Dr. Renz, dann Rainer Hunold als Dr. Franck, gefolgt von Matthias Herrmann als Dr. Voss und zuletzt Paul Frielinghaus als Dr. Lessing. Sie hätten Dir auch sagen können, dass Du das Rauchen aufgeben sollst.

Billardtisch im Wohnzimmer

Typische Orte, an denen man Dich traf: die Bar in irgendeiner Spelunke in deinem Frankfurter Kiez. An Deinem Billardtisch im Wohnzimmer (!). In deiner Single-Küche beim Kochen. Ungern bequemtest Du Dich auch in die Kanzlei deines Anwalts. Nie gingst Du, ohne der bodenständigen Sekretärin Helga ein Kompliment zu machen. Doch meistens ranntest Du wie ein 1000-Meter-Läufer hinter den üblichen Verdächtigen her. Oder fuhrst mit quietschenden Reifen halsbrecherische Verfolgungsjageden. Das ging nicht immer glimpflich ab. Allein in den ersten 200 Folgen sollst Du 37 Mal verprügelt worden sein, haben Fans nachgerechnet. Da ist es mehr als fair, dass Dir die Hamburger Kapelle Superpunk 1999 ein Lied widmete: "Matula, hau mich raus!"

Natürlich kam auch Kritik: Die Charaktere seien "holzschnittartig", die Dialoge "papieren", die Geschichten "Hausmannskost". Die "FAZ" nannte Dich einen "Underdog", der "Spiegel" zweideutig "das Symbol westdeutscher Beständigkeit". Aber Matula gab auch nie vor, Don Johnson in "Miami Vice" zu sein. Wenn überhaupt, dann warst Du eher der Magnum vom Main. Warum die Leute den Matula so mögen, wurdest Du oft gefragt. Weil er einer aus dem Leben ist, hast Du dann geantwortet. Ein zäher Knochen, ein liebenswertes Schlitzohr.

Bis zuletzt holtest Du gute Quoten. In über 50 Ländern wurde die Serie verkauft. Du hast sogar Horst Tapperts Rekord als dienstältester Ermittler eingestellt. Der damalige bayerische Innenminister Günther Beckstein ernannte dich sogar zum Ehrenkommissar, Handschellen inklusive. Trotzdem läuft am 29. März unwiederbringlich die letzte Folge. Weil Du es so wolltest. "300 Folgen, mehr als 30 Jahre - das reicht." Ein Matula, ein Wort. Am 19. April wirst Du 70. Endlich Zeit, um mit Deiner Frau um die Welt zu reisen. Schon klar, dass so einer wie Du nicht pauschal bucht. Sondern in einem zum Wohnmobil umgebauten 12,5-Tonner über die Straßen donnert. Und beruflich? Endlich wieder ans Theater! Oder einen Heiratsschwindler spielen, auf dem "Traumschiff". Es sei Dir von Herzen gegönnt.

Das ZDF zeigt die letzte Folge "Ein Fall für zwei" mit Claus Theo Gärtner als Matula am Karfreitag um 20.15 Uhr

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